Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 23 (15.9.1892)
- Date
- 1892-09-15
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22 Mesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. e,־itc 7. versah, unterstützt vom Chore, den gesanglichen Theil der Traunngs fmictioit in ebenso wirkungsvoller als exacter Weise. Den Trauungsact vollzog Herr Rabbiner Dr. Pollak. Wr.-Nenstadt. Anlässlich des am 6. September stattgehabten 700jährigen Jubiläums von Wiener-Neustadt sei daran erinnert, dass sich hier schon vor mehreren Jahrhunderten eine angesehene Judengemeinde befand, aus welcher viele bedeutende Rabbiner Hervorgiengen. Die Vorgefundenen Daten reichen bis ins dreizehnte Jahrhundert zurück. Als die Juden im Jahre 1421 aus Wien vertrieben wurden, diente ihnen Wiener-Neustadt als Zufluchtsstätte, bis sie 1496 in Folge eines Protestes der Wiener und niederösterreichischen Bürger auch von hier auswandern mussten. Donnerstag den 15. d. M. findet die feierliche Einweihung des neuen Tempels mit folgendem Programme statt: Vormittag 10 Uhr Versammlung an der neuen Synagoge. Anspräche des Architecten Herrn Maximilian Kätscher und Uebergabe des Schlüssels an den Präses der Cultusgemeinde. Ansprache des Präses-Stellvertreter Herrn Samuel Neisner. Eröffnung der Synagoge. Präludium. Choral: Na towu. Anzünden des ״ewigenLichtes". Eröffnung der ״heiligen Lade" : Waj’hi binsoa. Abholung der Thorarollen und Umzug unter Abfingung von: ono adonaj. Gesang :Psalm 24. Hineinstellung der Thorarollen: uw’nucho joraar. Lied, vor der Predigt. Weihrede, gehalten vom Herrn Rabbiner Dr. S. Mühsam. Gebet für das Allerhöchste Kaiserhaus. Oester-, . . reichische Volkshymne. Gebet: mis.mor scbir cdanukas vorgetragen י vom Obercantor Herrn Paul Horn. Schlußgesang: adon vlam. Die . : Spitzen sämmtlicher Behörden haben ihr Erscheinen zu diesem Feste . . Zugesagt. ׳: Temesbär. Die. Güttitt des hiesigen Oberraböiners Dr. Mörtz Löwy fuhr jüngst mit ihrem 7 Jahre alten Söhnchen auf der Budapest-Araber Strecke in einem Coups zweiter Classe. Als' ׳ der Zug bereits in die Station Bskss-Csaba einzufahren begann, öffnete , sich plötzlich die Thür des Coups's, und der Knabe, der : daran gelehnt hatte, stürzte vom rollenden Zuge hinab. Mit einem Aufschrei versuchte die Mutter dem Kinde nachzuspringen, doch wurde sie daran von den übrigen Insassen des Coupss gehindert. Die . Frau wollte sich jedoch nicht zurückhalten lassen und es enstand ein förmliches Ringen zwischen ihr und den Coupenachbarn, bis endlich der Zug stehen blieb und der Knabe zur freudigen lieberraschung Aller, insbesondere aber der Mutter, unversehrt vom Bahnkörper herbeigeholt wurde. Außer einigen Hautabschürfungen hat das Kind keinerlei Verletzung davongetragen. Breslau. Der bisherige 2. Cantor an der neuen Synagoge, . Herr M. Manes, hat sein Amt niedergelegt und an seine Stelle ist Herr Cantor Frieöland gewählt worden. — Bei der Festsetzung der Pension für die Wittwe des seligen Cantor Deutsch ist in der Gemeinde ein Aergernis entstanden. Die Wittwe hat nämlich die ihr. vom Vorstande. bewilligte Pension zurückgewiesen, weil ihr dieselbe im Verhältniße zu der 50jährigen Dienstzeit ihres seligen Gatten zu gering erschien. . , - Köln, 2. September. ״In der Nacht vom Sonntag zum Montag haben," so berichtet die ״Köln. Volksztg.", ״ruchlose Hände