Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 25 (17.10.1892)
- Date
- 1892-10-17
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 25 Mesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. ein Specialist von solchen Sonderlichkeiten ist. So zum Beispiel ״Omnomken", ״Weal kulom", ״Schema kolenu" und ״Haschiwenu". All diese Sachen sind dazu berufen, den Namen Grünzweigs unsterblich zu machen, und wenn diese Gesänge nicht so verbreitet sind, als sie es eben in vollstem Maße verdienen, so dürste daran nur die allzu große. Bescheidenheit des Componisten schuld sein. Um jedoch nicht einseitig zu erscheinen, können wir es nicht unterlassen, auch die wirklich lobenswerthen Mitwirkenden zu erwähnen. In erster Reihe steht unser bewährter Obercantor, Herr David Kohn, der sowohl durch sein sympathisches Organ, als auch durch seine besonders verständige Vortragsweise seine Gemeinde zu befriedigen weiß, und,'sich ״als sehr richtiger Interpret bewährt. Der Chor, theils aus ständigen Mitgliedern, theils aus Dilettanten bestehend, hat das seinige gethan und es muß damit ihm nur Lob gezollt werden. Zum Schlüsse sei auch unser besonders tüchtiger Organist, Herr I. H ö ß l y genannt, der sich sowohl durch seine schöne Technik, als auch durch sein geschmackvolles Spiel auszeichnete. Wenn er jedoch trotzdem wenig Beifall erzielte, so ׳war hiebei der Umstand utaßgebend, dass eben Herr Hößly am ersten Tage Rösch Haschono die schönen Präludien von Lewandowsky und s. a. umgieng und das Intermezzo von ״Cavalleria rusticana" spielte, welche wohl auf der Höhe der Opernmusik steht, doch keineswegs als Präludium vor dem ״Unsane Tokef" in einen Tempel passt, da dasselbe abgesehen von seiner Tendenz, bereits in allen Bierhallen gespielt wird. W,... 5. Prag, 17. October, (Orig.-Telegr.) Der Prediger Dr. S. I. Kämpf, k. k. Negierungsrath und Universitätsprofessor,!st gestern Mittag nach kurzem Leiden im 75. Lebens iahre gestsrben. lTa׳«־yfl VöhM.-LeiM, 14. Detober. Letzten Mittwoch fand die .feierliche Installation des neugewählten Rabbiners Dr. Wieser statt. Die Cultusvdrstände holten den Angekommenen mit mehreren Wagen vom Bahnhofe ein, worauf im Tempel in Gegenwart zahlreicher Besucher und Gäste die Jnstallationsfeier stattfand. Paris» Die Alliance Israelite Universelle wird bei der Weltausstellung in Chicago vertreten sein. Sie stellt Proben von allen in ihren Schulen angefertigten Schülerarbeiten aus, sowie Photographien der Schulgebäude und Erzeugniße der Ackerbauschule zu Jaffa und der Handarbeitsschule zu Jerusalem. Desgleichen sollen Urkunden ausgestellt werden, welche über die Gesammtthätigkeit der Alliance im׳ Interesse der Juden derjenigen Länder, in welchen sie noch durch Druck und Verfolgung zu leiden haben, einen Ueberblick gewähren. London. Der Oberrabbiner Dr. Adler erhielt vom Leiter der jüdischen Schule in Bagdad, Mr. Moris Cohen, ein Telegramm, welches ihn von einer beabsichtigten. Judenhetze in Hamadan benachrichtigte. Dr. Adler veranlasste die Herren Leopold Schloss Und Louis Emanuel von ber Anglo Jewish Society zu einer Audienz bei dem Earl of Nosebery, der auch sofort an den engtischen Bötschafter in Teheran, Sir F. Lascelles, den telegraphischen Auftrag ertheilte, beim Schah zu Gunsten der bedrohten Juden in Hamadan zu interveniren. Dieser Auftrag war auch von Erfolg begleitet und schon drei Tage nachher konnte der Earl of Nosebery dem Lord Rothschild die Mittheilung machen, dass der Schah an den Mollah Abdullah iu Hamadan den strengsten Befehl ertheilt habe, von . der Verfolgung der Juden abzulassen. Zur Aufrechthaltüng der Ordnung daselbst wurde ein halbes Bataillon Soldaten von Teheran abgesendet. Petersburg. Wie bereits in letzter Nummer dieses Blattes gemeldet wurde , hat sich der Domänen- Minister Ostrowsky zur persönlichen Besichtigung in die im Gouvernement Jekaterinoslaw gelegenen jüdischen Ackerbaucolonien begeben, da seine Meinung mit den ungünstigen Berichten der südlichen Gouverneure nicht übereinstimmte. An den Grenzen des Gouvernements wurde der Domänen-Minister von einer Judendeputation in festlicher Weise