Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 6 (21.2.1893)
- Date
- 1893-02-21
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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$rr6. Gesterreichrsch-ungarische. Lantoren-Zestung. > Sette 7. unb die Stimmung eine äußerst-animirte. Allgemein wurde der. Wunsch geäußert, ein ähnliches Fest alljährlichen feiern, um dadurch den׳ Gemeinsinn zu stärken und zu . fordern. Dir.-Lemberger. PreMnrg. lieber den Synagogenbau -in Preßburg istnoch immer keine definitive Entscheidung getroffen worden. Die israelitische Gemeinde in Preßburg will, wie bereits berichtet, einen Tempel bauen, für den ein Grund in der Nabe des Krönungsdomes bestimmt ist. Dagegen protestirte nun die katholische Gemeinde und auch die vom Cultusminister befragte Landescommission für die Erhaltung der Kustdenkmäler sprach sich gegen die Bewilligung aus. Dieser Tage beriet über diese Angelegenheit unter dem Vorsitze des Obergespans Grafen Josef Zichy eine gemischte Commission, doch kam es zu keiner Vereinbarung. Der ׳Ausschuß der katholischen Gemeinde wäre geneigt, den Bau zu gestatten, wenn dieser sich um nichts von einem Zinshause unterscheidet, während die Cultusgemeinde einen stylgerechten Tempel gleich jenem der Orthodoxen bauen will. Gr.-Kanizsa. Die letzte Nummer der ״Cantoren-Zeitung" enthielt einen Bericht über den Jubiläums-Festgottesdienst der Chewra Kadischa, wobei der gesangliche Theil desselben nur mit einem ungarischen Liede abgefertigt wurde. Aber gerade dieser Theil erweckt ein größeres Interesse bei dem Leserkreise eines cantoralen Fachblattes, und darum sei zur Ergänzung und Nichtigstellung nachgeholt, dass programmäßig ein Mah-towu, ein Ungar. Lied vor und nach der Predigt, ein Jubelpsalm (Pf. 1t 8, Vers 21—24, von Sulzer) und das Schlussgebet 016nu zur Aufführung gelangte. Die Budapester und hiesigen Blätter zollten uneingeschränktes Lob und Anerkennung dem gesanglichen Theile, welcher Dank der hervorragenden Leistung unseres beliebten Obercantors, Herrn Leon Kartschmaroff, und des 'trefflich geschulten Chores, mit der in unserer Gemeinde gewohnten, künstlerischen Vollendung׳ auSgeführt wurde. ' ־ BeiliN, 13. Februar. Bei der Berathung des Cultusbudgets im Abgeordnetenhause vertheidigte Minister Bosse den von ihm aufrecht erhaltenen Erlass des früheren Cultusnnnisters Z e.d - litz, wonach Dissidentenkinder auch gegen den Willen der Eltern an dem vorgeschriebenen Religionsunterricht der Volksschulen theilnehmen müssen. Der Minister verwies die Dissidenten zwar auf den Rechtsweg gegen diese harte Verfügung und erklärte, sich einer constanten Nechtspraxis, die gegen ihn entscheiden sollte, unterwerfen zu wollen; dann aber, meinte er, würde jeder Schulzwang auflören, wenn man die Gewissensfreiheit der Kinder anerkennen wolle. Jedenfalls habe es keine Nachtheile, wenn die Kinder eines Atheisten in der Schule Religion lernen. So werde vielleicht mancher Keim gelegt, der später Früchte trage. Gegen diese Auffassung protestirten nicht nur die Freisinnigen Nickert und Langer h a n s, sondern selbst Stöcker fand es unhaltbar, Atheistenkinder in der Religion zu unterrichten. Man möge, meinte Stöcker, diese Kinder biblische Geschichte lehren, nicht aber sie zwingen, den Katechismus auswendig zu lernen. Die Cultusdebatte umfasste an wichtigeren Fragen dann auch diejenige des jüdischen Religionsunterrichtes und die polnische Sprachenfragc. In elfterer Hinsicht wollte der bekannte conservativ-antisemitische Abgeerdnete von Wackerbarth wissen, ob der Minister die in der conservativen Presse verlangte Prüfung .der jüdischen Lehrbücher auf anstößige Stellen schon vorgenommen habe. Der Minister erwiderte, die Sache werde gegenwärtig geprüft, er glaube nicht, dass viel dabei herauskommen wird.' Nebrigens behandle die Verwaltung den außerhalb der Schule empfangenen