Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 28 (1.12.1893)
- Date
- 1893-12-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Prämuncrations-Prcis. jfiir Cant orrtt u.(£ultusb«unt£ in VeflerrriN!-Ungarn @a 1!״iöf)ri(1.fl- 4.— Halbjüürig.fl. 2.— FürLantorrn n.Lultusbrrnnle tut Ausland Ganzjährig.8 Mark oder 4 Rubel. Für Private und Institute Ganzjährig.fl 6.— Central-Organ für dir Interessen der Csntvrrn und Lultusbeamten. Erscheint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercanior isoad Lauen. Rrdarlion 1 und ע׳■ Administration jj Wien ||, I JIV Aovaragajse Ar. 27...'. -—4 ־'!i | Infernte ■4 |i werden billigst berechnet.;; |j Mannscripte werden nicht [j |j retonrnirt. t* Sbvnnrnrrntsu. Insrrtions.! betrüge sind in Wien zahlbar-!! Nr. 28. Wien, 1. December 1693. 13. Jahrgang. Am 14. November ist Moriz Freiherr v. Königswarter nach mehnvöchentlichem,hvffiulllMöst^Krankenlnger im 57. Lebensjahre verschieden. Ueberall, wohin diese schmerzliche Kunde gedrungen, hat sie wahrhafte und aufrichtige Trauer hervorgerufen, und fast unersetzlich ist der Verlust, den nicht nur die Wiener Glaubensgemeinschaft und das gesammte Judenthum, sondern auch die Stadt Wien und das österreichische Vaterland durch das Hinscheiden dieses Mannes erlitten. Mit jenem Stolze, mit dein einst die Bürger des großen römischen Weltreiches die Worte 61״ vis Romanus suin“ ausgesprochen, hat Freiherr v. Königswarter jederzeit das Bekenntnis ,.Iwri anochi“, ״Ich bin ein Jude" offen und freimüthig abgelegt und den Zusammenhang mit seinen Glaubensbrüdern bei jeder Gelegenheit gepicht. Er war ein treuer Sohn des Judenthums, der den großen Einfluss seiner hohen socialen inid politischen Stellung überall einsetzte, wo es galt die Interessen der Glaubensgenossen zu wahren und ihre angefochtenen Rechte zu vertheidigen. Sein ganzes Leben und Wirken geben hiefür ein glänzendes Zeugnis. Allein die Liebe und Anhänglichkeit zum Judenthum haben feinen Gesichtskreis nicht beschränkt, und als er durch die Gnade des Kaisers in das Herrenhaus und durch die Wahl seiner Mitbürger in den niederösterreichischen Landtag berufen wurde, stand er auch auf der parlamentarischen Tribüne in den vorderstell Reihen, lieberall war seine reiche Erfahrung auf wirthschaftlichem Gebiete, sein freier, staatsmünnischer Blick in politischen Fragen hochgeschätzt und geachtet und die Bedeutsamkeit seiner Persönlichkeit wurde von den maßgebendsten Factoren uneingeschränkt anerkannt. Getreu den jüdischen Traditionen, welche den Reichen und Besitzenden die Bethätigung der Menschen- und Nächstenliebe als heilige Pflicht auferlegen, hat Freiherr v. Königswarter Wohlthätigkeit in weitestem Maße geübt. Sein Palais am Kärnthnerring war eine Zufluchtsstätte für׳ die Armen und Dürftigen, und zahlreiche Stiftungen und humanitäre Jnstitu-/ timten verdanken ihm Entstehung ttnd Förderung. Jedoch nichtnur auf die Glaubensgenossen erstreckte sich seine Wohlthätigkeit;- in dieser Beziehung kannte Freiherr v. Königswarter keinen Unterschied der Confession, er übte Wohlthaten überall, wo Noth und Elend zu lindern waren, und jeder edle Zweck konnte auf seine Mithilfe rechnen. Dankbar gedenken seiner der Wiener Wärmestubenverein, dem Freiherr v. Königswarter vor einigen Jahren den Betrag von 100.000 fl. zukommen ließ, das Teschner Spital, dem er 25.000 fl. spendete und andere ähnliche Ein richtnngen. Mit gleicher Freigebigkeit hat Freiherr v, Königs^ Wärter jedes Streben auf dem Gebiete der Kunst und Wissenschaft unterstützt, und auch die jüdisch theologische Lehranstalt in Wien verliert an ihm einen mächtigen und verständnisvollen Förderer. Auch wir Cantoren sind dem Veretvigten zu unbegrenztem Danke verpflichtet, denn Freiherr v. Königswarter war der Erste, der durch eine wahrhaft munificente Spende den Grundstein zum ״Witwen- und Waisensonde des österreichisch-ungarischen Cantoren-Vereines" legte und andere hervorragende PersönlichkeitenZzu gleichem Thun veranlasste. Das Spendenbuch des Vereines, das auf der ersten Seite die kräftigen Schriftzüge des^ Dahingeschiedenen zeigt, wird in uns jederzeit die Erinnerung wachrufen an das große und edle Herz, das nunmehr zu schlagen aufgehört hat. So groß und bedeutungsvoll das öffentliche Wirken des Freiherrn v. Königswarter gewesen ist, so bescheiden und anspruchslos war sein Privatleben. Schlicht und' einfach hat er gelebt, schlicht und einfach, gleich dem Geringsten der Sterblichen, wollte er begraben werden: und als am 16. November eine illnstre Gesellschaft dem dahingeschiedenen Freiherrn v. Königswarter das letzte Geleite gab, da barg ein einfacher Holzsarg die irdische Hülle des großen und edlen dNenschenfreundes, der während seines kurzen LebenSgattges unsterbliche Verdienste um sein Volk, tun seine Vaterstadt und um das gesammte Vaterland sich erworben hat. In seinen Werken wird sein Andenken ewig fortbestehen. Er ruhe in Frieden! ת׳נ׳צ׳ב׳ד־,,