Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 6 (21.2.1893)
- Date
- 1893-02-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Oesterreichisch-iiiigartsche ,:,M | M: :׳־ ( Pränumerakions-Prris. FirrCantoren u.Cultusbeamte in Oesterreich-Ungarn Ganzjährig.fl- 4.— ^Halbjährig ' . . . . . ׳fl. 2 — FiirCantoren n.Cultu^beauite im Ausland Ganzjährig . . . . . 8 Mark ybber 4 Rubel. Für Private und Institute Ga׳ ig ..... . fl.. 6-— Central-Otgan für die Interessen der Cantoren und Zeitung. Erscheint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercäntor lavod Lauer. Hledaction und Administration Wie» II. Novsragasse Nr. 27. Inserate werden billigst berechnet. Mannscripte werden nicht . retournirt. Abonnementsu. JnfertionSbetröge find in Wie» zahlbar. Ur. 6. Wen- 21. Fedrnar 1893. 13. Jahrgang. M Mie Hede» wir de« religiöse« Si«« ««serer Mädchen ««d Fra«e«? Frage und Antwort der Herren Wilhelm Ritter v. Gutmann in Wien und Professor Dr. David Kaufmann in Budapest. Epilog von A.׳ Stein, Wodnian. . Ich könnte mit dem Dichter aüsrufen: Ich sei, gewährt mir! der^Hrjtte^..abKL^M,. wa^ das Ziel , der Bewegung betrifft, nicht aber hinsichtlich der Mittel. — . Unter obigem Schlägworte hatte ft Z. Herr Wilhelm Ritter von Gütmann eine Zuschrift an den Vorstand der Cultusgemeinde in Wien , ׳ gerichtet Und Herr Professor Dr. David Kaufmann in Budapest hat ihm hierauf in einer längeren Artikelserie in der ״Oesterr. Wochenschrift" geantwortet. Es wäre eigentlich geboten, auch meinen Epilog in' der ״Oesterr. Wochenschrift" zu veröffentlichen, doch Gründe, verschiedenster Art halten mich davon ab, und so will ich es mit Erlaubnis der geehrten Nedaction dieser Zeitschrift in der ״Cantorenzeitung" versuchen, nach meinen schwachen Kräften Beide zu widerlegen oder zu ergänzen. Auf den ersten Anblick ist es auffallend, dass Herr Ritter von Gutman blos das religiöse Gefühl unserer Mädchen und Frauen heben will; bedarf es denn dieser Hebung des religiösen Gefühles nicht auch bei den Jünglingen, Männern und — Kindern?! Freilich wenn wir die Jungfrau als zukünftige Repräsentantin des jüdischen Hauses,' als Erzieherin der jüdischen Generation in spe, und die Frau als die gegenwärtige Säule des jüdischen Hauses, als Erzieherin unserer״ gegenwärtigenJugend im Auge haben, dann ist die Frage des Herrn v. Gutman am Platze. Ich bin gewiss der letzte, der diese erhabene Aufgabe der Frau und Mutter im Allgemeinen und speciell der jüdischen schmälern wollte. Ist es doch eine allgemeine pädagogisch-didaktische Forderung: Gebt uns Mütter, die ihrer großen, schönen Aufgabe der Erziehung des Menschengeschlechtes gewachsen sind, die mit vollem Herzen, mit ganzer Seele sich dieser Aufgabe widmen können und wollen. Dazu ist es aber nothwendig, dass die Frau selbst von ihrer erhabenen Mission ganz durchdrungen, ihre gesellschaftlichen Pflichten bei Seite lasse und, gleich einer Cornelia, ihre Kinder, ihre wohlerzogenen Kinder, als ihr größtes Kleinod betrachte und deren Erziehung nicht christlichen Gouvernanten und Sprach- und Musikmeistern . überlasse. - Habe ich doch selbst, in öffentlichen VorträM, in Zeitschriften auf diesen, wunden Punkt hingewiesen, dass eine. Abhilfe in erster .-Mhe nur von der häuslichen Erziehung einer Mutter,, die selbst . von religiös-sittlichen Gefühlen geleitet ist, erfolgen könne. Hier muß ich gleich Herrn Professor Kaufmann.fragen: Will er etwa das gM natürliche Softem, wie es selbst. unsere heilige Schrift unzählige Male anführkor dass den Eltern die Erziehung der Kinder — also auch, in religiöser Hinsicht — obliegt, will er etwa den Grundsatz: Komme! Kinder her zu mir, ich lehre euch Gottesfurcht — umkehren, dass er läute: Kommet Eltern her zu uns, wir lehren euch Gottesfurcht?!' — Ich halte Herrn Professor Kaufmann denn doch für zu. intelligent, dass es ihm ernst sei mit der Emu rkung der Kinder auf die Eltern, und möchte ihm so einige Beispiele aus meiner pädagogischen Wirksamkeit erzählen: Ich erklärte z. B. vor Jahren den Schülern der Volksschule das vierte Gebot, als sich ein etwa 8- bis Ojähriger Knabe erhob und ganz naiv sagte: Herr Lehrer, mein Vater raucht und schreibt,"macht ja alles am Sabbath?!! — Ein andereSmal, als ich den Kindem die Geschichte der Makkabäer erzählte uük sie aufforderte, das Chanukalicht anzuzünden, erzählte mir am folgenden Tage der Knabe unter Thränen, der Vater habe mit ihm gezankt und gesagt, das sind so alte Schrullen, die uns nichts mehr angehen. Wie sollen die Kinder dann auf die Eltern einwirken? Dieses Räthsel würde ich gerne gelöst sehen.׳ . Es bleibt ein unabänderlicher Grundsatz, dass die Eltern in erster Reihe ihre Kinder religiös sittlich erziehen; aber diese Erziehung kann das Elternhaus, trotzdem ihm ein großer Theil zufällt, nicht vollbringen — dazu gehört die Schule — die Volksschule, die das jüdische Kind jüdisch-religiös-sittlich erziehe. Hier ist der Punkt, wo der Hebel einzusetzen ist. Soll etwa das jüdische Kind, das bis zu sechs Jahren Alles, nur nichts Jüdisch-Religiöses gesehen und gehört hat, in der öffentlichen, aber trotz allen Zeternö unserer Clerikalen, streng katholischen Schule jüdisch-religiös-sittlich erzogen werden? Soll es etwa erbaut werden, wenn das arme Geschöpf, dessen Herz und Gemüth rein und unverdorben ist, vom Lehrer und seinen Mitschülern stets Hep-Hep-Rufe hört?