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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1893-04-01 · Heft 10 (1.4.1893) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
13 (1893)
Issue
Heft 10 (1.4.1893)
Date
1893-04-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr.׳ TO; Desterreichisch-unHarrsche <Lantoren-Aeitsn§. Seite 7.׳ seinem Hauche der Feinde Reihen wse Spreu fort, was uns! wiederum an die Worte (Ps. T, 4) lau chen horschoim ki j im kamauz ascher tidfenu ruach erinnert. Giugesettdet. Löbliche Redaction! Vor einigen Monaten brachten Sie in Ihrem geschätzten Blatte die Mittheilung, dass die Synagogen-Gemeinde in Han-' nover ihren Obercantor, Herrn Lienhard, nach Prag an die Universität sandte, um das Beschneiden daselbst theoretisch zu erlernen ׳ und in Ihrer vorletzten Nummer wieder die Nachricht, dass Herr Obercantor Lienhard mehrere gelungene Operationen als Mohel in Hannover vollzogen. Dem Schreiber dieser feilen ist auch bekannt, dass die Gemeinde in Teplitz, Böhmen, ihren früheren Cantor, Herrn Großkopf, veranlasst hat, die Universität in Prag zu besuchen, um dort diesen wichtigen Neligionsact gründlich zu studiren. Das sind neue Erscheinungen, die wir dem Fortschritte des neunzehnten Jahrhunderts zu verdanken haben. Wie war das vorher und wie ist es noch jetzt in vielen Gemeinden? Der Erstbeste, welcher herzhaft genug sich fühlte, einem Menschen in das Fleisch zu schneiden, machte ein oder zwei Versuche und fertig stand da der Mohel. Was stnd aber die Resultate solcher Stegreisniohelim? Entweder bleibt das beschnittene Kind ein Orel, belastet mit dem lssur Xores sein lebenlang, indem dieser unwissende Mol nicht nach den Gesetzen unserer Ohachomim Hakdoschim zu beschneiden versteht, oder verstümmelt das zarte Kind zu einem Chrus Schofcho durch zu große Operation, oder es - verblutet. Es ist traurig genug, dass die competente Behörde solchem Treiben nicht Einhalt thut, während sie einen Laien, welcher es wagen würde, bei Menschen auf's Geradewol Operationen zu machen, gewiss gebührend betroffen würde. — Im en ani li, mi li? — Um so mehr sollten daher die Gemeinden und besonders die Herren Rabbiner, deren Aufgabe und Pflicht es ist, über das Fortbestehen unserer heiligen Religion zu wachen, sich angelegen sein lassen, diesen wichtigen Neligionsact durch fachkundige und gewissenhafte Mohelim vollziehen zu lassen. Wie dem Schreiber dieser Zeilen von einem Gewährsmann erzählt wurde, soll in einer bedeutenden mährischen Gemeinde auch ein solcher Stegreifmohel sein. Derselbe beschneidet nach der neuesten Mode, rituell oder nicht rituell, wie es ihm gerade passt oder gelingt, ad libitum. Das Orel Sochor findet sich in dieser Gemeinde sehr häusig. Es steht aber zu hoffen, daß der dortige jüngstangestellte und wie man sagt sehr fromme Rabbiner diesem Stegreifmohel das böse Handwerk legen wird, damit die unschuldigen Kinder nicht dem I8sur Kores ewig verfallen bleiben. Bis jetzt ist jetzt ist daS leider nicht geschehen. Wollen wir weiter das Beste hoffen. Kleine Chronik. Wien. Nach Vereinigung Groß-Wiens war es Wunsch der Negierung, dass auch sämmtliche jüdische Gemeinden in Wien einschließlich der türkischen Jsraeliten-Gemeinde zu einer einzigen Cultusgemeinde vereinigt werden, welcher Wunsch im neuen Cultusgesetze seine Begründung fand. Bei den diesbezüglichen Verhandlungen zwischen der Cultusgemeinde und der türkischen Gemeinde ergaben sich jedoch so viele Schwierigkeiten vermögensrechtlicher und ritueller Natur, dass inan übereinkam, die türkische Gemeinde auch weiter in ihrer Selbstständigkeit zu belassen. Dienstag den 28. März wurde der betreffende Act bei der hoben k. k. Statthalterei vom beiderseitigen Vorstände unterzeichnet.. Wien. Unter lebhaftem Beifalle eines zahlreichen distinguirten Publicums veranstaltete der Tonkünstler Mar Adler Montag den 27. März 1898 im Pracht-Saale des Hotels de France eilt Wohlthätigkeits-Concert. dessen Reinerträgnis der Versorgungs- und Beschäftigungsanstalt für erwachsene Blinde zugeführt wurde. Einmüthig acclamiert wurden vor Allem die Ensembleproductionen der Schüler des Eoncertgebers, rühmend zu erwähnen sind die Gesangsvorträge des Frl. Irene O e b l e r, des k.