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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-05-11 · Heft 13 (11.5.1893) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 13 (11.5.1893)
Date
1893-05-11
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Gesterreichisch-ungarische Lautoren-Zeitung. Seite 7. Nr. 13: als Aeußerung des damaligen Kronprinzen verbreitet, dass die Juden- Hetze eine S ch m ach für Deutschland sei. Stöcker wies alle Zeug-- niße darüber zurück, weil sie alle auf den Juden Magnus zurückzuführen seien. Allerdings hob schon damals der freisinnige Abgeordnete Schmid (Elberfeld) hervor, dass ihm gegenüber Forckcn b eck jene Aeußerung bestätigt habe, und zwar nicht nur auf das Zeugnis Magnus', sondern auch des verstorbenen damaligen Kammcrherrn des Kronprinzen, Frcihcrrn v. N o r m a n n. Nunmehr haben, wie die Freisinnige Zeitung meldet, die drei Söhne Magnus', Rudolph Magnus, Professor Paul Magnus, der bckannte Botaniker und Dr. jur. Ernst Magnus, dem Reichstags-Präsidcnten v. Levetzow Erklärungen zum Beweise für die Wahrheit der Aeußcrungen ihres Vaters mitgetheilt. Der frühere Minister v. S t o s.ch bezeugt unter dem 27. März 1893, dass Herr Magnus unmittelbar nach der Sitzung der Victoria-National-Jnvalidenstiftuug im Jahre 1880 ihm jenen Ausspruch mitgetheilt habe. Minister v. Stosch schreibt: ״Ich weißdass das geäußerte Urtheil durchaus den Ansichten weiland Sr. Majestät Kaisers Friedrich III. entsprach, und ich kann hinzufügen, dass in mannigfachen Unterredungen, welche ich mit meinem langjährigen Freunde, dem damaligen Kammerherrn v. Normann, gerade über diese Sache gepflogen, die q n e st i o n i r t e Aeußerung, als von seiner kaiserlichen Hoheit gemacht, nie in Zweifel stand." Ferner bezeugt Dr. Moriz Gumbinner notariell, dass er als Zeuge jener Unterredung beigcwohnt habe, und dass der Kronprinz hiebei die Worte gebrauchte, er habe während seiner Anwesenheit im Auslande dort von den hiesigen Vorgängen Kenntnis genommen und sich der Scham nicht e rw e hr en k önn en. Nach Schluss der Versammlung hätten ihm Stadtrath Magnus und Geheimer Ober- Regicrungsrath Wulfs heim den vollständigen Inhalt des betreffenden Gesprächs mitgetheilt, mit der Verpflichtung, über die Vorgänge nichts an die Oeffentlichkcit zu bringen. Die ohne sein Zuthun in der National- Zeitung damals stattgehabte Veröffentlichung habe den ihm gemachten Mittheilungen und seinen persönlichen Wahrnehmungen entsprochen. Ferner bestätigt H. v. B u n s c n aus Rom unterm 3. April 1893 den Inhalt eines von ihm am 20. Juni 1880 an den Stadtrath Magnus gerichteten Briefes folgenden Inhaltes : ״Die Kronprinzessin nahm die Gelegenheit wahr, von der ״Judenhetze" und der ״schönen Geduld" zu reden, welche die Juden -an. den Tag gelegt haben. Im Laufe dieses Gesprächs habe ich dann der hohen Frau von Ihrer Absicht ein Lessing-Denkmal zurrrichten, erzählt. Auf meine Aeußerung, dass gerade jetzt der Augenblick mir gekommen zu sein, scheine, wo gar Mancher sich freuen würde, seine Gesinnung zu bekunden und damit einer ebenso frechen als. unerwarteten Agitation entgegenzutreten, gieng sie lebhaft bejahend ein. Ich. hoffe, dass man weiß, wie scharf und entschieden der Kronprinz und ich sie mißbilligen." .. Dresden. Dem Verwaltungsberichte der hiesigen Gemeinde, pro 1892 entnehmen wir über die leider vergeblichen Schritte zur Aufhebung der Verordnung über das Betäuben des Schlachtviehes Folgendes: ^Hn einer gemeinschaftlichen Vorstellung an Se. Excellenz den Herrn, Minister des Innern wiesen im Mai 1892 die Vorstände der Religionsgemeinden Dresden und Leipzig auf die große Bestürzung hin, welche das drohende Verbot der seit Jahrtausenden geübten Schächtmethode in ihren Gemeinden Hervorrufe, auf die Gutachten hervorragender Sachverständiger, welche das Schächten aus gesundheitlichen Gründen vorziehen und in Bezug auf Humanität anderen Methoden mindestens gleichstellen, wogegen Miss, stände beim Vorverfahren, nicht von den Schächtern, sondern von den Fleischergesellen