empfangen. Bei diesem Anlasse hielt der Groß- Rabbiner der Colonien, Blumenfeld, an den Minister eine Ansprache, die auch für weitere Kreise von Interesse ist. ״Ihre Anwesenheit, Ercellenz", hieß es unter Anderem in der Rede, ״ist für uns die Seite 7. Bürgschaft, dass die bedeutungsvolle Judeufrage einer baldigen und befriedigenden Lösung entgegengeht. Jeder von uns fühlt in diesem Augenblicke, dass das Schicksal der jüdischen Colonien von Ihrem maßgebenden Urtheil abhängt. Doch wir fürchten dieses Gericht, dieses Urtheil nicht, ebensowenig wie wir das Gericht des himmlischen Vaters fürchten, das gegenwärtig (der Zeitpunkt ist zwischen Nosch-Haschana und Jom Kipur) nicht nur über die Juden, sondern über Alles Irdische gehalten wird. Wir fürchten das göttliche Gericht nicht, ebensowenig wie uns das irdische schreckt; nicht darum, dass wir uns frei von Schuld und Fehler wissen — das wäre Vorblendung — sondern weil wir auf die Objcctivität und Gercckligteit Sr. Ercellenz vertrauen, und weil, wir von der Hoffnung beseelt sind, dass unser glorreicher Czar Alexander III. mit den besten Wünschen erfüllt ist. Ueberzeugcn Sie sich selbst, Ercellenz, von unserem Fleiße, und wenden Sie die Ränke ab, die uns unsere Feinde geschmiedet haben. Ueberzeugcn Sie sich selbst, und Sie werden sehen, dass die jüdischen Eolonisten ihrer Ausgabe gerecht werden, dass ihre Wirthschasr eine ersprießliche ist. Sieben Sie uns bei Ercellenz, und erhalten Sie uns die Arbeit, die unsere Väter einst im heiligen Lande mit großem Erfolge betrieben haben. Erhalten Sie uns diese Arbeit, auf dass die Juden mit vollem Rechte sagen können, sie befänden sich nun auch im heiligen Lande, im heiligen Rußland." — Die Worte des Groß-Rabbiner Blumenfeld machten auf den Minister einen tiefen Eindruck. Minister Ostrowsky reichte dem Rabbiner die Hand und versprach der De׳ putation, dass er mit bestem Wissen und Gewissen die Lage der Colonien prüfen und demgemäß einen Bericht erstatten werde. Im Berlage von I. Kaufmann in Fbänkfuft ä. M. ist söeben erschienen: Die rituelle Cireumeision (Beschneidurig) operativ und rituell geschildert von M. N. Dr. Josef Grüuwald, prak׳ tischer Arzt in Wien (111., Hauptstraße 23) und mit Anmerkungen versehen von Dr. M. Grünward.. Nahbiucr in Jungbunzlau. Trotz der vor Jahrzehnten erschienenen Schrift ähnlicher Tendenz vom verewigten M. tt. Dr. Gideon Brecher s. A. (die übrigens völlig vergriffen ist), ist vorliegende Schrift von acrneller Bedeutung, weil sie die neuestett Forschungen auf dem Gebiete der Chirurgie und Antiscplik zu Nathe zieht. Gewidniet ist diese Schrift dem Herrn Jacob Grünwald, emcrit. Rabbiner in Bisenz (Mähren) zum 72. Wiegenfeste als Zeichen kindlicher Liebe und Dankbarkeit. Corresporrderrz der Redaktion. S. in T. Die Functionäre der Wiener Cultusgememde, nämlich Rabbiner und Cantor, sind bei den an den Feiertagen stattfindenden Beerdigungen am Friedhofe nicht anwesend, jedoch nur aus dem Grunde, weil die Entfernung des Centralfriedhofcs von der Stadt zu groß und eine solche Fußtour für den Functionär zu beschwerlich ist. Den Dienst verrichten Chewraleute. Vom Hause aus findet an Feiertagen kein Leichenbegängnis statt und werden die Einsegnungen nur am Friedhose vorgenommcn. Ueber das Uebrige nächstens. Dr» F. in P» Manuskript und Brief in nächsten Tagen. Brr Folge mangelhaften Cinlarrfeö der Absnuementö- Brr Folge marrgelhafterr Cinlarrfeö der Absnuementöbetrage müssen wir arrrrehmendass eine große Zahl unserer geschätzten Leser durch Amtsüberbnrdnng während der hohen Feiertage verhindert war, unsere in dem der vorigen Nummer beigelegten Circular ausgesprochene Bitte, um Ernerrernng des Abonnements und Einsendung des PränrrmeraLiorrsbetrages zu erfüllen. Indem wir heute dieses Ersuchen dringendst wiederholen, hoffen wir, dass jeder College in den nächsten Tagen seiner Pflicht dem Fachblatte gegenüber nachkommen nnd das Versäumte baldigst nachhole,r wird. Die Redaktion. .Die geschätzten Leser werden aut die der heutigen Nummer beiliegende Beilage des Herrn Obercantor Adolf Türki §flälm־«Cstrau, besonders aufmerksam gemacht.