Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 27 (11.11.1893)
- Date
- 1893-11-11
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6. Gesterreichisch-ungarische Lantorsn-Aeitung. Nr. 27. iu.vollkomjneiler Reücheft<si..Erschemuug tritt. Auf einer Seite verfolgte mail., die..Inden, auf, der anderen Seite schützte man sie. lpiedex. ..Insbesondere thatem;dies die deutschen Kaiser. Die Jud,entgalten als des hl. römischen. Reiches Kammerknechte mrd nmfsten ein gewisses Schutzgeld entrichten. Dieses Schutzgeld wurde 0A..- NzrMch^..ez?hir^..^)er.Wucher., unter dem das Zinsnehmen, ,verstanden, wurde-, :warstrafbar. Als die Kirche selbst irr BeMsix>1pHgpitasien. kam,-.lvnsste sie dieselben nutzbringend auzulegen Mid..nahin.selbst. Zmsen! Von da an durfte man. Zins nehmen,,:aber man...setzteMM Wsiximalzinsfuß fest. Eine Ausnähme,machte :kaiserliche Verordnungen bezüglich des Zinsfußes zu Gunsten der .Juden,, Dafür aber.wurde das Schutzgeld erhöht. Den,Juden war verboten, Grurldbesitz zu erwerben, sie durften kein. Handwerk betreiben, sieMren. unfähig, poliüsche Rechte auszuüben, mussten,,besondere. Abgaben zahlen, sie durften keinen CHMkY.. .heftahm..)l. Jas., alles trug dazu bei, dass die Inden.. sich, .besonders, abschloffen... . Erst .4812 wurde., den .Juden erlaubt, Gewerbe auszuüben, Grund ,und' Boden.u. .ft .w..zu erwerben. Aber trotzdem änderte, sich./.in.der ,Stellurlg der. :Juden nichts und 1833 verlangte-: man..wieder ,dse. ,Beschränkung der 1812 verliehenen Fx.echeitM.;.JN-.Hbrsin/.sH. Vyn, den. Jahren 1822—1833 noch kein : Judesim. Stahirath....MD' Jahr 1848/49 hatte für die Juden "eineBesserung,.ihrer..,..Stellung zur Folge. Kaum war die. Revptntion niedergMlagsif Mr .es auch, mit der besseren Stellung, hex..Juden '.Wieder, vorbei,.Erst nach der Schaffung des deuHchen.',RMes.Mr^err.,.dj.e,Seschryirklmgen. die den Juden noch.auferlegt wurden,, abgeschafft.. Trotz alledem konnte das nicht erreicht , werden, was, dje Antisemiten heute wollen. Vis pu/ Jahre 1877 fahen wir von einein Antisemitismus als..pöliiische. Vewegung nichts. Erst 1877 trat die Bewegung. Joi ^WchewWg^ML^iüM^M^Folge des. großen Kraches. Die. glänzende Periode der.--MoIerität verbarg den Leuten den wahren Charakter der VerhältnW. Nachdem die Juden die GleichbMchügmW'°iyl-. DevWhNnd 'klangt hatten, traten sie als arhZtsftLftige' HandMMse׳ .'sehr fM'Den Vordergrund. Bringt »um 'Stande»';'rM IMG HMe von ihren Eigenthümlichleiten, ::die man-ihnen «UorwirU zu heilen, so muß man die heutige: Gese-llschäftsordnung ändern. Indem die Juden durch ihre'ZählalsHandesstreibenöebenchristlichcn Handelstreibenden un.bHneM'fMd, "ist, besynM-s ׳Kaufmannstande eine antisem,siMe;,-HÄGmig Mtstanbestr, 'Hächdem der Bauer einsehen gesiUyt, lchassi-Wsero: Heutigen-- Parteien ihm nichts helfen, so glauben--sied zugigem der-!Lehre: schafft die Juden fort, dann wird-es beM. Für siie' sozialdemokratische Partei ist es schwerer als.Kr. die.Antisemiten^ denMäuerDzu gewinnen, weil man als ch1^si^M׳e^ch-^helAjMsi׳:-j!äMN muß, so lange' die heutige Gesellschaftsordnung! besteht,: Wrd^es nicht besser. Die Antisenüten'tthun diesnicht, " -ffe ׳wfffen - recht gut, dass sie nie eine enffcheihentzb- Pattei ׳׳werden?/׳WE der Sozialdemokrat nicht DkKM^ße׳/äWter'/.'A^!Mij^s,o.'.^M er nicht versprechen, das uub,Has.:bessern wirf.deM:er.MM-'ps. nicht. Gehen wir einmal nach Baden, Württemberg - urisiw., so sehen wir, dass alles, was!-der:Bauer׳ kauft und verkauft! nur.der Jude vermittelt. Es ist 'klar, ׳ das׳'dies ' die Erscheinungen Hervorrufen muß, wie sie' Deute' herrschen, denn där Bauer.sieht den Kapitalisten mit schWn Achgsi.au..,,.:' ..?