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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-11-11 · Heft 27 (11.11.1893) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 27 (11.11.1893)
Date
1893-11-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Tag des Pessach festes mit Reeitiren der Bibel, Misohnajoth lind 80har zugebracht, und ist die Auvrdnnng auch irr den Nächten, die dem Bosohanah-rabbah- Tage vorangehen, lind an Schabuoth eine von den Minhag- ^sohhenasi abweichende. Dass die Misohnajoth) eine große Rolle spielen, — denn das Wort Misohnah hat in der hebräischen Sprache dieselben Buchstaben, wie Neschamah ״die Seele", — und zwar nicht nur bei den Sephardim, sondern auch bei den Aschkenasim, ist bekannt, und es wurden dieMisohnajoth-Gesellschaften, wie dieselben in früheren Zeiten bestanden haben, heute mehr als je von Ntltzen sein. Sagen doch unsere Weisen: ״Immer lause der Mischnah mehr nach als der Gemarah, da die Mischnab das Fundament der Gemarah ist," und ein Bau ohne Fuudament ist bekanntlich nicht viel Werth. Selbstredend gilt hier im wahrsten SinnedesWortes: wetalmudthorah ke’negeclkullom. ״das Studium der Thor a überwiegt alle beide," d. h. dass das genaüe Erfassen der Thora die Grundbedingung zum wahren Verständnis der Misohnah und der Gemarah sein und bleiben muß. Wenn eine thenre Person, Vater oder Mutter, gestorben ist und die Mittel nur theilweise ausreichen, sieht es der Sephardi für seine Pflicht an, für das Seelenheil dieser Person Misohnajoth lernen zu lassen, und zwar werden 11 Monate hindurch, täglich unmittelbar nach dem Morgengebete (80haoharith) von 10 frommen Männern (Ohaohamim und Latlamm) 18 Perakim von jedem Einzelnen gelernt. Das Wort (oha)) /lebend" hat im hebräischen den Zahtenwerth 18 und man will damit für das ewige Leben der verstorbenen Person lernen und beten, da jeden Tag nach Beendigung der 18 Perakim der Laddisoh deräbbanan — der übrigens von dem der Aschkenasim wie der E-addisch. überhaupt abweicht — gesagt. Die Bote-Midraschim, .. Lehrhäuser" spielen hier eine große Rolle, in denselben wird täglich das 80haoharith-Gebet verrichtet, Thiilim vor Beginn des Gebetes gesagt und nach demGebet werdendie Abschnitte ans dem Buche ״Chokle Jisroel", dessen Grundstock von dem berühmten Kabbalisten ףאר״י gelegt wurde, reeitirt, und vom Rabbiner, Ohacham oder Chasan, der in Regel ein jüdischer Gelehrter ist, in's Spagniolische übertragen. Tie bibliographischen Daten über dieses. Buch findet man in Benjacob’s ״Ozar hasefarim“, Wilna 1880 p. 198—199 9hr. 778—780: Die beste Ausgabe dieses "Buches ist in Lemberg in der Buchdruckerei der Frau P e s s e l Balaban 1887 erschienen. Während der Brith milah pflichtgemäß am 8. Tag statt׳ findet, wird die Namengebung eines Mädchensb je nach Gelegenheit vor oder liach 8 Tagen, immer jedoch n u r a m Sabbat h vorgenomlneu; audj dies ist ein religiöser Act und wird die Namengebung auch durch eine Mahlzeit gefeiert. ''Auch ein besoliderer Segensspruch (Berachah) von liturgischer Bedeutung wird bei diesem Anlasse vom Chasan in der Wohnung der Elterir des Kindes gesangsweise recitirt. Trauungen werden in folgender Weise vollzogen: Es ist im Orient Sitte, dass der Brautstand ein ziemlich langer ist und mindestens ein Jahr dauert. Die Verlobrlng geschieht so zeitlich, damit nicht ein Anderer zuvvrkomme, und weil hier noch das talmudische Wort in Geltung ist, ״Ist Deine Tochter großjährig" — und das ist nach talmudischer Ansicht, sobald 9 Es erscheint demnächst von mir eine Nebersetznng der Mischuajoth in spaniolischer Sprache mit einem kurzen hebräischen Commentar. ־) Rabbi Jizcha! i?nrja war einer der bedentendsten Kabbalisten seiner Zeit, sein Schüler Rabbi Chaim Vital war sein treuester Jünger und hat diese Ar! der Anordnung, Bibel, Mischnah und Talmud zu lernen, getroffen. Erweitert wurde dieselbe durch den bekannten Polyhistor Rabbi Chaim David Azalai, der durch sein bibliographisches Werk 8ebe1u hagedolim ״Namen der Großen" sich selbst ein bleibendes Denkmal in der jüdischen Litteratnr gesetzt hat. *)Dieser Act heißt spaniolisch fadaz la iza und hebräisch liswad habath itnb beginnt mit dem 14. Vers des 2. Capitels aus dem Hohcniiede Jouathi bexhagwe hassela be;sether hamadrega ha/.'tni eth mar’ajich hasch’miini etb koleeh ki kolech areb mnareeh ua’ve. ״Meine Taube an Felsenriffen, an heimlicher Stiege, lass mich schauen deine Gestalt, lass mich hören deine Stimme; denn deine Stimme ist sün und deine Gestalt anmuthig". Bei der ersten Tochter wird noch Vers 0 des 6. Capitels ans Lebir hasehirim hinzugefügt. Sonst wird Bers 60 des 24. Capitels gesagt, und ein inischeberacb, worin der Name des Mädchens erwähnt wird, bcsdiließt die Feier.

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