Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 26 (1.11.1893)
- Date
- 1893-11-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 26. Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeilung. Seite 7 kchtne. —- 3. Zlm Jomkippur in der Synagoge, begab sich nun! der Rabbiner zum Vorbeterplatze, der Cantor — welcher nebenbei gesagt, mehrmals schon wegen Renitenz gegen den Rabbiner seitens der Staatsbehörden verwarnt — beeilte sich aber dem Rabbiner zuvorzukommen, der Vorstand — der tut; diesem Jomkippur gegen seine Gepflogenheit in Vorjahren mehrj tnals in die Synagoge gekommen war — kam herbei, worauf folgendes Colloquium geführt wurde: Rabbiner: ״Ich fordere Sie auf, mir den Vorbeterplatz zu räumen!" Vorstand: ״Der Herr Cantor W. hat vorznbeten!" Cantor W.: ״Der Herr Vorstand hat es gesagt!" Rabbiner: ״Ich weiche der Gewalt!" Vorstand: ״Ja, Sie weichen der Gewalt!" Hieraus entfernte sich der Rabbiner aus der Synagoge in ruhigster Weise, eine Anzahl von Gemeindemitgliedern, sogar solcher, die dem religiösett Standpunkt des Rabbiners fern stehen, auch viele Frauen verließen entrüstet die Synagoge, indem große Missbilligmtg und Erregung gegen des Vorstands und Cantors Handlungsweise sich lautbar machte. 4. Der Rabbiner hat aber am Jomkippur weder polizeilichen Schutz gesucht, noch gefunden, dagegen war er in Anbetracht der bestehenden Zustände mit allgemeiner Zustimmung genvthigt, die Sache zur Anzeige zu bringen und ist Untersuchung im Gange." — Wenn der Herr Rabbiner glaubt, mit dieser Berichtigung sich reingewaschen zu haben, so irrt er ganz gewaltig, er bewies nur neuerdings, dass er durch Eigendünkel und Selbstüberhebung verleitet, einen Conflict hervorgerufen, der weder seines heiligen Amtes, twch der heiligen Stunde würdig war. Oberhanjrn, 19. October. In der Laut euer Knabenmord-Affaire ist die Untersuchung wirklich von neuem mit aller Energie ausgenommen worden. .Nachdem in den vergangenen Wochen in Xanten selbst durch den Berliner Kriminalcommiffür Rautenberg eingehende Erhebtutgen angestellt wurden, weilte ant Dienstag auch in hiesiger Stadt ent Berlitter Commissär, um die jetzt bedienstete Dora Moll, bekantttlich eine der Hauptzengen in dein Xantener Process, nochmals zu vernehmen. Wie wir hören, blieb die Moll vollständig bei ihren früheren Aussagen fest, worüber genaue Aufzeichnungett gemacht wurden. Hoffentlich hat die wiederholte Untersuchung einen endlichett Erfolg und führt zttr Etttdeckung und Bestrafung des erbärntlichett Mörders. London. In Gegenwart der ersten Londoner Capacitäten fand hier das Begräbnis von David James, dem berühmten Schauspieler statt. Besonders die Jttden betrauertt ihn attsrichtigen Herzens, da er die artnett seines Glaubens mit größter Freigebigkeit ttnterstützte. David James, oder wie er wirklich hieß, David Belasco, war ein gefeierter Schauspieler, ein braver Bürger, ein liebenswürdiger, guter Mensch tmd zugleich ein treuer Jude. Wenn wir unter dett großen Schauspielertt Wien» Umschau halten, können wir ihm nur noch Sonnenthal an die Seite stellen. Jtn privatem Verkehr erwies er sich als liebenswürdig und natürlich, wie er es attch auf der Bi'thtte war. Wenn auch nicht orthodox fromm, war er doch dem Glattbett seiner Väter treuergebett uttd wohnte oft dem Gottesdienste bei. Es ist bekannt, dass er nie ohne Tallis uttd Niesusa reiste, und dass Freitag Abend in seinem Hause stets Kerzen angezündet wttrden. Zur ״Jahrzett" seiner Eltertt und am Jom-Kippur war er immer in der Synagoge zu finden, und bevor er starb, bat er, man möge ihn nach streng jüdischem Ritus begraben. Von seiner Beliebtheit zeugte die zahlreiche Betheiligung an feinem Leichenbegäugniße. Baliinutre, 16. October 1893. Von Rev. Kaiser erhalten tvir folgende Nachrichten über cantorale Ereigniße in Amerika: Am 10. d. M. wurde eine Specialversammlung des Cantorett-Vereines vott Antcrika abgehalten, in welcher die Statuten desselben eine Veränderung erlitten. Die Veränderttng betrifft die Thunlichkeit der Gründung von Local-Bereinen in solchen Städten, fteilich sind das nur 2—3 tut ganzen Lande, in denen eine größere oder geringere Anzahl von Cantorett Stellung haben. Die Etttferttungen sind so groß, dass der Hauptverein seine Zusamtnenkünste aus eittmal int Jahre beschrüttken musste. lieber die beabsichtigte Ausgabe eines vierteljährigen Musikhestes glaube ich bereits Mittheilung getttacht zu