Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 21 (1.9.1893)
- Date
- 1893-09-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Pränumerations-Preis. FürCantoren u.Cultusbramte Central-Organ für die Interessen der Cantoren und Rrdaction 1 und | Administration in Vrsterrrirh-Ungarn Wien II., Aovaragasse Nr. 27. Ganzjährig.fl. 4.— HaNijälirig.fl. 2.— Tultusdeamten. FürCantoren u.Cnltusbearnte Inserate in, Ausland Erscheint jeden zehnten Tag. werden billigst berechnet. Ganzjährig.8 Mark Mannscripte werden nicht oder 4 Rubel. retournirt. Für Private und Institute Ganzjährig.fl 6 — I Begründer: Obercanlor Jacob Bauer. | Abonnementsu. Insertion«, betrüge sind in Wien rahlbar" Nr. 21. Wien, 1. September 1893. 13. Jahrgang. Das Moschvl. Nach seiner Bedcntung und Anwendung in biblischen und nachbiblischen Schriften. XXXVI. HidurMizwoh. Rabbi Jonath an Eibenschitz eifert in seinem Buche ״Jaros Dewasch2) ״. Th. Blatt 24, b) gegen solche, welche es bei der Ausübung religiöser Pflichten nicht genall nehmen, und wendet folgendes Gleichnis an: Wenn Jemand erkrankt und der behandelnde Arzt ein Mittel aus seinem Arzneikasten vorschlägt, welches wohl billiger aber nicht so wirksam ist wie das gleiche Medieament aus der Stadtapotheke, das frisch und kräftiger zubereitet, viel radikaler und andauernder einwirkt; da wird mall gewiss die Mehrkosten nicht scheuen, damit der Erfolg schlieller, die Genesung sicherer sei. So sollte man auch verfahren in religiösen Angelegenheiten. Wo es sich um das. Seelenheil handelt, nicht billige Dinge taufen, um damit seine retigiösell Pflichten zll erfüllen, wenn es auch zweifelhaft ist, ob sie nach vorgeschriebenen Ritus angefertigt sind, beispielweise Tefillin, Talessim, Essrogim und dergleichen; man soll mehr auf Schönheit (hidur Mizwoh), auf Richtigkeit und Vollkommenheit sehen, wenn sie and) im Preise etwas höher zu stehen kommen. 86 Eli w’an־wehu. Einst und Jetzt. Daselbst eifert auch der Verfasser gegen diejenigeil, die aus Gewohnheit an allen alten Einführungen lind Bräuchen hartnäckig festhalten, und werm es auch Mißbräuche sind, blos deswegen, weil Minhog Awossehen bidehem, weil die Vorfahren sie beobachtet haben, und sie kein Recht haben, Neuerungen einzurichten. ״Wie? fragt er, besucht ihr heilte feine Unterhaltungsplätze, keine Kaffehäuser, wohnt ihr nicht in Palästen mit allem Comfort eingerichtet, kleidet ihr euch nicht nach der Mode, haben das euere Väter auch gethan? Ihr alüwortet: das erfordert die neuere Zeit, die Veränderung der Verhältniße, das geschäftliche Leben, Geselligkeit und Verkehr, das soll aber auch in Betreff der religiösen Bräuche sein, auch da lnilß die Zeit in Betracht gezogen werden." Das sind Ansichten, die vor beinahe anderthalbhundert Jahren aus dem Munde einer rabbinischen Capazität behauptet wurden und gewiss Beherzigung in unserem bedeutend vorgeschrittenen Zeitalter Verdiellen! Vorsicht auch gegen Andere. Der Verfasser bringt (2. Th. Blatt 45 b) den Grundsatz zur Geltung, dass wohl die erste Pflicht des Menschen die Selbsterhaltung ist, aber nicht die letzte'; der Mensch muß, um sein eigenes Wohl zu fördern, auch um das Heil Anderer bekümmert sein, lind das macht er anschaulich durch folgendes Moschol: Es befinden sich mehrere Reisende auf einem Schiffe in einer sehr stürmischen Nacht. Ein sehr bedachtsamer und vorsichtiger Passagier blieb in seiner Kajüte, die er sorgfältig untersuchte, und gieng danil zur Ruhe. Was auf den andereil Räumen des Schiffes vorgieng, um das kümmerte er sich nicht, er war nur für sich bedacht. Aber im unteren Theil des Schiffes lagerten mehrere leichtsinnige, betrunkene Menschen, die mit Licht und Feuer unvorsichtig hautirten, so dass das Schiff in Brand gerieth lind unterzugehen drohte. Der Mann in der Kajüte wunderte sich, wie das Ullglück entstehen konnte, da er doch vorsichtig genug war, um jeder Gefahr vorznbeugen. Da er sich aber nur um sich und nicht unl die Andern kümmerte, sie zu warnen, auf die Gefahr aufmerksam zu machen, überhaupt das ganze Schiff zu durchsuchen, bevor er sich zur Ruhe begab, brach dieses Unglück auch über ihll los. So ist es auch in moralischer und sozialer Beziehling. 5. Salomo Efraim Luntschitz, der in Prag als Rabbiner fungirte und 1619 das Zeitliche segnete, war ein berühmter Magid seiner Zeit und von den vielen Werken über agadische Themate ist das Blich 016108״ Ephraim" am meisten hervorragend. Auch dieser Verfasser liebte es, in seüien Vorträgen das Moschol anzllwenden, wovon wir einige Beispiele anfiihren wollen. Jnl 1. Theil No. 10 stellt derselbe bildlich die Bestinlmung des Menschen auf Erden durch folgendes Moschol dar: Der Kaufmann u 1t b sein Geschäftsagent. Ein Kaufmaml schickte seinen Agenten in eine ferne Stadt jenseits des Meeres, daselbst siir ihn Geschäftsverbindungen ailzuknüpfen und gab ihm eine bedeutende Summe Geldes init. Dort angelangt machte der Reisende Geschäfte für sich selbst und erwarb ein bedeutendes Vermögen. Endlich bekam er Heimweh, und die Sehnsucht zurückzukehren. Er kaufte für seine ganze beträchtliche Barschaft kostbare Waaren ein, belud damit ein Schiff, welches aber auf dem Meere untergieng, kaum dass er das nackte Leben gerettet. Ohne Vermögen, ohne etwas ausgerichtet zu haben,