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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-05-01 · Heft 12 (1.5.1893) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 12 (1.5.1893)
Date
1893-05-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische ]? v änumeralions-Preis. FürCantoren ».CultnSbeamte in Oesterreich-Ungarn Gangährig.fl 4.— Halbjährig.fl 2.— FürCantoren u.Cnltnsbeamte im Llnsland Ganzjährig.s Mark oder 4 Rubel. Für Private und Institute Ganzjährig.fl. 6.— —Pr. 12. Central-Organ für dir jlntrirffru drr Laiitvrrn mti! jj I Cnltnsbeanltrn. Wedaction und Administration 1 Wien j!1. Nrwaragaffe Nr. 27.!j Erscheint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercanror laovb Kauer. Inserate! werden billigst berechne!. j! ׳)Aaicicripte werden nicht jj i| retournirt. jj j! Abonnementsu. Jnsertions-!j berräge sind in Wien zahlbar, jj Wien, 1. Mai 1893. 13. Jahrgang. Mr dir zahlrrichrn Gratulationen und Sympatl;ibdr;eugungen, welche mir;u meinem 25jährigen Csntorjubiläum von Seiten der löblichrn Cultusgerneindrn und Vereine, sowit der ehrwürdigen Herren Raddinen und meiner lieden Kollegen und Freunde;u Cheil wurden, statte ich auf diesem Wege meinen innigster: Dank ad. Oberrantor Iaeok Kauer. Urber die EutmilirUmg des Synagogengesanges. Von Josef Singer, Wien. 111. Serie. V.*) Osias Abrass, der moderne polnische Chasan par exceHsncs und Salomon Sulzer, der bedeutendste Vertreter des modern-jüdischen Cantorates sympathifiren in den unter ihren Namen veröffentlichten Werken in der zielbewussten Außerachtlassung der traditionellen Melodie. Lei Sulzer wäre dieses unbegreifliche Vorgehen insofeme zu entschuldigen, als er in der Umgebung seiner christlichen Mitarbeiter zuförderst lediglich Neues zu schaffen bestrebt war, oder aber in einer Periode, wo der fortschrittliche Drang den Jrrden zürn Ablegen seiner althergebrachten Bekleidung (Mantel uno Dreimaster 2c.) zwang, befürchten musste, mit einem etwaigen An lehnen an die gewohnten Gesänge der von ihm verpönten ״Judenfchule" Schiffbruch zu leiden. Die gewonnene reifere Anschauung bei Herausgabe des Schic Zion II. drängte Sulzer zu dem anerkennens- und beachtenswerthem Streben, den als junger Mann begangenen historischen Fehler gut zu .machen und der traditionellen Melodie wieder nach Möglichkeit ihre Rechte zu wahren. Vielleicht wäre bei Abrass eine ähnliche verbessernde Umkehr zu verzeichnen, wenn er nach Jahrzehnten sich zur Vervffentlichung eines zweiten Werkes entschlossen hätte, ja, nach der fachmännischen hohen Bedeutung, die sich Abrass in den Jahren seiner Amtöwirksanrkeit errungen, der unverfälschten wahrhaften Bildung, die er sich angeeignet und die auch das Gemeingut seiner hochintelligenten Kruder geworden, ist mit Gewissheit anzunehmen, dass er die in seinem Werke Simrath Joh bekundete Richtung bei einer nach Jahrzehnten erfolgten Revision bedauert, vielleicht auch verworfen hätte. Doch die Geschichte darf sich nicht verleiten lassen, nrit Gefühlen, sondern lediglich mit den Ergebnißen des vorliegenden Materials zu rechnen. Die beim Beginne dieses Aussatzes gezeichnete Thatsache, dass zwei hvchbedeutende Vertreter des jüdischen Cantoraies, Sulzer und Abrass, selbst bei der entschiedensten Ungterchartigkeir ihrer Richtung, doch in dem einen Punkte, d. i. in der Verwerfung der traditionellen Melodie, übereinstimmten, könnte spätere ')lachfolger, oder gar sogenannte gedankenlose Nachtreter, wie sie namentlich die Sulzer'sche Manier legionenartig erzeugte, zu der Ansicht verleiten, dass in dieser Auffassung, d. i. in der Außerachtlassung der alten Melodie, das einzige Heil des jüdischen Cantorates zu erblicken sei. Dieser Anschauung muß mit aller Entschiedenheit entgegengelreten werden. Die Geschichte des Synagögengefanges wird ja mit Sulzer und Abrass nicht abgeschlossen, wlr sind vielmehr in der glücklichen Lage, auf Männer wie Lewandvwski, Naumburg, Weintraub, Deutsch u. A. Hinweisen zu können, deren Werke ohne Mitarbeiter entstanden, das einheitliche und subjective Gepräge ihres Schöpfers an sich tragen, ja, die insgesammt als hochiutelligente und zielbewusste Männer bekannt, dennoch in ihren fyuagogalen Compositionen der traditionellen Melodie den weitesten Spielraum gewährten. Das spätere Zurückgreifen Sulzers zur traditionellen Melodie, wie das gleichartige Vorgehen der obbeuanltten Männer uno der meisten der spateren synagoga en Componisterl erbringt den eklatantesten Nachweis, dass der Traditionszesang in der Synagoge nicht wie eilt abgerungenes Zugeständnis geduldet, sondern wie ein bedeutungsvoller Factor gepflegt und ver weither werden muß. ES erscheint nun geradezu unbegreiflich, wie 'Abrass, dieser in der Athmojphäre des Traditionsgesanges großgezogene uno auch berühmte gesangliche Vertreter desselben, es über sich gewinnen *) Siehe Jahrgang 1891 Nr. 4.

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