Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 27 (11.11.1892)
- Date
- 1892-11-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Cantaren Pemmmerations-Preis. FürCantoren ».CultuSbeamte in Oesterreich-Nngarn Ganzjährig.fl- 4.— Halbjährig.fl. 2.— FürCantoren u.CnltnSbeamte im Ausland Ganzjährig ..... 8 Mark oder 4 Rubel. Für Private nnd Institute Ganzjährig.fl. 6 — Central-Organ für die Interessen der Cantoren und Cultusbramten. Erscheint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercantor Jacob Bauer. Aebaclion und Administration Wien II. Nonarngnsi'e Nr. 27. Inserate werden billigst berechne!. Ma1>:׳scripte werden 11 id)t vetouuiivt. Abonnements- 11. Iniertionsbetrage sind in Wien zahlbar. --rgr~.. *taff». Wien- 11. November 1892. \ w׳ 12. Jahrgang. Wien, 10. November Von jenseits der Leitha kömmt eine Nachricht, die, wenn sie Mch nicht ganz unerwartet eintraf, jedenfalls mit lebhaftem Bedauern ausgenommen werden muß. Die Leitung des ungarischisraelitischen Cultusbeamten-Vereines gibt den Mitgliedern bekannt, dass ihr Vereinsorgan ״Der Cultusbeamte" nach zehnjährigem Bestände seine publicistische Thätigkeit einstellen und im Monate December zum letzten Male erscheinen wird. An der Herbeiführung dieser Thatsache nlögen wohl verschiedene Momente, wie z. B. die unglückliche Anlage des Blattes, die allzugeringe Actionsfreiheit der Herausgeber, das mangelnde Erträgnis und dergleichen mitgewirkt haben, in erster Linie jedoch kam hiebei die Theinahmslosigkeit jener Kreise, denen die Thätigkeit des ״Cultusbeamten" gewidmet war, in Betracht, und dies ist der wahre Grund, der das Blatt früher oder später dem Untergange zuführen musste. Wollten wir uns von kleinlichen Motiven leiten lassen, wollten wir zurückdenken an den heftigen Widerstreit der Meinungen, der sich zu jener Zeit zwischen uns und den Gründem des ״Cultusbeamten", resp. des mit ihm verquickten Cultusbeamten- Vereines entsponnen hat, so müsste uns eine gewisse Genugthuung darüber erfüllen, dass unsere damalige Voraussage nunmehr bestätigt wurde. Allein derlei Gedanken liegen uns ferne, im Lause der Jahre haben sich die erregten Gemüther hüben wie drüben beruhigt, der Wirkungskreis war für jedes einzelne Unternehmen groß genug für eine ersprießliche Thätigkeit, und von dieser Erwägung geleitet, haben wir dem ״Cultusbeamten" unsere vollste Sympathie entgegengebracht, als einem publicistischen Organe, das im Bereiche der Stefanskrone ähnliche Zwecke wie wir verfolgte. Um die Tragweite des eingangs erwähnten Entschlusses des ungarischen Cultusbeamten-Vereines zu ermessen, müssen wir eine kurze und zeitgemäße Betrachtung der Entstehung und Bedeutung der Fachpresse widmen. Seitdem die Staaten nach modernen Prineipien regiert werden, seitdem in Folge dessen der Ausdruck der öffentlichen Meinung frei und unbehindert stattsindet, ist die Presse zu einem wichtigen und unentbehrlichen Factor im staatlichen und gesellschaftlichen Leben geworden. Nebst der Verfolgung allge׳- meiner Zwecke ward jedem einzelnen, publicistischm Organe die Aufgabe zu Theil, im Kreise seiner engeren Interessenten erziehend, belehrend und anregend zu wirken, und so kam es, dass bald sämmtliche Gebiete der menschlichen Berufsthätigkeit einen eigenen Krystallisationspunkt suchten und um denselben einen befruchtenden ׳Ideenaustausch herbeiführten. Kunst und Wissenschaft, Industrie, Handel und Gewerbe giengen hiebei den gleichen Weg, der überall zu außerordentlichen Erfolgen führte. Die Fachpresse erwies sich als eine Nothwendigkeit, als das Bindemittel, welches die früher disparat dastehenden Elemente der einzelnen Berufsgat. Lungen zu einem großen und mächtigen Ganzen vereinigte. Auch in unseren Kreisen hat sich naturgemäß das Bedürfnis eines engeren Anschlusses ergeben, und diesem Umstande ist die Entstehung der österreichisch-ungarischen Cantoren-Zeitung und ähnlicher Blätter zu verdanken gewesen. Von welch' heilsamen Folgen diese Thatsache begleitet war, muß Jedermann klar werden, der die Verhältniße von einst und jetzt gegenüberstellt. Glicht als ein bloßer Zufall darf es z. B. angesehen werden, dass die Stel. lung der Cantoren in Oesterreich im Laufe des letzten Jahrzehntes eine solch entschiedene Wendung zum Besseren genommen bat und in dem nunmehr zur Ausführung gelangenden neuen jüdischen. Cultusgesetze der Bedeutung des Cantorenstandes gemäß präcisirt erscheint. Wir brauchen nicht den Vorwurf der Unbescheidenheit zu fürchten, wenn wir die Behauptung aufstellen, dass die Cantoren- Zeitung hieran einen hervorragenden Antheil nahm, indem sie die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit, die niemals ohne anregenden Stachel an die Beseitigung alter Uebelstände schreitet, auf die berechtigten Wünsche und Bedürfniße unserer Berufsgenossen lenkte. Diese Thätigkeit wurde uns wahrhaftig nicht leicht gemacht und großer Ausdauer bedurfte es, um gegen die verschiedensten Anfeindungen und Verunglimpfungen erfolgreich anzukämpfen. Gefährlicher jedoch als äußere Angriffe sind Indolenz und Indifferentismus im eigenen Lager. Wir Cantoren müssen fest zusammenstehen, und wer von uns durch Stellung und Jntelligen; berufen und befähigt ist, der Allgemeinheit zu nützen, muß sei!C «aaä3aa