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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-12-01 · Heft 29 (1.12.1892) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 29 (1.12.1892)
Date
1892-12-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Pränumerakivns-Preis. FnrCantorcn u.Cultnsbenmte in Oesterreich-Ungar» GantjLhrig.sl- 4.— Halbjährig.ft. 2.— FiirCantorenu.Cultusbeamte im Anstand Ganzjährig.8 Mark oder^. Nabel.! Priva'^lud Institute Ge.n״'Lhrig .. -i I . . fl. 6 — - Central-Org.n für die Interessen der Canturen und Cnltnsbeainten. Medaction und Administraliou Wien II.NovaragassoNr.27. jj Erscheint jeden zehnten Tag. Inserate wcrven billigst berechnen. Ma1>.׳׳scripte werden nicht retournirt. Begründer: Obercantor Jacob Bauer. Abonnements- ». Insertionsbetrage sind in Wien zahlbar.!: Wien, 1. Derember 1892. 12. Jahrgang. Jaroslitt» Nkchlirky. II. Wenn Ls wahr ist, dass nur der Kopf luchtere sprächen, das Herz jedoch stets nur eine Sprache führt, so ist der böhmische Dichter, dessen Schriften wir uns nunmehr zuwenden wollen, im eminenten Grade ein Dichter des Herzens, und deshalb werth, von allen Menschen, ganz besonders von unseren Glaubensgenossen gekannt, und das ist in diesem Falle geliebt und verehrt zu werden. Denn wahr bleibt das Wort des Pessimisten Arthur Schopenhauer, dass mit; Ausnahme der Mathematik, auf keinem anderen׳ Gebiete irgend etwas Großes ist geschaffen worden oder wird geschaffen werden, wenn nicht das Herz dabei lebhaft betheiligt ist, oder wie ein bedeutender französischer Schriftsteller lange vor Schopenhauer es ausgesprochen in den Worten: Le5 grandes pensees viennent du coeur. (Die großen, weltbefreienden und welterlösenden Gedanken entsprangen dem warmfühlenden Herzen.) Und wenn wir dem Ursprung dieses scheinbar modernen Satzes genauer nachgehen, finden mir denselben im bestgehassten Talmud; denn in: Tractate Eynhedrin Fol. 104 a finden wir die Worte *״ הקב״ה לבא בעיDer Heilige, gelobt sei Er, will das Herz." Und ein solches für alles Gute, Wahre und Edle warm glühende Herz besitzt der bedeutendste böhmische Dichter der Gegenwart, Jaroslav Vrchlicky.') ') Der eigentliche Name des Dichters ist Emil Frida. Er ist Sccretär der böhmischen Technik, Ehrcndoctor der philosophischen Fa: cultät der Prager czechischen Universität, Mitglied und Seeretär der czechischen Akademie für Wissenschaften und Künste. Die Zahl seiner prosaischen und poetischen Schriften ist eine ungeheuer große, cs vergeht kein Jahr, wo nicht mindestens ein Buch sowohl e p i s ch e n als lyrischen und dramatischen Inhaltes veröffentlicht würde. Ueberdies hat Lrchlicky bereits außer Goethe's ״Faust", Ariost's 0rlando Furioso ״Der rasende Roland" und zeitgenössische französische und italienische Autoren ins Böhmische übertragen. Wie mir der Dichter persönlich mittheilte, veröffentlicht der bekannte Dichter Dr. Fr. Adler eic Antologie aus Vrchlicky's Gedichten in deutscher Sprache. Seine Trilogie Pelop's Brautwerbung hat bei der Wiener Internationalen Theater-Ausstellung (im Juni 1892) wohlverdienten Beifall gefunden. Heute wollen wir feine jüngsten Dich^ tungen (öodläcs FarnasZu׳), Nesseln vom Parnaß) unfern Lesern auf's beste empfehlen. Der echten Wissenschaft gleich, ist auch echte Dichtkunst, wie die Wahrheit überhaupt, nicht an Glaube und Confesfion gebunden, ist also im schönsten Sinne des Wortes international, d. h. die verschiedenen Völker vereinend und v erb indend. In diesem, den Interessen des Judenthums gewidmeten Organe sei es uns gestattet, das Gedicht Talmudskv motiv (Talmudisches Motiv) wortgetreu in Prosa wiederzugebeu?) Unsere Anmerkungen hiezu lassen wir der Uebersetzung folgen: Talmudisches Motiv. 1. Es gibt mannigfaltige Formen, in welchen Gott sich offenbart, Heut' im Dornbusch und morgen in der Blüthe wieder, Heut' im Lied des Sehers, aus dem Inneren schäumend; Gar oft geht er durch die Welt, die Welt jedoch weiß Nichts von ihm. 2. Warum starb das Mädchen nach de!n ersten Balle? Warum der Künstler über seinem schönsten Werk? Wer darf sagen: Sie haben das Ziel verfehlt? Wer darf sagen: ״Ich trage Gott im Herzen." 3. Er geht wie ein Hauch, wohin er wehet, zerstört er, Wie ein starker Sturmwind ist er für die Menscheuseele, Unsterblich, wer ihn auch nur ahnt, Wer ihn jedoch erkannt, unterliegt sofort dem Tod. ׳) Erschienen bei I. Otto in Prag, 146 Seiten in 8". 0 Das Gedicht Na starem zidovskem hrbitova (Auf dem altcit Prager Friedhofe) haben wir im Versmaße des Originals in dem ״Eclw des Judenthums" (New-Avrk) 4. November 1892 veröffentlicht.

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