׳ u. k. Hofopernsängers Herrn Haan, und des stimmbegabten Bassisten M. Schlesinger; von recht günstigem Eindrücke waren die Violin-Soli der beiden kleinen intelligenten Alfred Weiß und Ernst Specht, sowie die vom musikalischem Verständniße zeugende Leistung des Cellisten Herrn A. Specht. Der Concertgeber selbst, der mit stürmischem Applaus empfangen wurde, bereitete mit den meisterhaft ausgeführten Violin-Piecen dem Auditorium lebhafte Freude. Mit feinstem Tact und in eractester Weise unterzog sich Herr Dr. Josef Deutsch der Mühe des Gesammtaccompagnements. Der Rossauer Männergesangsverein hatte in anerkennenswerther Weise ein Doppel-Ouartett zur Verfügung gestellt. Piesling, -2. März. Unser hochverehrter Rabbiner, Herr S. Kohn, der noch Freitag Abend dem Gottesdienste an wohnte, ist Samstag Morgens plötzlich gestorben. Die Trauer in der Gemeinee׳ war eine allgenieine und tiefempfundene, und die Theilnahme am Leichenbegängniße außerordentlich. Im schwarz drappierten Tempel hielten der Rabbiner von Trebitsch, Dr. P o l l a k, und der Rabbiner aus Schaffa ergreifende Trauerreden. Die gesangliche Function besorgte der hiesige Cantor A. Wormser. Kolescholvih» Am 17. März fand unter allgemeiner Theilnahme der hiesigen Bevölkerung das Leichenbegängnis des kaum 20jährigen Fräulein Charlotte Stein statt. Unter den Trauergästen befanden sich der gesammte Lehrkörper, der Director S e k e r a mit den Beamten der Gräflich Wallis'schen Domäne, der Vorstand der Cultusgemeinde und Chewra-Kadischa u. A. Die Leichenrede hielt der hiesige Cantor Moriz Kurzweil. Karlsruhe. Rabbiner Dr. Schwarz wurde vor seiner Uebersiedelung nach Wien — zur Uebernahme des Direktorates am Rabbinerseminar — vom Großherzog in längerer Abschiedsaudienz empfangen, in welcher der großherzige Schwager des Kaiser Friedrich III. u. a. die bemerkenswerthe Aeußerung that: ״Sagen Sie den Ihrigen, und nehmen Sie in Ihren neuen Wirkungskreis die Ueberzeugung mit, auch in dieser tiefbewegten Zeit, — Sie verstehen mich wohl — bleibt in Baden alles beim Alten." Berlin. Der Freisinnigen Zeitung zufolge wird im Wahlkreise Woldenberg in gemeinster Weise mit Flugblättern über angebliche ״Nitualmorde" der Juden zu Ostern gehetzt. Bern, 28. März. 88,159 Schweizer Bürger haben bei der Bundesversammlung den Antrag gestellt, das bei den Juden übliche Schächten der Thiere solle in der Bundesverfassung verboten werden. Kraft der Verfassung muß dieser Votksantrag dem Schweizer Volke und den Cantonen zur Abstimmung vorgelegt werden. Der Nationalrath hat heute mit 61 gegen 41 Stimmen beschlossen, dem Schweizer Volke und den Eantoyen die Verwerfung des Schächtverbotes zu empfehlen. Die Angelegenheit kommt noch vor den Ständerath, worauf der Bundesrath die Abstimmung anordnet. Petersburg. Allgemein verlautet, dass die in Sibirien ansässigen Juden, ebenso wie in den anderen Theilen des Reiches, seitens der Behörden die Weisung erhalten werden, ihre bisherigen Wohnorte zu verlassen und nach dem der jüdischen Bevölkerung zugewiesenen Rayon zu übersiedeln. Der Ausweis der für das Jubiläum des Obrreanlor I. Bauer in Wien einuetrostenen Betrage wird in nachlter Nunnuer veröffentlicht.

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