jüdischen Religionsunterricht gleichwerthig mit dem in der Schule ertheilten. Diese Auskunft genügte weder Nickert noch Stöcker. Nickert erklärte, es hätten Privaterhebungen über die jüdischen Lehrbücher stattgefunden und es habe sich ergeben, dass die dort gelehrte Moral dieselbe wie die der christlichen Ethik sei. Stöcker hielt eine seiner kleinen Hetzreden, auf die der Cultusminister nicht antwortete, während er Nickert zusagte, das Ergebnis der verlangten Prüfung alsbald zu veröffentlichen. . Berlin. Im Alexandra-Theater in Berlin kam es bei der ersten Aufführung eines Schauspiels unter dem Titel ״Moderne Teutonen" zu wilden Scenen, die durch gewisse, den Antisemiten unangenehme Stellen des Stückes hervorgerufen.wurden. Im. Verlaufe des Sonntags wurden Karten an die antisemitischen Gesin^ nuNgsgenoffen versendet, worin für die zweite Aufführung der ״Modcrncn/Teutonen" folgende Ordre ausgegeben wurde: Wir haben beschlossen, heute Abends Mann für Mann anzutreten und an diesem jüdischen Machwerk unsere Kritik zu übendeshalb Gesinnungsgenossen, tretet Alle an und bringt eure Freunde nu't! Man bittet, darauf zu achten, dass mindestens vier Genossen ihre Plätze bei einander haben." Darunter standen ncch die Worte: ״Man wolle, diese Karte nur an bewährte Gesinnungsgenossen befördern." Die 'Vorstellung nahm einen sehr aufgeregten Verlauf. Fortwährend wurde die Darstellung durch anzügliche Bemerkungen -gestört, die hauptsächlich aus den Hinteren, dicht besetzten Bänken erschollen und stets einen Höllenlärm entfesselten. Aus dem Schlussacte wurde die Scene, welche den Sturm des Pöbels auf das Haus eines Juden zum Gegenstände hat, fortgelassen Man gab nur die letzte Scene des vierten Actes, aber auch über diese senkte, sich vorzeitig der eiserne Vorbang. Ein mitten in das Spiel hinein ausgebrachtes Hoch auf Ahlwardt fand ein kreischendes Echo, und das Lied ״Deutschland, Deutschland über Alles" wurde von ein paar Dutzend Schreiern mißbraucht, um den Schluss der Vorstellung — gegen 3/410 Uhr — zu erzwingen. Die Direction wird das Stück nicht mehr zur Aufführung bringen. Wiesbaden, lieber eine ״unangenehme Verwechselung" findet sich in einer Wiesbadener Correspcndcnz der ״Barmer Ztg." eine höchst interessante Erzählung. Danach babe auf einer nassauischen Eisenbahnstation ״einer unserer obersten Staatsbeamten" das Zusammcnreisen mit einem Herrn, den er für einen ״Juden" ansah, in lebhafter Weise verweigert, weil sein ״Nationalgefühl" das n׳'cht zulasse. Hinterher aber stellte sich heraus, dass der angebliche ״Jude" ״einer unserer höchsten evangelisch-kirchlichen Würdenträger" war. Und dieser soll sich auch durch die Entschuloigui g n des ״Staatsbeamten" nicht haben abhalten lassen, weitere Schritte in dieser Sache zu thun. Die ״Barm. Ztg." bemerkt ganz zutreffend: ״Man wundert sich heutzutage vielfach über den großen Umfang, welchen die antisemitische Bewegung bereits angenommen hat. Siebt man aber so offen'unsere ersten Staatsbeamten ״an der Arbeit", so ist es heute nicht mehr als natürlich, dass der ganze Troß derer mitarbeitet, die sich nun einmal daran gewöhnt haben, dort oben die Parole zu empfangen für ihr ganzes politisches Fühlen und Denken. Wo soll das hinaus?" Rom. Letzten Sonnabend Früh kam es im Römischen Judenquartier zu Tumulten. Die abergläubische, aufgeregte Menge zwang sämmtliche reicheren Glaubensgenossen, ihre Geschäfte zu schließen, in dem Wahne, Gott hätte im Zorne das Feuer in die Synagoge geschickt, weil zahlreiche Israeliten am Sabbath ihre Geschäfte offen ließen. Gendarmerie und Militär stellte die Ordnung wieder her. An alle diejenigen, Weiche eine Ansknnst von Seite dev Redaktion in welcher Angelegenheit immer wünschen, richten wir das Ersnchen, eine Retonrmarke oder Antwortkarte beiznsügen. Die Redaktion A.» XV•! HOF-ATELIER STOCKMANN i WIEN!: II. PRATERSTRASSE iq.