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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-12-21 · Heft 31 (21.12.1892) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 31 (21.12.1892)
Date
1892-12-21
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 31 Gesterreichisch-ungarische Lantoren-ZeikrrrH. Seite 7. Berichs: Zunäckst kamen die allgemeinen kirchenpolitischen Fragen zur Sprache. Vor Beginn der Verathung über dieselben stellte Erzbischof Samassa an den Primas die Frage, ob es wahr sei, dass der Primas ans Nom eine Weisung erhalten habe, worauf der Primas erklärte, dass ans Nom keinerlei Weisung oder Befehl gekommen sei.' Hierauf begann die Berathung, und zwar zuerst über die Rezeption der jüdischen Confession; in dieser Hinsicht gab der Primas die Information, der von der Regierung einzureichende Gesetzentwurf werde voraussichtlich aus;wei Paragraphen bestehen; der eine wird bestimmen, dass die jüdische Neligkon in die Reihe der rezipirten Neligoinen ausgenommen wird, der andere wird Verfügungen hinsichtlich des Uebertrittes enthalten. Der Episkopat sprach sich dahin aus, dass der erste Paragraph aus staatlichen! Gesichtspunkt auf keine Schwierigkeiten stoße, der zweite jedoch unannehmbar sei. Arad. Am 3. December — Parsä^z Vaje^ev — feierte Obercantor David Kohn seine silberne Hochzeit. Jede officielle Ovation vermeidend, wurde der Jubilar dennoch mit der ersten ״Alijo“ beehrt, b.i welcher Gelegenheit dor Chor nach der zweiten ״B’rochoh.“ den Trauungs-mslrsro als echod-jochid sang, welcher auf den Jubilar einen angenehm überraschenden Eindruck machte. Nach dem Gottesdienste beeilten sich die Herren Mitbeamten, Freunde und Verehrer, ihre aufrichtigsten Gratulationen darzubringen Unter Anderem liefen viele Telegramme, Gratulationsschreiben und diverse Ehrengeschenke ein: Oberrabbiner Dr. I. Löw, Szegedin, Obercantor Löwenherz, Temesvar,Obercantor Kartschmaroff, Cantor Goldmann, Gr.-Kanißa, Obercantor Bauer, Professor Löwenstamm, Elisabeth Sabl, Wien rc. k. Am Abend fanden sich auf freundliche Einladung des Jubilars Collgen und Freunde;1! einem geselligen Soups ein u. zw.: Oberrabbiner Dr. A. Rosenberg, Obernotar L. Rosenberg sammt Frau, Neligionsprofessor Jonas Krauß, Regenschori A, Grünzweig sammt Familie, Dr. Wiener sammt Frau, Gemeindecassier Schwitzer, Organist Hößly und Regenschori Neubauer als Gast von Temesvar. Nach demdritten Gange eröffnet^ Oberrabbiner :-Dr. Nosenberg den Reigen der Toaste, bei welcher Gelegenheit er das wiklich schöne Familienleben des Jubilars in schönen und treffenden Worten schilderte. Au diesem gesellten sich viele humoristische Toaste, die den Lachkitzel aufs Aeußerste steigerten. Soweit von dem Gastronomischen und Humoristischen. Jetzt sollte auch der Musika gerecht gethan werden. Auf Verlangen mcbrerer Damen und Herren spielte die bewährte Pianistin, Fräulein Irma Grünzweig, die liebenswürdige Tochter des Regenschori Grünzweig, drei Nummern ü. zw.: Das ״Soinmerlied" aus dem ״Fliegenden Holländer" von Wagner-Lißt, die ״Forelle" Schubert-Heller und ,,Brillant-Vals“ von Moskowßky (E-dur), die durch ihre Virtuositstt und elegante Technik das Publicum enthusiasmirte. Gleichzeitig crgieng an den Jubilar die Aufforderung, einige Lieder vorzutragen, welchem Wunsche er durch den Vortrag zweier Schubert'scher Lieder: ״An die Leyer" und ״Erlkönig" bereitwilligst nachkam. Herr Kohn zeigt noch heute, dass er -ein vortrefflicher Sänger von classischen Liedern ist. -Die Gesellschaft war in heiterer und animirter Stimmung noch bis um 1 Uhr nach Mitternacht beisammen und verabschiedete sich mit dem Wunsche, in 25 Jahren zur goldenrn Hoch׳ zeit sich wieder einzusinden. —f —g. Lemberg. Die hiesige Cultusgemeinde richtete an den Gemeinderath eine Petition, in welcher sie die Wichtigkeit der Errichtung eines Nabbinatsseminars auseinandersetzte und sich die Erlaubnis erbat, die von der CultuSgenieinde erhaltene Mädchenschule, die, nebstbei bemerkt, sehr wenig besucht wird, auftulösen, um deren Fonds für die Erhaltung der zu errichtenden Rabbinatsschule zu verwenden. Der Gemeinderath erklärte sich zwar im Principe für die Errichtung eines Seminars, erlaubte jedoch die Auflösung der israel. Mädchenschule nicht, versprach aber, dem eventuell zu begründenden Nabbinatsseminar eine entsprechende