haben. Vorläufig sollen in demselben nur solche hebräische Texte berücksichtigt werden, die allen hier int Gebrauche be sindlichen Gebetbüchern gemein iiud. Das Heft 1. soll das Hall61 nmsasset! und zwar die Psalmen 113116111 awcle adonaj, bezeth jisroelj halleln eth aclonaj kol gojim, hodu. Das ganze vollständig dnrchcontponirt, natürlich jeder Psalm ein Ganzes für sich, für gemischten Chor mit obligater Orgelbegleitung ttnd starker Berücksichtigung des Cantors: des letzteren Partien für eine Baritonstimme geschrieben, nicht höher als d ödes es, da wir von der Attsicht ansgehen, dass der Cantor tticht dazu ist, tutt Bravourstücke ansznsühren. Alle Cantvren, Chvrdirigenten uttd Contponisten vott Synagogengesängen sind sreundlichst eittgeladen, sich bei dieser Arbeit zu betheiligen. Das Unternehmen ist kein geschäftliches, die Copien sollen um den Postenpreis so billig als möglich abgegeben werden. Der Zweck ist würdige, im jüdischen Geiste gehaltene Musik der Synagoge zu bieten, und das derselbett Eigenthümliche weiter auszubilden ttnd zu vervollkommnen. Wentt Sie, geehrte Redaction, uns hiezu behülslich sein können und geeignete Männer der Kunst bewegen, für dieses Heft einige Arbeiten eiuzuschickeu, werden wir Ihnen sehr dankbar sein. Wir wollen in diesen Heften berufenen Männern Gelegenheit geben, sich bei dem großen mnsikliebendeu Publicum mit Erfolg einzuführen. Sie versichernd, dass ich Ihre Bemühungen mit die Hebung und Anerkenttttng des Cantvrenstandes, wie dieselben sich in den Mittheilungen der letzten Nummer der ״Cantorett Zeitung" mattisestiren, hochschätze, zeichnet mit collegialischem Gruße Ihr Freund Alois Kaiser. Elziragv. Ter griechisch-orthodoxe Erzbischof La fas von Zante hat vor dem ״Weltparlament" der Religionen eine Erklärnng gegen das Blutmärchen abgegeben. Diese Erklärung lautete: ״Jtn Ostett ist unter der untvissendett Masse der Bevölkerung der Glaube verbreitet, dass die Juden für die Zwecke ihres religiösett Ritus das Blut christlicher Kinder benützen und, um sich solches zu verschaffen, vor der Begehuttg von Morden tticht zurückschrecken. Infolge dieses Glattbetts brechen oft Judenver folgungen ans und die unschuldigen Opfer sind vielen Tetnü thigungen unterworfen ttnd großen Gefahren ansgesetzt. .Mit Rücksicht aus die Thatsache, dass solche irrthümliche Ideen auch unter den Unwissenden attderer Länder circuliren ttnd im letzten Jahrzehnt sowohl Deutschland als auch Oesterreich der Schattplatz vott Gerichtsverhandlungen gegen unschuldige Inden waren, die angeklagt wurden, solche Ritttalmorde begangen zu haben: richte ich als christlicher Priester an diesen Congreß die Auffor derung, unsere Ueberzeugung zur Kenntnis zu nehmen, dass das Judenthum Mord jeder Art verbietet, und dass keine seiner heiligen Autoritäten und Bücher dett Mord oder den Gebrauch von Menschenblttt für rituelle Zwecke oder für religiöse Ceremonien gebieten oder gestatten. Die Verbreitung einer solchen Verläumdung gegen die Bekenner eines monotheistischen Glattbetts ist uuchristlich. Der Ursprung dieser Verläumdung muß zurückgeführt werden auf die Einbilduttg der Römer, dass die ersten Christen Menschenblttt bei ihren religiösen Verrichtuttgen benützten. Es ist unvereinbar mit der Pflicht des Christen, eine so schreckliche Anschuldigung uuwiderlegt zu lassen und es liegt im Interesse des guten Rufes des Christenthnms, dass ich dieses Parlament auffordere, zu erklären, dass das Judeuthnm und die Juden des ihnen angedichteten Verbrechens nnschnldig sind, wie es die Christen der ersten Jahrhunderte waren." Der Sitzung, in der diese Erklärung abgegeben tvnrde, prüsidirte, — das ist amerikanische Courtoisie — ein Jude: Rabbi Hirsch ans Chicago. Stelle nbenändrrmr n o u. Tie Herren Cantvren Hill er von Pilsen nach Tachau, G r t't 1t Wald von Dachau nach Kremsier, Blau von Floridsdorf nach Gewitsch, Karmiol von Füttfkirchen ttach New-Uork.__ Wir ersuchen um Einsendung der Rückstände. iahrzeitsgedenkblätter-Druckerei uncl Kautschukstempel-Erzeugung von Adolf Türk, Mähr.-Ostrau, offerirt den Herren Cantoren Gedenkblätter jeder Grösse fertig samint Umrechnung ä 80 kr. und Kautschukstempel in jeder Grösse ä fl. 1.5s franco gegen vorherige Einsendung des Betrages. Ebenso Smarte batefilo- und Gedenkblätter zur silbernen und goldenen Hochzeit. Alles in tadel oser Ausführung. Medaillon samint Stempel 80 kr. — Agenten gesucht*