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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-11-01 · Heft 26 (1.11.1892) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 26 (1.11.1892)
Date
1892-11-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 26 Oesterreichisch-ungarische (Lantoren-Zeitung. Seite 7. Christenthum enthalten. Derartige Angriffe verstoßen gegen den § 302 des Strafgesetzes. Aus den Statuten gehe hervor, dass es sich dem Vereine nicht darum handelte, die Kenntnis der rein theoretischen und wisfenfchastlichen Werke Dühring's, sondern seiner auf das praktische Leben gerichteten Schriften zu fördern. Der Umstand, dass bisher thatsächlich diese Schriften nicht gerichtlich verboten wurden, sei hier unentscheidend, da nach dem Vereinsgesetze die Beurtheilung, ob ein Verein nach seinem Zwecke gesetzwidrig sei, der politischen Behörde zustehe. Da sich der proponirte Verein seinem Zwecke nach als gesetzwidrig darstellt, so entfiel die Noth- Wendigkeit, auf die formalen Gründe der Untersagung einzugehen." Wien. (Ottakring.) Am Vorabende des Schemini-Azereth- Festes wurde nach beendigtem Gottesdienste in der hierortigen Kanzlei dem Obercantor Herrn Moritz Schlesinger in Gegenwart des Cultus- Vorstehers, Herrn Salomon Rosner, des Obmannes der hiesigen Chewra-Kadischa, Herrn Bernhard Trnka, mit dem Vorstande und vieler Gemeindemitglieder ein silberner Pokal, gewidmet von der Chewra Kadischa, für seine langjährige aufopfernde Thäugkeit als Schriftführer dieses Vereines mit einer feierlichen und erhebenden Ansprache von Seite des Obmannes überreicht. Der Cultusvorsteher dankte im Namen der Gemeinde der Vertretung der Chewra Kadischa für die Anerkennung, indem derselbe zugleich den unermüdlichen Fleiß und Pflichteifer des Obercantors,in allen seinen Berufssphären besonders hervorhob. Der Gefeierte fand vor Rührung nicht Worte genug, um für diese Auszeichnung seinen tief empfundenen Dank auszusprechen. Wi-N» Freitag den 4. November wird Herr Rabbiner Dr. Taglicht aus Ung.-Ostra beim Abendgottesdienste im Mariahilfer Tempel eine Probepredigt halten. Mislitz» Sonntag den 23. Oktober fand die Trauung des hiesigen CanLors, Herrn I. Holzer, mit Fräulein Rosa Schlesing er- Tochter des hiesigen Obercantors Herrn I. L. Schlesinger, statt. Welcher Beliebtheit sich beide Cantoren in der Gemeinde Erfreuen, zeigte sich in dem Umstande, dass die ganze Gemeinde Nlit dem Vorstande an der Spitze an dem schönen Feste theilnahm. Auch aus Collegenkreisen waren anwesend: Obercantor I. Bauer aus Wien, Cantor S. Gruschka aus Kromau und Cantor Faust aus Brünn. Den Trauungsact׳ vollzogen Rabbiner Dr. Oppenheim und Obercantor I. Bauer. Bei dem animirten Hochzeitsmahle wurde über Anregung des Vicepräses des Cantoren- Vereines, Obercantor I. Bauer, eine kleine Sammlung zu Gunsten des Vereines eingeleitel, welche die Summe von 7 fl. 10 kr. ergab. An derselben betheiligten sich Präses Jos. Hauser, Vorsteher Grünbaum, M. Kramer, Mor. Winkler und die Cantoren Schlesinger, Faust und Gruschka. Prag. Man schreibt der ״Bohemia" : Neulich beim Frühstück wurde meine Zeitungs-Lectüre unterbrochen durch den Zwischenruf: ״Jetzt kommen wir schon bald zur Sündfluth!" — Aehnliches hatte ich mir soeben selbst gedacht, so dass ich einen Augenblick glaubte, der Zwischenruf käme unwillkürlich aus meinem Innern heraus. Allein in Wirklichkeit war er von den Lippen meines kleinen Jungen gekommen, der mich Mit diesen stolz gesprochenen Worten von den ansehnlichen Fortschritten seiner beginnenden ״Bildung" benachrichtigte. ״Ci ei, und wo seid Ihr denn jetzt?" fragte ich. ״Bei Kain und Abel," war die Antwort. — ״Also erzähl' mir doch mal die Geschichte von Kain und Abel", sagt' ich ihm. — ״Na weißt du Papa" fing er an, ״der Kain war das Vorbild der Juden." . . . Mir fiel vor Schrecken das Kipfel in die Tasse. Wie kam der kleine Mensch, den ich in voller nationaler und confessioneller Vorurtheilslosigkeit heranwachsen zu lassen bestrebt bin, zu einer solchen Ausicht? — ״Ja was fällt Dir denn ein?" rief ich ihm zu. Er aber entgegnete mit großer Wichtigkeit: ״Ja weißt Du Papa: der Kain war auf der ganzen Erde zerstreut und hat seinen Bruder ermordet, darum ist er das Vorbild der Juden." Und wie ich nun weiter forsche, wer dem Knaben