Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 26 (1.11.1892)
- Date
- 1892-11-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichiseh-ungamehe JArärlumerations-Preis. FürCantoren u.Cultusbeamte in Oesterreich-Ungarn Ganzjährig.fl. 4.— Halbjährig.fl. 2.— FürCantoren u.Cultnsbeanite im Ansland Ganzjährig.8 Mark oder 4 Rubel. Für Private und Institute Ganzjährig.fl. 6 — Central-Örgan für die Interessen der Cantorrn und Cultusbeamten. Erscheint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercantor Jacob Bauer. Medaclion und Administration Wien jj U.Novaragaffe Nr. 27. I! Inserate ij werden billigst berechnet. Mal.nscripte werden nicht [ retonrnirt. j: Älbonuements- 11. Insertion»» j* betrüge find in Wie« zahlbar. : Wien» 1. November 1892. 12. Jahrgang. A« die geehrten Herren Abonnenten. Wir beehren uns hiemit anzuzeigen, dass vom 1. Novemder ab die Cantoren*Zeitung wieder vollkommen regel- Müßig am 1», 11. und 21. eines jede» Monates erscheinen wird. Für die durch die Feiertage bedingten AuSfütte werden wir die geschützte» Leser damit zu entschädigen suchen, dasA wir von nun ab am Ende eines Jeden Onartales eine Musikbei läg e gratis liefern. Dieselbe wird in fortlaufender MeihlttMlge das g esa turnte Ch asonus rmd Reeitative für alle gottesdienstlichen Functionen enthalten und hoffentlich, unserem Leserkreise eine willkommene Beigabe sein. Jedoch bitten anch wir tun eine pünktlichere und promptere Ginsendnng des Pränumerations-BetrageS. Die Redaction. Die letzte pnblieistische Arbeit Dr. Gerson Wolfs. Samstag, den 29. October ist der bekannte Pädagog und Historiker Dr. Gerson Wolf, Inspektor für den israelitischen Religionsunterricht in Wien, im 70. Lebensjahre gestorben. Vor wenigen Wochen erst feierte derselbe, von einem schweren Leiden genesen, sein 40jähriges Amtsjubiläum und desto tiefere Theilnahme wird sein nnvermuthetes Hinscheiden in allen Kreisen Hervorrufen, namentlich bei seinen zahllosen Schülern, die allen Schichten der Wiener Bevölkerung angehörend, ihn! jederzeit treue Verehrung entgegenbrachten. Mit Dr. Gerson Wolf ist wieder einer jener Männer aus dem Leben geschieden, die an dem Ausbau der Institutionen der Wiener Cultusgemeinde hervorragenden Antheil genommen haben und deren Namen ein Ehrenblatt in der Geschichte des Judenthums gesichert ist. Am 16. Jnli 1823 in Holleschau geboren, vollendete er die philosophischen Studien in Wien und war durch politische Verhältniße gezwungen nach Deutschland zu gehen. Im Jahre 1860 nach Wien zurückgekehrt, wurde er 1852 Neligionslehrer der israelitischen Cultusgemeinde und im Jahre 1884 Inspektor für den israelitischen Religionsunterricht. Er verösfentlichte zahlreiche Schriften, welche sich insbesondere auf die Geschichte der Juden in Oesterreich, dann auch im Allgemeinen auf die österrerchifche Geschichte im Zeitalter Maria Theresias und Josef 11. beziehen. Seine gründlichen Forschungen auf diesen! Gebiete haben seinen Namen in der wissenschaftlichen Weltzu großen Ehren gebracht. Auch als pädagogischer Schriftsteller hat der Verblichene Hervorragendes geleistet, und namentlich seine ״Geschichte Israels^ ist für den israelitischen Religionsunterricht mustergiltig geworden. Dr. Gerson Wolf war An Mann von makellosen! Charaktervoll Wohlwollen und Güte, und stets bestrebt,. die jüdischen Jünger der Wissenschaft mit allen-Kräften zu fördern. Viele arnie Studierende, denen er durch seine weitverzweigten Verbindungen Hilfe und Unterstützung angedeihen ließ, werden ihm ein dankbares und ehrendes Andenken bewahren. Von mcht zu unterschätzender Bedeutung ist auch die eifrige publicistische Thätigkeit Dr. Wolfs gewesen. Ter für die Freiheit und das Judenthum begeisterte Gelehrte hatte nicht blos für die Geschichte der Vergangenheit einen feingeschärften Sinn, mit offenem Auge und regem Interesse beobachtete er auch die politischen und religiösen Vorgänge der Gegenwart, die er in Tagesblättern und namentlich in jüdischen Zeitschriften mit sreimülhigen Worten besprach» Seine letzte diesbezügliche Arbeit wurde in der ״Magdeburger israelitischen Wochenschrift" unter dem Titel ״Die geplante Wiener Conferenz" veröffentlicht. Den Schlnß des Artikels erhielten wir gleichzeitig mit der Kunde von dem Ableben des Autors, und wir erachten es darum als einen Act der Pietät, denselben im Nachfolgenden wiederzugeben: ״Wiederholt schon dachte ich daran", so schreibt Dr» Wolf, ״über die in Wien projektirt gewesene Conferenz zu schreiben. Aus verschiedenen Gründen habe ich jedoch bisher geschwiegen. Als sie nämlich projektirt war, schwieg ich, da ich nicht als Störenfried gelten wollte und vielleicht, dachte ich, bringt sie doch etwas Gutes. Als die Einladung des Vorstandes jedoch unberücksichtigt blieb, wollte ich wieder nicht schreiben, da es doch stets peinlich ist, weim man einen Korb bekommt — und ich will es nicht leugnen, dass ich es tief empfinde, wenn der Vorstand der Wiener Gemeinde gekränkt wird. Nun sind aber Wochen seitdem vorüber gegangen; das Project ist vorläufig eingesargt und aufgebahrt und die Ge-