Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 13 (1893)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1893)
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr \ Vesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seite 7. zu Feindseligkeiten wider die verschiedenen Religionsgenossenschaften I endigung der Vorträge ergab sich die anwesende Jugend mit vielem auffordert, aneifert oder zu verleiten sucht, insoferne sich! Eifer der Tanzlust, wobei Frau Therese B lat t die Liebenswürdigkeit hatte, an Stelle der für die bescheidenen Mittel unerschwinglichen Militärcapelle am Clavier die Tanzmusik zu besorgen. diese Thätgkeit nicht als eme schwerer verpönte strafbare Handlung darstellt, sich eines Vergehens schuldig macht und zu strengem Arreste von drei bis sechs Monaten verurtheilt werden soll. Tag für Tag wird diese Bestimmung des Strafgesetzes in öffentlichen Versammlungen, Vereinen, im Wirthshause, in Zeitungen, Broschüren und Flugblättern mit frecher Stirn übertreten, ohne dass die zur Wahrung des Rechtszustandes berufenen Behörden mit dernöthigen Energie und Unerbittlichkeit einschreiten. Und doch würden einige wenige statuirte Exempel hinreichen, um derartige unwürdige Ausschreitungen und Verhetzungen der Bevölkerung, welche ein friedliches Zusammenleben ausschließen, für alle Zukunft zu verhüten." Wien, (Cantorenabend). Der zweite gesellige Abend fiel in jeder Beziehung noch viel schöner aus, als der erste. Es zeigte sich wieder, was sich auf diesem Gebiete leisten ließe, wenn die Einigkeit und der gute Wille in unseren Kreisen Hand in Hand gehen. Der Besuch war diesmal ein stärkerer und bemerkte man unter den Gästen: Herrn kaiserl. Rath Wilhelm, Operateur Dr. Herzfeld, Direktor Groag, Architekt Stern, Maler Z e w i u. v. A. Von den Wiener Cantoren waren erschienen die Herren Collegen: Josef Goldstein sammi Frau und Familie, M. Blatt, -Obmann des Comitss, sammt Frau und Familie, I. Bauer sammt Frau und Familie, M. Schlesinger sammt Frau, A. Kornitzer sammt Frau, S. Dünnmann sammt Frau, Fr. Jurberger sammt Frau, S. Hirsch sammt Frau, A. Rotier, Weinberger und Frau, S. Rothwein und Frau, I. Löwit sammt Frau, A. Pekarnik sammt Frau, Alex. Schwarz, S. Schwarzsammt Frau, Grünwald sammt Frau und Familie. Ihr Fernbleiben haben entschuldigt: Obercantor Josef Singer, der zum Besuche seines Sohnes, Opernsänger Szengery, nach Preßburg gereist war, Cantor Grünfeld und Cantor Peterselka. Die Reihe der Vorträge wurde von Herrn Alexander v. Zemlinsky mit einer Mazurka für Clavier von Chopin eröffnet. Es hieße Wasser in die Donau tragen, wollten wir über dasvirtuose Spiel dieses taleNtvollen jungen Mannes auch nur ein Wort verlieren. Der allgemeine Beifall war hier selbstverständlich. Die zweite Nummer konnte programmgemäß nicht eingehalten werden, da der für dieselbe bestimmte Sänger wegen Unwolsein absagen lassen musste. Um so anerkennenswerther war es, dass Herr College Bauer unvorbereitet für diesen einsprang und ein Lied von Kücken mit seiner angenehmen Stimme und mit recht gutem Geschmack zum Besten gab. Die nächste Nummer war eine Soloscene ״Backfisch bei Wasser und Brot", vorgetragen von Frl. Malvine Bauer, Tochter des Collegen, Obercantor Bauer. Das war ein echter und rechter Backfisch, wie er leibt und lebt, nicht um ein Jota anders. Die Wirkung war eine zündende, Jeder war von dem Talente des jungen Mädchens überrascht. Die Beisallskundgebungen wollten gar nicht aufhören, und so musste denn das Backfischchen noch ein Gedicht als Zugabe vortragen. Die vierte Nummer war ein von Herrn S. Theumann virtuos vorgetragenes Violinsolo ״Legende von Wieniawski". Der junge Künstler errang durch sein correktes Spiel, die elegante Bogenführung und den edlen Ton seiner Geige zahlreichen Beifall, der um so wolverdienter war, als die von ihm gewählte Piece nicht zu den besonders dankbaren gehört. Hierauf folgte die ״Arie der Elisabeth" aus Tannhäuser und ,,Nu8i6a proibita“, gesungen von der Opernsängerin Frl. Antonie Stifter. Die Künstlerin verfügt über eine veritable, umfangreiche und klangvolle Bühnenstimme, die jedoch im kleinen Concertsaale in ihrer Klangwirkung ein wenig beeinträchtigt wird. Besonders schön wurde das italienische Lied gesungen, wofür auch Fräulein Stifter stürmischen Applaus erhielt. Die zwei letzten Nummern besorgten die Brüder Emil und Amold G o l z, welche durch die beiden von ihnen selbst verfassten