diese Neuigkeit anvertraut hat, sagt er kaltblütig: ״Im Büchel steht 's!" und bringt das ״Büchel" herbei. Nämlich die im k. k. Schulbücher- Verlage in Wien erschienene ״Biblische Geschichte des Alten und Neuen Testaments für allgemeine Volksschulen und für Bürgerschulen" von Dr. I. Schuster. Da stimmt denn auch die Neuigkeit, zwar nicht wörtlich, aber ungefähr. Auf Seite 7 ist der Geschichte von Kain und Abel in zwei Zeilen folgende Moral angehängt: ״Abel war ein Vorbild des von seinen Brüdern, den Juden, unschuldig getödteten Jesus; Kain war ein Vorbild der über die ganzen Erde zerstreuten Juden." — Zu meiner Zeit wurden uns, glaub' ich, in den Schulbüchern keine solchen Neuigkeiten mitgetbeilr, wenn ich mich auch sehr wohl erinnere, dass in das alte Testament immer sinnige Beziehungen auf das neue Testament eingeflochten waren. Indessen wird die Sache wobl in Ordnung sein, da das Schuster'sche Buch, wie aus dem Titelblatt ausdrücklich bemerkt ist, mit Approbation des hochwürdigsten Cardinal-FürsterzbischosS von Prag und einer Reihe anderer Kirchensürsten erschienen ist. Oder sollte etwa die ״Zerstreutheit", die das Prototyp der Juden kennzeichnen soll, auf Seite jener Herren Censoren gewesen sein, die von den erwähnten Kirchenfürsten mit der Durchsicht des Buches beauftragt wurden? Gr.-Kanisza. Sonntag den 6. d. M. findet im hiesigen Tempel die Trauung des Fräulein Olga Kartschm aross, Tochter unseres allbeliebten Obercantors Leon Kartsch m a r o ff, mit Herrn Simon Duschak aus Wien statt. Siklos, 17. October. Die Feiertage sind vorüber und mit ihnen die schweren Mühen der gottesdienstlichen Funetionäre. Wenn aber auch der Redner das ״Amen" ausgesprochen, wenn auch die herrlichen Gesangsweisen in den Räumen der Synagoge verhallt sind, so sind sie doch nicht vollends verklin'.gcn in den Herzen der andächtigen Zuhörerschaft. Noch bildet allenthalben, und namentlich in der hierortigen Gemeinde, der stattgehabte Gottesdienst das. Sujet des Gespräches. Hier wird der Prediger, dort der Cantor gerühmt. Und dies iit kein Wunder, denn wer kennt nicht unseren wackeren hochgelehrt׳.׳: 'Rabbiner Aron Roth, dm emsigen Arbeiter auf literarischem Gebiete?! Trotzdem aber vermag sich von seiner Größe nur Derjenige einen concreten Begriff zu macken, der diesen *אהרן בעבודה הקדש zu hören Gelegenbeit hatte.? er Hörer wird geradezu überragt von dem kraftvoll sympathischen Organe, über welches Herr Rabbiner Noch, trotz seines vorgerückten Alters, verfügt, von der Jugendsrische, die sich in seinen Vorträgen manifestirt, und dem sprudelnden Geiste, der seine Predigten durchweht. 'Nicht minder verdient mein Amtsnachfolger, der stimmbegabte Cantor, Herr Mor. Schorr, hervorgehoben zu werden. Ich nenne ihn stimmbegabt, weil wir seine süßklingende, kraftvolle Stimme erst an den verflossenen Feiertagen in ihrer wahren Macht kennen zu lernen Gelegenheit fanden. Herr Schorr liefert aber in seinen Vorträgen, die Tradition und modernen Styl harmonisch vereinen, auch Beweise gediegener Musikkenntniße, und namentlich die tresslicke Schulung des Chores muß lobend anerkannt werden. J. K—r. Hannover, den 24. October 1892. Am Freitag den 21. d. Mt. begieng Herr geheimer Commercialrath Louis Ephraim Meyer in körperlicher und geistiger Frische seinen siebzigsten Geburtstag. Von Nah und Fern waren dem Jubilar Beweise der Theilnahme dargebracht. Unter den auswärtigen Gratulanten befand sich auch der geheime Commercienrath Baron v. Bleichröder aus Berlin, welcher durch einen Vertreter seiner Firma einen kunstvoll gearbeiteten Blumenfächer überreichen ließ. Die Verdienste des Jubilars u!u die hiesige Gemeinde sind erst kürzlich, anlässlich des fünfzigjährigen Synagogenchor-Jubiläums rühmend erwähnt worden; an seinem diesmaligen Ehrentage überreichte der Jubilar dem Herrn Landrabbiner Dr. Gronemann einen kostbaren goldenen Pokal mit Untersatz, welcher am Freitag-Abend zum Kiddusch eingeweiht wurde. Möge es dem verdienten Jubilar vergönnt sein, noch lange Jahre für das Wohl unserer Gemeinde zu wirken, möge ihm der Herr seinen Segen dazu geben. B. Die heutige Nummer enthält eine Beilage der Buchhandlung Wilh. Jaeobsohn & Comp., Breslau, auf welche wir unsere Leser besonders aufmerksam machen.

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