Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 15 (1.6.1893)
- Date
- 1893-06-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Prämlnicrations-Preis. FlirLantorrnu.Lnltnsbrrnnte in Vrstrrrrich-Uirg.irir Ganzjährig.fl. 4.— Halb׳ .krig.fl. 2.— Lanlorrn u.Lulknsbrrnnle Ausland .... 8 Mark cr 4 Rubel, lvalr und Institute r!g.fl- 6.— M die Interessen der Cantoren und Cultusdramten. Rrdartron und Administration Wien II., Novaragasse Nr. 27. Erscheint jeden zehnten Tag. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht - retournirt. - v Begründer: Obercantor laeob Bauer. Jtbonnsnmttau. Insertionsbetrqgr find in Wien;»rtzltmr. Br. 18. Wien, 1. Juni 1898: 13. Jahrgang. Neber die Entwicklung des Synagogengrsanges. Von Obcrcantor I. Singer in Wien. III. Serie. VI. Die weitere Durchsicht des Abrass'schen Werkes bietet uns auch weitere Belege für die bereits kundgegebene Anschauung, dass der Gesangsvirtuose Abrass den jüdischen Cantor nicht zu Worte kommen lässt; ja wäre uns dies einstige Virtuosenthum in der Synagoge nicht bekannt, und bezeugten es die bearbeiteten Texte nicht zur Genüge, man käme wahrlich zu der sicheren Überzeugung, Abrass habe überhaupt nicht fiir ein Gotteshaus, sondern für einen Concertfaal geschrieben, für eine Concertaufsührung, bei welcher der Solo- Stimme eine eminente Gewalt eingeräumt wird, der sich alle übrigen Stimmen nur als verschönernde Behelfe unterordnen müssen. Die Cantorstimme herrscht souverain in den Gesangscompositionen. Wir blicken staunend auf zu dieser Gesangstechnik, die wir heute im besten Falle von einer Opern- Coloratursängerin verlangen könnten, und anerkennen auch die fiir unsere heutigen Anschauungen unbegreifliche Kraft und Ausdauer der dem Cantor von Abrass zugewiesenen Gesangsarbeit, können es jedoch trotz all der uns abgerungenen Anerkennung nicht fassen, wie Gesangsaufführungen der vorliegenden Qualität die Zuhörer zur Andacht stimmen und zum Beten veranlassen sollten. Aus jeder einzelnen Nummer des vorliegenden Werkes sprießt und g r ü n t es voll echten altmodischen Sanges, aber allenthalben hat es auch beim Sprießen und Griinen sein Bewenden, und nicht an einer einzigen Stelle sehen wir irgend ein Knöspchen zur Reise gelangen. Selbst an den beiden Stellen Nr. 15 tikanto schabbositub üRr. 37. or poneaho zieht das interessante ursprüngliche Motiv wie ein Sonnenblick vorüber und verdunkelt sich durch das gewaltsame Aufdrängen fremdartiger, sogenannter deutsch modern er Anklänge; in beiden Piecen bildet die Jischtabacli- Steiger- Tonfolge allerdings den interessanten Untergrund, um alsbald durch stemde, gar nicht in diese Umgebung passende Intervalle alterirt zu werden. Wir gestehen es offen zu, dass wir jedem Blatte dieses Abrass schm Werkes geradezu bedauernd gegenüber stehen. Welche Machtfülle von Gedanken und gesanglicher Wendungen neben der größtmöglichen Versündigung gegen Form und Styl! Welch' bedeutsame gesangstechnische Künstlerschast neben der unbegreiflichsten Sorglosigkeit und geradezu unüberlegten, ja an Leichtsinn streisenden Verquickung der Qualitäten! Unbekümmert darum, ob diese oder jene Passage in diesen oder jenen Rahmen passt, wird dieselbe mit neidenswerther Sicherheit verzeichnet, als ob es sich um eine nichtssagende Anwandlung, die nur dem Augenblicke dient und mit demselben schwindet, nicht aber nm eine Überlieferung an spätere Geschlechter handelte. Diese Augenblicksproducte der altjüdischen Cantor- Barden sind uns ja nicht fremd und wir billigten dieselben als ein Mittel zum Zwecke der einstigen Bestrebungen, in der Erwartung, dass das Wilde, Zügel-und Gesetzlose sich allmälig verflüchtigen und einer geordneten Anschauung Raum schaffen würde. Wir würdigten diesen sogenannten Stegreifgesang vergangener Epochen als die Arbeit einer Sturmperiode die zur allmäligen Abklärung fiihren und bei einer etwaigen Auszeichnung desselben uns Epigonen nur die Umrisse überliefern sollte, vermittelst deren derselbe auch nachgefühlt werden könnte. In dieser Anschauung schätzten wir das Lowe'sche Synagogengesangswerk als ein Ergebnis jener Periode und stehen nicht an, uns noch heute in dasselbe zu vertiefen und an seinen liebenswürdigen Schönheiten uns zu ergötzen. Doch nach einem Zeitpunkte, da diese mannigfachen Kämpfe bereits als abgeschlossenerachtet und derLollirÄon gleichsam als Inbegriff gewonnener diesbezüglicher Resultate aufgestellt und allenthalben angenommen wurde, dursten doch, unseres Erachtens, die bereits abgethanen und fiir die Zukunft unmöglichen Forinen und gesanglichen Eigenthümlichleiten nicht neu verzeichnet und an spätere Geschlechter überliefert werden. — Je nun! in diesem Abrass'schen Werke liegen alle diese Absonderlichkeiten vergangener Tage ganz offenkundig vor uns, und wir müssen auch die Resultate verzeichnen, die diese absonderliche Veröffentlichung im Gefolge hatte. Die Abrass'schen Absonderlichkeiten theilen sich in drei Gruppen, von denen jede einzelne einer eingehenden Prüfung würdig erscheint. Zusörd^st das Cliasoims. Ein fragmentarisches. Anklingen der traditioneller Melodie bei HssokomrmdDM Nr. 21