Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1893)
- Date
- 1893-01-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/1304829-3453273-3453276--3639-3458016- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Oesterreichisch-iHigarische fr-׳-— ■ — j Prännmrrativns-Prris. j| Fnrh'aiitvrc» tt.skultnsbeamte in Qesterrcich-Nuüarn 1 Gmnjähnn.fl 'י• — Hnlbjcihriii.fl. '2.— | JyüvCCnutövcn «.(SnltuSbcnmtc im Zlnslnnd •fian.iinln iii.s Mark oder 4 Riibrl. Jyin* PkiSate und Institute ״ Mmüährig . : . . . . fl. « — Central-Organ für die Interessen der Lantnren und Cntinsliemnten. G v schei n t jeden } c I) 111111 Tay. Medaction und Administration Wie» 1 II. Bouaratinp Nr. 27. I: Inserate uunbeii billigst bercchnek. Mannscripte werden nicht retonrnirt. Begründer: Obercantor iaeod ö3u6r. ZlbonnementSn. I»sertio»Sbeträte sinin Wie» zahlbar. Wien, 21. Jänner 1893. 13. Jahrgang. ־ ' 'Aus dem Niesengebirge. Unter diesem Titel ist soeben eine Broschüre stVerlag von Schweizer und Mohr) erschienen, deren ungenannter Verfasser von sich in einer Vorbemerkung sagt: .. Glicht ans Rücksicht oder Menschen furcht verschweige ich itteistr)l/^MnEn'?׳anf׳׳״d׳em Titel dieses Schriftchens ich mochte' nicht, dass sein geringes Gewicht meinen Worten schade. Wenn ich das.Glück habe, dass die Sache, die ich vertrete, Anhänger findet, und dass die Gleichgesinnten zu einer That zusammentreten, so werde ich mich nicht scheuen, das.Bisir aufzuschlageu. Verhallt mein Wort ungehert, dann war es gleich, wer es gesprochen hat. Die kleine Schrift ist veranlasst durch die — inzwischen bekanntlich anfgegebene — Absicht des Vorstandes und der Vertrelnng der Berliner jüdischen Gemeinde, sich mit. einer Petition um ״Schutz" gegen den Antisemitismus an den Kaiser zu wenden. Der jüdische Verfasser tadelt diese' Absicht auf das schärfste: . Denken wir uns den Antrag ausgeführt! Was erwartet die Abordnung von seiner Majestät im besten Falle? Der Kaiser wird die Herren freundlich empfangen und wird ihnen unzweifel- Haft sagen, dass vor seinem Throne alle guten Bürger gleiche :liechte haben; er wird sie auf die Verfassung verweisen, in der die Gleichberechtigung der Juden beschrieben und besiegelt steht. Wissen wir das nicht auch so? Kann das gewichtige Wort des Monarchen in.dieser Richtung etwas fordern? Die Gutgesinnten und Vorurtheilslosen haben nie daran gezweiselt, auf die böswilligen und wahnwitzigen Gegner aber wird auch das Wort des Monarchen keinen Eindruck machen. Wie aber, wenn es dem Monarchen beliebte, in seinem Gerechtigkeitsgefühle auch ein tadelndes Wort -zu sprechen? Wenn er auszusprechcn auch an seiner heivorragenden Stelle nicht scheute, was die Besten denken, was die Guten unter uns auch denken: dass auch unter den *) Indem wir den obigen Artikel loiedergeben, wollen nur, ebne die Anschauungen des Autors vollkennnen zu billigen, unserem Veserkreise nur zeigen, welch' liefe Erregung die erwäbnte Petition in manchen jüdischen Kreisen Teutschlands bcrvorgcruscn hat. Die Red. jüdischen Bürgern des deutschen Reiches Fehler'' und Schäden wuchern, an deren Milderung und Tilgung zu arbeiten die Aust gäbe aller guten Staatsbürger wäre? Ein gerechtes Wort, aber, oh, wie gefährlich l Uns braucht das kein Kaiser zu sagen, dass in einer Gesammtheit von Hunderttausenden auch schlechte Elemente sind; unsere wohlwollenden Mitbürger wissen das auch ... heute und lassen es auch ohne das Gewicht eines monarchischen Wortes die Allgemein Heitnicht entgelten. Die Feinde aber würden uns einen Strick daraus drehen und diese neue Waffe zu. dem Arsenal unsauberer Waffen hinzutragen, die sie im Lause der Jahre angesammelt haben. Das wäre der praktische Werth einer Abordnung an den Monarchen. Die Bitte um Schutz hat aber auch ihre moralische Bedeutung. Um Schutz fleht, wer keine Rechte genießt, oder wem seine Rechte geschmälert werden. Wir aber sind im Vollbesitze der Bürgerrechte und der lärmende Haufe der Antisemiten hat keine Macht, sie uns zu schmälern. Jede Meinung aber darf sich in einem freien Staatswrsen frei aussprechen; wer sie bekämpfen will, trete mit den Waffen des Geistes in die Schranken und rufe nicht von außen seine Hilfe herbei. Wenn wir mehr thun,'erniedrigen wir uns. Dann verzichten wir schwen gend aus die Mittel, die unsere Rechte uns gewähren und fallen zurück in das mittelalterliche Elend, das unsere Ahnen zu Schutzjuden machte. Der Verfasser hält dann seinen Glaubensgenossen vor, dass ihrerseits und in ihrem Ranken — letzteres auch in der Presse — der Kampf gegen den Antisemitismus vielfach verkehrt gesübrt worden sei, wobei er sich auch nicht scheut, denen, für die er das Wort führt, ernste Wahrheiten zu sagen. Wir beben nach einem Berichte der ׳״)rational-Leitung" folgende Bemerkungen hervor: Schrie uns Jemand entgegen: ״der Talmud hat eine schlechte Moral, und Ihr befolgt die Vorschriften des alten Buches", so suchten wir jene Weisheitsguelle vergangener Jab!״ Hunderte in Schutz zu nehmeu und schrieben Bände über die Moral des Talmud. War das die Antwort, die uns gesteinte, war es eine ebrlicke Antwort? Wer von Euch Allen kennt den Talmud? Wer hat ibn je gelesen? Wer von Euch bat darin geblättert, ja, wer bat ihn auch nur gesehen? Einer von Lau-