Subvention zuzuwenden. (r) Tachart, 16. December 1892. (Chanukafest.) Nach Art größerer Städte fand auch in Tachau (Westböhmen) Heuer das erstemal eine Chanukafeier statt, die. in ihrer Totalität einen erhebenden Eindruck machte und auch von Christen besucht war. Diese Feier wurde Dienstag 13. December AbendK abgehalten und mit einer Ansprache des Herm Rabbiners Schydlow an die Kinder eröffnet. Kleinere und größere Declamationen sowie gut einstudierte, aus Knaben und Mädchen zusammengesetzte gemischte Chöre und Lieder schlossen sich an und boten angenehme Abwechslung. Nach Absingung der Volkshymne, wobei sich alle Anwesenden erhoben, gieng es nun an die Vertheilung der diversen, oft sehr werthvollen Geschenke an die Kinder, worauf auch der Cultusvorstand, Herr Elias Neubauer, Veranassung nahm, sowohl Herrn Obercantor Grünwald, wie Frau Schornstein, die hauptsächlich um das׳ Zustandekommen des Festes sich Verdienste erwarben, öffentlichen Dank zu zollen. Sicherem Vernehmen nach soll man von Seite der israelitischen Cultusgemeinde mit dem Plane sich tragen, Obercantor Grünwald, der keine geringen Opfer an Zeit und Geduld brachte, mit den Kindem gut gehende Chöre einzustudieren, nach Ablauf seines deinnächstigen Provisoriums nicht nur definitiv, sondern auch mit Aufbesserung seines Gehaltes wieder anzustellen. Damit dürfte die Gemeinde nur im eigenen guten Interesse handeln. ^tafau. Am 25. December feiert unser beliebter Cantor, Herr Josef Fischer, sein 25jähnges Amtsjubiläum, aus welchem Anlasse für den Jubilar mannigfache Ovationen vorbereitet sind. Ueber den Verlauf der Feier werden wir in nächster Nummer der Cantorenzeitung berichten. kanten. Die letzten Tage haben sensationelle Enthüllungen über den Knabenmord von Xanten zu Tage gefördert. Die volle Unschuld Buschhoffs soll nunmehr endgiltig bewiesen werden. Der Steinhauer Wesendrup hat in der Trunkenheit gestanden, den kleinen Hegemann ermordet zu haben; er wurde darauf flüchtig und wird nunmehr steckbrieflich verfolgt. Gegen Wesendrup war schon zur Zeit des Xanteuer Mordprocesses die gerichtliche Untersuchung wegen Ermordung des Knoben Johann Hegemann eingeleitet worden, allein sie wurde später wieder eingestellt und desgleichen wurde Wesendrup im Processe in Eid genommen, trotzdem sich der Vertheidiger energisch dagegen aussprach. Wesendrup ist ein Steinmetzgehilfe, welcher einige Zeit bei Buschhoff beschäftigt war, von demselben aber wegen ungebührlichen Benehmens einen Tag vor dem Morde entlassen wurde. Er ist ein Schwager des Fleischhauers Junkermann, desselben Zeugen, den die Antisemiten als Hauptbelastungszeugen für einen Ritualmord ins Feld führten und der seinerzeit im ״Xantener Boten" ein Gutachten veröffentlicht hat, in dem er angibt, er müsse als Fachmann den Schnitt am Halse des Knaben als ״Schächterschnitt" erklären. Buschhoff selbst batte im Verlaufe der Verhandlung erklärt, er habe Wesendrup in! Verdacht, denn als er ihn fortjagte, rief ihm Wesendrup drohend zu: ״Morgen haben die Juden wieder Schabbes, ich werde aber dafür sorgen, dass die Juden keinen Scbabbes haben." Wesendrup ist ein gänzlich verkommenes, dem Trünke leidenschaftlich ergebenes Individuum, das bereits zahlreiche Anstände mit den Behörden hatte. Hannover, 18. December 1892. Nachdem sich in der hiesigen Gemeinde das Bedürftnis nach einem autorisirten Mohel fühlbar geniacht hat, hat sich Herr Obercantor Linhardt auf Anregung des Synagogenvorstandes entschlossen, am 19. d. M. nach Prag zu reisen, um an dem anatomisch-pathologischen Institut — die einzige Anstalt, an welcher auch solche, welche sich nicht fpeciell den medizinischen Wissenschaften widmen wollen, die Qualification zur Beschneidung durch Practiziren an Kinderleichen erlangen können — seine Ausbildung in der rituellen Circumcision zu bewerkstelligen. Es hat der Vorstand kein Opfer gescheut, um für dieses wichtige religiöse Bedürfnis eine geeignete Persönlichkeit zu gewinnen, was umsomehr anzuerkenncn ist, als Herr Linhardt dadurch während circa 5 Wochen verhindert sein wird, die gottesdienstlichen Functionen zu verrichten Herr Linhardt beabsichtigt, zu dem am 1. Februar l. I. stattfindenden 20jährigen Amtsjubiläum des Herrn Genreindesecretär Jacob Hoffmann wieder hier zu sein.

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