Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 25 (17.10.1892)
- Date
- 1892-10-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Prämnnorativns-Prrrs. FiirCantore»u.C»ltusbeamte in Oesterreich-Nngarn Gan jährig . . . . . fl 4. — Halbjährig.fl 2.— FiirCantoren u.Cultnsbcamte im Slnsland Ganzjährig.8 Mark oder 4 Rubel. Für Private und Institute Gan,jährig.fl. 6 — Central-Organ für die Interessen der Cantvren mld Cultnsbemnten. Erscheint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercantor Jacob Bauer. Kedaction ui;ה Administration Wien II. Novaragasso Nr. 27 Inserate werden billigst berechne׳. Mannscripte werden nicht retoucnirt. Hlbonnemcnrc«- u betrüge sind in '■ÜMcn Insertivu^- zahlbar. Ur. 25. ieri, 17. Griobrr 1882. 12. Jahrgang. Berlin, im October 1892, wirft die Kreuzzeitung in einer ihrer letzten ,ütouii&ff auf und sie beantwortet dieselbe indirekt, indem sie, ihrer alten Gewohnheit getreu, Verleumdungen auf Verleumdungen häuft. Nach der Art waschechter Heuchler wendet sie ihre Augen scheinheilig gen Himmel, betheuert ihre Unschuld und versichert, dass sie weder den Auftrag noch die, Absicht habe, ״die in der Oeffcntlichkeit betriebene Agitation der ausschließlich antisemitischen Kreise irgendwie zu fördern"; allein sie sieht sich in ihrer zarten Sorge um das Wolhl des deutschen Volkes genöthigt, an die Negiernng, insbesondere an den Herrn Cultusminister die Frage zu rickten, ob sie eine genaue Kenntnis dessen hätte, was in den jüdischen Religionsschulen und in den jüdischen Katechismen gelehrt werde? Die gute Kreuzzeitung weiß das natürlich ganz genau. Genaue Kenner des jüdischen Schriftthums, des Talmuds und der rabbinischen Littcratur — unter ihnen der als Fälscher Und Lügner mehrsach entlarvte Prager Rohling — haben ihr Alles verrathen. Zunächst weiß die Kreuzztg., dass ״das heilt!ge Indent bum mit dem alteti Testament fast gar nichts mehr zu thun hat", dass die Schriften des Alten Bundes für daS jüdische Volk eigentlich nur noch einen geschichtlichen Werth haben. Einzige Quelle für die jüdische Glaribens- und Lebensonschanung ist, nach ihr, das rabbinische Sammelwerk der ״Talmud". Weshalb die Kreuzztg. ihre diesmaligen, gegen eine halbe Million deutscher Staatsbürger gerichteten. niederträchtigen Berlenmdungcn damit beginnt, dass das heutige Judenthum fast nichts mehr mit dem Alten Testament zu thun hat, wird aus Folgendem unwiderleglich klar werden. Um ihren Erbärmlichkeiten eine Rechts- Unterlage zu geben, muß sie erst einfach den heurigen Juden die Verleumdung enlgegenschlendern, dass für sie die Quelle der Glaubens- und Lebensanschauung nicht mehr in dem Alten Testament sprudle. Denn in diesen! Alten Testamente steht ja geschrieben und zwar im dritten Buche Dosis, Kapitel 19, Vers 18: ״Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst, denn ich bin der Herr!" Das weiß natürlich sogar der Freiherr v. Hammerstem» Alle Fragen würden mit diesem einzigen Hinweise auf die in! Alten Testamente von Gott gebotene Nächstenliebe gegenstandslos geworden sein. Ter Kreuzztg. liegt auch in Wahrheit gar nichts daran, zu wissen, was in den vermeintlichen Katechismen steht, sondern sie will unter der Maske der Heuchelei vor aller- Hand Schären warnen, welche den! deutschen Volke durch die in 'den.׳jüdischen Neligionsschuler! vorgetragenen ״rabbinischen" Lehren drohen. In diesen Neligionsbüchern sollen ״alle nichtjüdischen", also auch die christlichen Gemeinschaften in nicht wiederzugebender Weise beschimpft, die christliche Ehe als thierisches Zusammenleben bezeichnet sein, die geschäftliche Uebervortheilmig von Nichtjuden, der Wucher, die Steuerhinterziehung bedingungsweise als zulässig, die Ablegung eines Falsch- oder Meineides vor ch r i st l i ch e 11 Richtern unter gewissen Umständen als erlaubt erklärt werden. Aus diesem Grunde verlangt die Kreuzztg. dass die Staatsbehörde diese Lehre prüfen möge. Nun, solch einer Prüfung kann das moderne Jueenil um getrost entgegensetzen. So viel Behauptungen in jenen Sätzen der Kreuzztg. angeführt sind, so viele Unwahrheiten enthalten dieselben; Weiß denn die Kreuzztg. nicht, dass die jüdischen Schulen unter staatlicher Aussicht stehen? Dass die Prüfungen der jüdischen Seminaristen vor einem königlichen Commissär abgehalten werden? Ist es denkbar, selbst für Herrn v. Hammersteiu denkbar, dass eine derartige Religionslehre, ein derartiger Katechismus nicht schon längst den Staatebehörden bekannt geworden sein müsste? Liegen denn nicht in allen preußischen Bibliotheken Pslich'eremplare dieser in Preußen gebrückten Bücher ansbewahrt? Und in russischer oder türkischer Sprache werten Lech die israelitischen Religiensscküler!licht unterrichtet, so dass sie sich vielleicht währertd des Unterrichtes fremdländischer Bücher bedienen müssten, die in unseren össenrlichen Büchereien nicht vorhanden sind? Glaubt vielleicht der Herr von Hammerstein, dass sich die israelitischen Neligionslehrer eine Ge- Heimsprache zurechtgestoppelt hätten, um sich mit ihren Zöglingen zu verständigen? Wir trauen Herrn v. Hammerstein sehr Vieles zu, allein dies doch noch nicht.