Solo- Vorträge ״Ringstraßen-Promenade" und ״Ein Haustheater" das Publikum in die heiterste Stimmung versetzten. Eine Lachsalve übertönte die andere und das Verlangen nach weiteren Zugaben hatte kein Ende. Auf allgemeinen Wunsch brachte auch Obercantor Goldstein, dessen Erscheinen auf denr Podium stürmisch begrüßt wurde, einige Schumann'sche Lieder zum Vortrage. — Nach Be- Posen, 16. December. Gestem Nachmittags' 5 Uhr fand im Saale des Hotel Keiler wie alljährlich die von Herrn Rabbiner Dr. Bloch veranstaltete Feier des Chanukasestes statt, bei welcher 60 Kinder mit vollständiger Winterkleidung, sowie mit Schreib- Materialien, Aepfeln, Nüssen, Pfefferkuchen u. s. w. beschenkt wurden. Die Feier selbst, welche ein außerordentlich zahlreiches Publikum herangezogen hatte, bestand abwechselnd aus Solo- und Chorgesängen, Claviervorträgen, sowie auf das Fest bezüglichen Declamationen der Kinder. Herr Sanitätsrath Dr. P a u l y eröffnete die Feier mit einer warm empfundenen Ansprache, ermahnte in rührenden Worten die Kinder zum treuen Festhalten am Glauben, zum Fleiß und zur Bravheit und erläuterte die religiöse Bedeutung des Festes unter Hervorhebung der Jdealgestalten der Maccabäer. Die Leitung des musikalischen Theiles des Programmes hatte Herr Cantor Davidsohn übernommen und trug durch die mustergiltige Art und Weise, mit der er sich seiner Aufgabe entledigte, in erster Linie mit zu dem trefflichen Gelingen des Abends bei. Besonderen Beifall fanden einige vierhändig von Frau Sophie Krönt ha l und Herrn Davidsohn vorgetragene Piecen sowie eine von Fräulein Martha Neufeld gesungene Arie aus dem ״Elias." — Herr Cantor Davidsohn, der seine musikalische Ausbildung bei Prof. Franz K u l l a k, sowie an der königlichen Musikschule in Berlin, und die kantorale Vorbildung von Meister Lewankowski und seinem in Fachkreisen rühmlichst bekannten Vater, Cantor Davidsohn in Ostrowo, erhalten hat, ist am 25. December von der hiesigen israelitischen Brüdergemeinde nach abgelaufenem Provisorium mit bedeutend erhöhtem Gehalte definitiv angestellt worden. Ein Bruder des Cantors D a v i d s o h n wirkt als sehr gefeierter Heldenbaryton am königlichen Landestheater in Prag. London. Der neu erwählte Lord Mayor von London hatte anlässlich seiner Wahl 3000 Schulkinder in dem Stadthaus (Guildhall) aufs reichste bewirtet; da es an einem Freitag-Abend war, konnten die Schüler der jüdischen Schule nicht daran theil nehmen. Zur Entschädidung gab er ihnen am Mittwoch in dem Church- Row-Schulgebäude ein Fest, wobei er selbst, begleitet von seiner Gemalin, in seiner vollen reichen Amtstracht erschien und seine kleinen Gäste mit folgenden Worten anredete: ״Meine kleinen Freunde! Ich billige den Grund, der Euch verhindert hat, in Guildhall meine Gäste zu sein, Ihr wolltet nicht gegen Eure Ueberzeugung handeln. So lange die Großen und Kleinen nach ihrem Gewissen handeln, kann man sich auf sie verlassen. Die Anstrengungen Eurer Lehrerinnen haben gute Erfolge erzielt, wie ich mich selbst überzeugt habe, und das gereicht ihnen zur größten Ehre." Eine christliche Dame erwiderte darauf: ״Die Gegenwart des Lord Mayor und seine hochherzige That sind von großer Wichtigkeit, besonders in diesem Augenblick, wo mehr oder minder die Israeliten fast überall verfolgt werden, und wo sie eine sichere Zufluchtsstätte auf dem Boden des freien England suchen. Möge man daher in der ganzen Welt erfahren, dass in London die Juden so behandelt werden, wie man seinen Neben- Menschen behandeln muß." Buenos Atzees. Der hier erscheinende ״Standard" schreibt: ״Oberst Goldsmid, Vertreter des Baron Hirsch, wurde bei seiner Rückkehr von dem Besuche der jüdischen Colonien, die sich nach seiner Aussage alle in einem gedeihlichen Zustande befinden, sehr herzlich empfangen. Keine dieser Colonien hat aber so segensreiche Resultate erzielt, wie die in Entre Rios. Merkwürdig ist hierbei, dass viele Colonisten, denen es in Santa Fs gar nicht glücken wollte, hier bedeutende Fortschritte machen. Wir erfahren auch zu unserer größten Freude, dass an dem Gerüchte, Oberst Goldsmid wolle seinen Posten, den er so geschickt ausfüllt, niederlegen und nach England zurückkehren, kein wahres Wort ist und gratuliren ihm zu den herrlichen Erfolgen, welche er in Entre Rios erzielt hat. Wir hoffen, eben so gute Nachrichten von ״Julio" zu erhalten, wo Baron Hirsch ein sehr großes und werthvolles Eigenthum erworben hat".