verschuldet worden und nichts mit dem Ritus zu thun haben. Die Vorstellung schloß mit einem Audienzgesuch für die Herren Rabbiner Dr, Winter, Dresden .und. Dr. P arg es, Leipzig, Diese Audienz fand am 20. Mai 1892 statt. Es wurde sodann — im Juli — in einer Immediateingabe an Se. Majestät den König von den Vorständen der israelitischen Religionsgemeinden Dresden, Leipzig und Chemnitz Audienz für die drei Rabbiner dieser Gemeinden, zur Darlegung ihrer Bitten um mindestens einjährigen Aufschub des Schächtverbots gerichtet. Das Audienzgesuch ward nach befohlenem Vortrag seitens des Ministeriums des Innern abgelehnt. Eine nochmalige Vorstellung der drei Gemeinden an das königl. Ministerium des Innern vom August wies auf die inzwischen hergestellte Vorrichtung zur raschen und schmerzlosen Niederwerfung des Thieres hin und erbat nach deren Erprobung Sistierung des Schächt- Verbotes. Letzteres trat indeß mit der veränderten Verordnung am 1. Oktober in Kraft. Es fand indeß infolge jener Vorstellungen am 18. October unter Zuziehung des Gemeinderath es eine Schächtprobe mit dem neu erfundenen Apparat vor dem Herren Ministerial-Rcferenten und der Königl. Commission für das Veterinärwesen statt, worauf Ende Oktober eine nochmalige Vorstellung der drei Gemeinden an das königl.: Ministerium des Innern mit der Bitte abgieng, die Angelegenheit dem königl. Cultus- Ministerium vorzulegen. — Dieses Gesuch ward unter dem 13. Decembec vom königl. Ministerium des Innern abfällig b e s ch i e d e n." Bromberg. Die Eisenbahn-Direktion in Bromberg theilt mit, dass der hamburgische Staat russische Auswanderer in Hamburg nicht mehr aufnehme und deshalb von den preußischen Staatsbahnverwaltungen Fahrkarten an solche Auswanderer ferner nicht ertheilt werden. Die mit den Eisenbahnen in den Grenzstädten eintrcffenden russischen Auswanderer, die über Hamburg nach Amerika zu reisen beabsichtigen, werden deshalb nicht weiter befördert und liegen, ein Bild des Elendes darbietend, hungernd in diesen Städten. Bukarest. Während der rumänischen Osterfciertage hat in Braila eine Versammlung rumän.ischer Reservisten israelitischer Confession stattgefunden, auf welcher die Absendung einer gegen die Beschränkung des unentgeltlichen Unterrichts in den staatlichen Volks- und Gewerbeschulen auf die Kinder rumänischer Vollbürgcr gerichteten Petition .au den König und die Ueberreichung eines in gleichem Sinne gehaltenen Memorandum, welches trotz seiner voraussichtlichen Erfolglosigkeit doch als ein wcrthvottcs Aktenstück zur Geschichte der Naturalisalionsbestrebungen der rumänischen Israeliten bezeichnet zu werden verdient, wird darauf verwiesen, dass, mit Ausnahme voll 80 bis 90 natnralisirten Juden, sämmtliche einheimischen Israeliten des Landes als Fremde betrachtet würden, obgleich sich dieselben als Rumänen fühlen, außerhalb Rumäniens kein Vaterland besitzen und auch zu dem laut Artikel 118 der Verfassling als ausschließliche Verpflichtung der Rumänen erklärten Militärdienste hcrbeigezogen werden. Nachdem nun Artikel 23 der Konstitution für alle Rumänen das Recht dcS unentgeltlichen Unterrichts in den Staatsschnlen garantirt, sei dieses verfassungsmäßige Recht den nicht naturalisirten rlimänischen Juden durch die von der Kammer beschlossene Beschränkung des unentgeltlichen Schulbesllches verkürzt worden. Unter dem Vorwände, dass sich die Juden dem Nnmänenthnm nicht assimiliren wollen, wolle man nun diese von den Juden selbst gewünschte Asinnilation nur erschweren. Unter den Letzteren sei aber in Folge verschiedener restriktiver Gesetze seit 1866 ein ansehnliches Proletariat herangcwachsen, welches nicht über die Mittel verfüge, um für seine Kinder das Schulgeld zu zahlen und dessen Vermehrung unmöglich im Interesse des Staates gelegen sei. Eine zweite, von mehreren naturalisirten Israeliten Unterzeichnete Petition wendet sich an das Präsidium und die Mitglieder der Depntirtenkammer mit dem Ansuchen, die auf die Zuerkennung des Bürgerrechtes für die minderjährigen Kinder neuer Staatsbürger