Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 4 (1.2.1893)
- Date
- 1893-02-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 Oesterreichisch-ungarifche t^antoren-Aeitnng. Seite 7. Angriffen auf das Christenthum? Der Redner werde sich stets zur Ehre rechnen, gegen solche Vertreter der christlichen Moral zu kämpfen. Salonichi. Eine eigentümliche Sitte herrscht in der Türkei, * den Synagogen neben ihren geschichtlichen Namen noch ganz sonderbar und durchaus nicht passend klingende Beinamen zu geben. In Salonichi gibt es unter den 30 oder 35 sephardischen Synagogen, die jede ihre Gemeinde bilden, eine Gemeinde Aragon, Sicilien, Alt-Italien, Neu-Jtalien u. s. w. Namen, die an das Heimatland der Gründer erinnern. Bekannter als diese Namen sind jedoch Bezeichnungen, wie die Synagoge der Maus, der Katze, der Fliege, der Fischer, der Zigeuner, oder Jsmaeliten, der Kürbisse u. s. w. Der Ursprung dieser hässlichen Sitte verliert sich in dunkle Zeit und es ist zu bedauern, weil durchaus unjüdisch, dass goldene oder silberne Abbildungen der Thiere oder Dinge, nach denen die Synagoge benannt ist, sich im Innern der Gebäude besinden. Jernsalcm. Eine neue Verordnung des osmanischen Ministers des Innern verbietet allen Juden das Ankäufen und Erwerben, von Ländereien und Häusern in den Städten sowohl als auf den Dörfern der Provinzen Syriens und Palästina's. Dieser furchtbar harte Schlag trifft und berührt nicht nur unsere israel. Mitbürger, sondern auch in sehr empfindlicher Weise zahllose Andersgläubige, die viele Häuser und riesige Strecken von Ackerbauland besitzen. Denn diese Leute machten bisher so gerne Geschäfte mit den Israeliten, die ihnen ihre gänzlich verwahrlosten aber dennoch sehr fruchtbaren und ausgedehnten Felder und Wälder für schweres Geld abkauften. Man hofft, dass es gelingen wird, den Sultan zur Zurücknahme dieses Firmans zu bewegen. Es stockt das ganze bis jetzt so florirende Geschäft des An- und Verkaufs von Grundstücken. SKR&ttft. Ein hier stativnirter jüdischer Marinesoldat aus England richtet an ״Jewish Chronicle" einen Brief, dem wir Folgendes entnehmen: ״Ich bin ein guter Jude, stolz auf meine Religion und ich mache durchaus kein Hehl aus derselben. In der Kaserne ist man in dieser Hinsicht sehr aufmerksam gegen mich, und der Oberst fordert mich immer auf, die jüdischen Festtage zu halten; am Bord bin ich der einzige Soldat, der während des Gottesdienstes am Sonntag machen kann, was er will. Meine Kameraden haben die größte Achtung vor meinem Glauben, und wenn Schweinefleisch auf dem Küchenzettel ist, bereitet man mir eine besondere Mahlzeit. Nie hat es Jemand gewagt, Proselytismus mir gegenüber zu machen, obwohl ich der einzige Israelit in dem Marinecorps hier bin. Auf dem letzten Schiffe wurde ich von dem Capitän zum Lehrer der Schiffsjungen unter vielen Kandidaten bestimmt und in dieser Stellung hette ich viele Unterredungen über meine Religion mit dem sehr ehrenwerthen und würdigen Geistlichen des Schiffes." Chicago. Ein ״Neligionskongreß", auf dem alle religiösen Bekenntniße der Welt vertreten sein werden, wird gleichzeitig mit der Weltausstellung in Chicago zusammentreten; neben den allgemeinen Sitzungen werden besondere nach den einzelnen Religionsbekenntnißen abgehalten. Es hat sich in Chicago ein Damen- Comite gebildet, welches alle Damen vereinigen will, die ihre Thätigkeit religiösen oder philanthropischen Zwecken zuwenden, und alle ihre israelitischen Glaubensschwestern zur Mithilfe auffordert. Die Berichte werden in drei oder vier Sitzungen vorgelesen und besprochen, man beabsichtigt hauptsächlich die jüdischen Melodien zur Erinnerung an den Kongreß zu sammeln. Unserer heutigen Nummer ist ein Prospect für ein demnächst erscheinendes Synagogenwerk des Herrn Musikdirecior A GRÜNZWEiG in Arad beigelegt. Wir machen den geschätzten Leserkreis auf dieses neueste Werk des beliebten Componisten besonders aufmerksam und hoffen, dass dasselbe, gleich den übrigen Producten der Grünzweig’schen Muse, im Kreise der Berufsgenossen freudig begrüsst werden wird. Die Redaction. Rechnungs-Ausweis -es österreichisch-ungarischen Cantoren-Bereines snr das Jahr 1892. E inno h 11t e u flkr. Ansgaben 249 468 Saldo-Vortrag vom 1. Jänner 1892 . Mitglieder-Beiträge.. Pflichtbeiträge.jj 134 Zinsen des Vereinsvermögens .I 328 Nückgezahlte Darlehen.jj 100 Spenden. 15 1296 74 42 94!! fl- Wittwen-Beiträge (Popper, Körner).j 400 Unterstützungen und Darlehen .. 205 Kanzlei-Regie. 53 Verwaltungs-Spesen. 67 Besoldung des Vereinssecretärs, Remuneration . . 160 Besoldung des Vereinsdieners . 20 Cantoren-Zeitung.jj 100 Baarsaldo vom 31. December 1892 .j; 289 10 1296 kr. 25 87 98 10 -- Uerrnögensftaird am Bl. December 1892. . Nominale Baarwerth*) 34 Stück 4 2 Pcrc. gemeinsame Notenrente, 3 Stück ä fl. 1000, 31 Stück ä ft- 100. fl. 6100 fl. 6005.45 2 ״ 3 ״ österr. Bodencredit-Lose, Serie 2537 Nr. 33. Lerie 2530 Nr. 98. 228 ״ 200 ״.— 3 ״ 4 ״ ungar. Theiß-Lose, Serie 0131 Nr. 38, Serie 0699 Nr. 75, Serie 4255 Nr. 16. 421.50 ״ 300 ״ 1 ״ 5 ״ Ein-Füuftel 1860-Los, Serie 17776 Nr. 13. 165 ״ 100 ״.— 5 ״ 4 ״ nngar. Hypothekenbank-Lose, Serie 1028 Nr. 65, Serie 1014 Nr. 65, Serie 1802 Nr. 31, Ser. 1790 Nr. 27, Serie 1522 Nr. 55... 665 ״ 500 ״ — 1 ״ 4 ״ ungar. Grundentlastungs-Obligation Nr. 3877 . 484 ״ 500 ״.— 1 ,, 4 ״ ungar. Grundentlastungs-Obligation.. 96.80 ״ 100 ״ 2 ״ 4-5 ״ ungar. Ltaatseiscnbahn-Anlehcn in Siläcr, Serie 822 Nr. 35, Serie 823 Nr. 1. 205.50 ,, 200 ״ Baarsaldo vom 31. December 1892 .. 289.98 ״ — ״ Äumma fl. 8561.33 *) Die Baarwerthe sind nach dem Course vom 31. December 1892 berechnet. Wien, am 31. December 1892. M. Schlesinger, Controlor, M. Blatt, Cassier. A. Rotier, (ontniiKi