/? Auch auf dem G e w e r hege b i e t tritt der Jude stark als Concurrrent in den Vordergrund. Er beschäftigt die Kleingewerbetteibenden als Capitalist 611 gros, als Ausbeuter, was auch dazu beiträgt, dass die Kleingewerbetreibenden Judenfeinde werden. Obwohl sie wissen, dass die Zeiten, wo das Handwerk goldenen Boden hatte, nicht mehr herbeizuführen sind, so glauben sie doch zu gern den antisemitischen Lügnereien, der Antisemitismns werde die Verhältniße bessern. Die großen Lieferungen des Staates bekommen meistens die Juden, welche wieder die Handwerker in ihren Löhnen drücken. Das vermehrt auch den Hass gegen die Juden. Auch die Beamten sind häufig Antisemiten. Ein großer Theil der Beamten ist schlecht bezahlt und macht Schulden. Da er nichts hat, was Sicherheit bietet,, muß er zum Juden gehen, welcher hohe Zinsen nimmt, weil er ein großes Risico eingeht. Zum großen Theile find die. Wucherer Juden. Er riskirt viel, er ist es, der mit Vorliebe solche Geschäfte betreibt. Also ist begreiflich, dass in der Beamtenschaft der Antisemitismus Boden gefunden hat. Dazu.ist der Antisemitismus die einzig polizeilich erlaubte Opposition, die dem Beamten möglich ist. Der Antisemitismus geht in die Offizier skr eise und den Feudal ad el aus demselben Grunde hinein, weil beide stark verschuldet sind. Auch der größte Theil der heutigen Studenten ist antisemitisch. Der Concurrenzkampf, der heute überall vorhanden ist, spielt auch in unseren Gelehrtenkreisen eine Rolle. Der Eoncurrenzkampf macht sich eben auch innerhalb der gelehrten Kreise geltend. Alles ist überfüllt; selbst der frühere Mangel an Theologen ist verschwunden; der Noth gehorchend wird man Geistlicher, ein Beweis, wie materiell auch die Vertreter der Religion denken. Bei ihrem Reichthnm, ihrem Stteben nach Bildung, das soll nicht verkannt werden, überschwemmen die Juden die Universitäten; sie studieren Jura und Medizin, und die germanischen Musensöhne erblicken in ihnen eine unleidliche Concurrenz. Die Juden zeichnen sich im Allgemeinen durch Zähigkeit und Nüchternheit, aus. Der jüdische Student studiert, eben, der germanische treibt sich in Kneipen und auf dem Fechtboden herum und wird dann beim Examen vom Juden geschlagen. Weshalb ist in Sachsen, wo die wenigsten Juden leben, der Antisemitismus am stärksten? Das liegt an den sächsischen Conservativen, mit deren Speichelleckerei und Kriecherei die Bauern nicht mehr zufrieden sind. Wir kommen an die Reihe, wenn die Antisemiten ab gewirthsch astet .habe n. Wir brauchen uns nicht zu fürchten, )venu der Antisemitismus in den nächsten Jahren noch wachsen wird. Er muß über sich selber hinauswachsen. Ahlwardt zieht schon jetzt auch gegen das Junkerthum los. Auch die hessischen Antisemiten müssen bereits gegen das Capital Front machen. Redner geht nunmehr zu einer Besprechung des antisemitischen Programms über und zeigt, dass darin conservativ-reactionäre Forderungen mit demokratischen und sozialistischen abwechseln. So verlangen sie progressive Einkommensteuer unter Beibehaltung der Getreidezölle, die sie für den Bauernfang brauchen. So fordern sie auch die Verstaatlichung der Grundschuld, die auch im communistischen Manifest gefordert wird. Aber der Sinn der Forderung ist da anders. Es ist. unter der Voraussetzung einer revolutionären Regierung zur Sozialisirnng der Gesellschaft verlangt. Kleine Chronik. Wien. Freitag, den 3. d. M. fand unter großer Betheiligung das Leichenbegängnis der leider zu früh hillgeschiedenen edlen und wackeren Frau Rachel Albachary, Gattin des Großhändlers Herrn Sam. Albachary statt. Die Verblichene war in der ganzen Gemeinde und in allen Kreisen der Gesellschaft