bezüglichen Beschränkungen deS Gesetzvorschlages JoanN. Lahovary fallen zu lassen. Der von demselben Abgeordneten früher cingebrachte Antrag sprach diese Zucrkennung ganz allgemein aus und stand im Einklang mit Artikel 10 der Verfassung, welchem zufolge in Rumänien kein Claffennnterschied besteht und alle Rumänen vor dem Gesetze gleich sein sollen. Die neue Fällung des Antrags L a h o v a r y spreche aber nur den minderjährigen Kindern neuer Staatskürzer rumänischer Nationalität das Bürgerrecht zu und verstoße somit durch Einführung eines Unterschiedes innerhalb der Staatsbürgerschaft gegen Sinn und Wortlaut der Verfassung. Obgleich nnn die in Rede stehende Beschränkung wohl in erster Linie gegen die naturalisirten Juden gerichtet ist, so muß doch dieselbe selbstredend auch ans alle naturalisirten Ausländer nichtrumänischer Nationalität Einwendung finden, so zwar, dass es sich wohl der Mühe verlohnt, den betreffenden Vorschlag im allgemeinen Interesse der öffentlichen Beurtheilung zugänglich zu machen. Bukarest. Der hier tagende nationale Socialisten-Congrcß erklärte sich für die politische E m a n c i p a t i o n der rumänischen In den. BrlAvad. Bei dem Gottesdienste in der Kirche am 16. April wurde dem Obbcrrabbiner Dr. Bernfeld — der, beiläufig bemerkt, nicht' in Talith und Tefillin, sondern im Oranat erschienen war — ein Platz in der Nähe des jugendlichen Königs angewiesen. Dr. B. dankte dem Könige im Namen der serbischen Juden dafür, dass er eine von den Regenten geplante Maßregel gegen -die Juden — cs sollte ihnen kein Schankrecht mehr ertheilt werden, weil sie sich den Radikalen angeschlosscn — zunichte gemacht. Petersburg. In Petersburg wird demnächst ein Ra b bin er tag abgehalten werden. Die russische Negierung hat nämlich die Berufung jüdischer Delcgirtcn angcordnet, um einige wichtige Fragen auf dem Gebiete des religiösen und socialen Lebens der Juden zu lösen. Durchwegs sollen zu den Berathungen Rabbiner entsendet werden. Diese Einberufung steht in Verbindung mit den Beschlüssen der Plehwe'schen Commission, welche die Aufhebung der Autonomie der jüdischen Cnltnsgcmcinden, sowie die Festsetzung der Zahl der jüdischen Bethänscr im Reiche beschlossen haben soll. Auch unter Kaiser Nikolaus I., auf Anregung des damaligen Ministers der Bolksaufklärung, Grafen Uwarow, wurde eine Rabbiner-Delegation nach Petersburg einberufen; damals jedoch handelte cs sich um Errichtung von Schulen für die Juden, welche bestimmt waren, Letztere dem russischen Staatskörper näher zu bringen. Die später thatsächlich errichteten Seminarien in Wilna und Schitomir, sowie die Lehranstalten in den meisten von Juden bewohnten Städten im Czarenreiche haben die Juden zur Bildung angespornt und für die Assimilation derselben mit dem Russen- Volke gewirkt. Die durch diese Schulen gezeitigten Früchte haben später Kaiser Alexander II. veranlasst, den Juden die Pforten sämmtlicher Lehranstalten im Reiche zu öffnen.^ PiMcationen öes öjkerr.-rrrrgar. HMoreir-IereiE. Den Pflichtbeitrag für den Jnvaliditätsfall Singer, Neubidschof haben entrichtet: D. L. Rotter, Wien; Grünberger und Herz, Prcrau; Lemberger, Kuttenplan; Rosenfetd, Pisck; Kohn.Janoshaza (Jahresb.fl 1.50) Guttmann, Prag; Pollak, Vlassim (Jahresb. fl. 3.—); Popper und Lederer, Eger; Sailer, Brcitenbrnnn; Weiß, Brandeis (Jahresb. fl. 3.—); Götz, Puklitz; Teltsch, Stockerau; Kohn, Budwitz; Neumann, Hollabrnnn (Jahresb.fl. 1.50); Schrecker, Jungbunzlau (Jahresb. fl. 1.50); Kohn, Teschen (Jahresb. fl. 2.—); Brunner, Jglau; Schischa, Wilhelmsburg (Jahresb. fl. 1.50); Gruschka, Kromau (Jahresb. fl. 1.50); Kohn, Tuäap; Neumann, St. Pölten; Grünfeld» Wien (Jahresb. fl. 3.—); Kohn, Nakonitz; Löwy, Neunkirchen (Jahresb. fl. 3.—); Schönfeld, Tab; Friedländer, S. Bolhas; Rosenberger, Komorau; Thaler, Oedenburg; Löw, Jglau (Jahresb. fl. 9.50); Steiner, Mescritsch (Jahresb. fl. 6.10); Rotter, Polna; Blum, Schlau; Bassl, Wien (Jahresb fl. 2.—) Woviz Matt» Cassier 11., Tcmpelgasse 3.

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