Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 5 (11.2.1893)
- Date
- 1893-02-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesferreichisch-ungarische 11 י י.י ן P> v in nimer ativns-Prris. 1j FiirCantorenü.CultnSbeamte j in Lesterrcich-Nngarn Gan;jährig.fl 4.— Halbjährig.fl- 2.— Central-Organ für die Interessen der Cantoren und Tnltnsdeumten. Hledaclion II nd Administration Wie» II. Nnvaragasse Nr. 27. Mlrtsantorcnn.CnltnSbenmte im PnSInnd Ganzjährig ..... 8 Mark oder 4 Rubel. Erscheint jeden zehnten Tag. Inserate werden billigst berechnet. Ma,.:׳scripte werden nicht rctonrnirt. 3fiir Private und Institute GanNährig.fl. 0 — Begründer: Obereantor iaoob Kauer. Abonnementsu. IzisertionS!! beträte sind in Wie» zahlbar, j Ur. 5. Wien, 11. Februar 1893. 13. Jahrgang. / -!- Antisemitismus und israelitische Sittenlehre. ׳ Berlin, im Februar 1893. Endlich scheint es gelungen, der israelitischen Sittenlehre die staatliche Inquisition aus die Fersen zu Hetzen. Antisemitische Frechheit hat mala ’ Hde dazu gedrängt und spießbürgerliche Dummheit hat bona, Udo Beifall geklatscht, wahrend, hückev׳und 1 neben der Eomparserie sich die Herren Junker schmunzelnd die Hände drücken. So hat erst jüngst die ״Kreuzzeitung" ohne alle Verhüllung, d. h. völlig schamlos, die jüdische Neligions- und Sittenlehre geschmäht und behauptet, die heute in den bei uns staatlich geduldeten jüdischen Neligionsschulen gebrauchten Katechismen enthielten Lehren, welche nicht nur alle nichtjüdischen, also auch die christlichen Glaubensgemeinschaften in nicht wiederzugebender Weise beschimpfen, sondern auch diegeschäftliche Uebcrvortheilung der Nichtjudcn, den Wucher und' die Steuerhinterziehung gegenüber christlichen Staatsbehörden bedingungsweise als zulässig erklären; diese Katechismen machten das gesammte christliche Gerichtswesen verächtlich, tasteten den christlichen Zeugeneid an und stellten endlich gar bic Ablegung eines. Falsch- oder »Meineids vor christliehen Richtern für Juden unter gewissen Umständen als erlaubt dar. Mit derselben mala Udos, die die ״Kreuzzeitung" von jeher in der ״Belehrung" ihrer Leser ausgezeichnet hat, behandelt sie auch diese Angelegenheit wieder. Eben erst hat sie behauptet, die jüdischen Katechismen oder Neligionsbücher enthielten alle jene Schändlichkeiten. Die Negierung geht auf ihre Klagen ein und schreitet zur Prüfung der Bücher, und was thut nun die biedere ״Kreuzzeitung"? Sie erklärt kurzer Hand, es gebe überhaupt keine maßgebenden jüdischen Religions-Lehrbücher. Das Material, aus dein sie sich die Brücke zu dieser neuen Lüge baut, liefert ihr der Vorstand der israelitischen Lehrer-Präparandie zu Burgreppach, welcher Anfangs dieses Jahres an die baierische Negierung einen Bericht gesandt hat, in dem es unter Anderm heißt: - -״Auf zuletzt ergangener Aufforderung h. Kgl. Negierung theile ich gehorsamst mit, dass ein eigentliches, systematisch und methodisch geordnetes Lehrbuch der israelitischen Religion in hiesiger Präparandeuschule nicht cingcführt ist,- weil 1) keines der bisher erschienenes Lehrbücher dieser Art dem Bedurfniße für Schul präparanden entspricht, und weil 2) der eingehende Unterricht in den Quellenschriften der Religion, den wir. ertheilen, eö als überflüssig erscheinen lässt, die religiösen Lehren noch nach einem svste matisch geordneten Eompendium vorzutragen." Aus der Thatsache, dass ein einziger Leiter einer Präpa randenanstalt in Baiern der Ansicht ist, die jüdischen Lehrbücher taugen nichts für den Unterricht, zieht die ״Kreuzzeitung" die, wie sie sagt, ״unabweisbare" Folgerung, dass die, vorhandenen,. in deutscher Sprache geschriebenen Neligionsbücher, die vermutblich jetzt in größerer Zahl dem preußischen Cultusmininisterium eingesandt worden sind, von den Vorständen der jüdischen Eultusgcmeinden selbst gar nicht als maßgebende Unterrichtsbücher angesehen werden. In Wahrheit — deshalb eben nimmt.die ״Kreuzzeitung", keine Kenntnis davon — liegt die Sache folgendermaßen: Angeregt von Wien aus, versammelten sich im Dccember l883 eine Anzahl angesehener Mitglieder der Berliner jüdischen Gemeinde und beschloß, die Abfassung Tiner Anzahl kurzgefasster Sätze herbeizuführen, in denen die Hauptgrundsätze der jüdischen Sittenlehre klar und fasslich ausgesprochen, um dieselben in allen jüdischen Neligionsschulen und auch sonst,׳etwa durch Anfügung an die Gebetbücher, so viel wie niöglich zu verbreiten. Die Ausführung wurde einer Eommission übergeben. Der Ausschuß des deutsch-israelitischen Gemeindebundes hat sodann diese Sätze zunächst den deutschen Rabbinern 'und son stigen Kennern des jüdischen Schriftthums in Deutschland unterbreitet und dieselben ersucht, durch ihre Unterschrift zu bestätigen, dass diese Sätze in der jüdischen Neligionslehre begründet seien. Zu gleichem Zweck wurden die Sätze den österreichisch-ungarischen Rabbinern und Gelehrten unterbreitet. Die Folge war, dass durch ungefähr 350 Unterschriften diese Bestätigung ertheilt worden ist. Außerdem haben 270 jüdische Juristen in Deutschland durch ihre Unterschriften bekundet, dass diese Sätze dem heutigen moralischen Bewusstsein der deutschen Judenheit entsprechen. Wir finden dieselben in einem uns vorliegenden Büchlein über die ״Grundsätze der jüdischen Sittenlehre". Ihr Inhalt ist dieser: Das Judenthum lehrt die ״Einheit des Menschengeschlechts z denn wir alle haben einen Vater; ein Gott hat uns geschaffen." Deshalb gebietet es: ״Liebe Deinen flachsten wie Dich selbst," WW- Die P. T. Abonnenten werden um Einsendung der Pränurnerattonsgebühr ersucht. "WM