versucht, die Synagoge in Grevenbroich in die Lust zu sprengen. Am Montag Morgen fand man in derselben ein kurzes Pumpenrohr, mit Pulver gefüllt, vor. An letzterem befand sich am Ende ein Einschnitt, worauf noch ein Theil eines verbrannten Stücks Feuerschwamm lag. Glücklicherweise ist durch die ungeschickte Anfertigung des Rohres keine Explosion entstanden und soniit weiteres Unglück verhütet worden. Auch hat man in derselben Nacht einem jüdischen Einwohner einen schweren Pflasterstein in das Schlafzimmer geschleudert, jedoch ohne weiteren Schaden anzurichten. In Gimdorf brach wiederum an zwei Stellen Feuer aus. Dem israelitischen Handelsmann Stern, dem vor acht Tagen Scheune und Stallung abbranten, zerstörte eine Feuersbrunst das Wohnhaus. Ferner brach in der Scheune des israelitischen Handelsmannes Kaufmann, dem ' vor acht Tagen das Wohnhaus abbrannte, Feuer aus, welches die Scheune und Stallung in Asche legte. Auch in diesen Fällen wird - Brandstiftung vermuthet." Marseille, 5. September. Das Pariser israelitische Comlt 6 hat dem israelitischen Comits in Marseille mitgetheilt, dass es augesichts der durch die sanitäre Lage entstandenen Schwierigkeiten von nun ab nicht mehr möglich sei, Transporte russischer Juden aufzunehmen. — Der Sanitätsrath hat den Präfecten ersucht, an die Regierung mit der Bitte sich zu wenden, diese möge im Wege der in den Hafenstädten des Schwarzen Meeres befindlichen Consu'ln die Dampfergesellschaften benachrichtigen, dass sie nicht mehr berechtigt sind, rusiische Juden in Marseille auszuschiffen. Desgleichen beschloß der Sanitätsrath, Provenienzen aus der Nordsee einer Ouarantaine zu unterziehen. Pom Wchertische. Kalender für Israeliten für das Jahr 5653=1892/3, zugleich Führer durch die Wiener israelitische Cultusgemeinde. Herausgegeben von der österr. israel. Union in Wien. In eleganten! Einbande. Preis 60 kr. Exacte Ausführung des kalendarischen Theiles und übersichtliche Darstellung des sonstigen, ziemlich umfangreichen Inhaltes sind die Vorzüge dieses neuen Unternehmens, das sich hoffentlich bald in den jüdischen Familien einbürgem wird. Jedoch wäre es von Vortheil, wenn statt des ziemlich starken Tagebuches, das bei einem derartigen Kalender unnöthig ist, gleich dem Führer durch die Wiener Cultusgemeinde, das Wichtigste über die übrigen Gemeinden Oesterreich-Ungarns in kurzer Zusammenfassung geboten würde. Die Verbreitung würde durch eine solche Verallgemeinerung jedenfalls gewinnen. Druck und Ausstattung machen der Verlagsfirma Waizner & Sohn alle Ehre. Die Juden in Galizien aus dem Böhmischen in's Deutscheübertragen von Dr. M. Grünwald in JungbunzlaU /(Frankfurt a. M., Verlag von I. Kauffmann). Ein recht interessanter und lehrreicher Beitrag zur jüdischen Culturgeschichte, den wir Unseren Lesern bestens empfehlen können. Schire Ohei Jacob. Obercantor Nosenhaupt tu Nürnberg eröffnet soeben eine Subscription auf den dritten Theil des unter obigem Titel erscheinenden Werkes, welcher den gesammten Werktagsgottesdienst enthält. Es ist besonders anzuerkennen, dass damit einem dringenden Bedürfniße abgeholfeu wird, da, abgesehen von dem bewährten Baer'schcn ״Baal Tefillah", die meisten Synagogen- Werke sich fast ausnahmslos mit dem Sabbath- und Festtagsgottesdienst beschäftigen, als ob an Wochentagen der Gottesdienst nicht ebenfalls erhebend und andachtsvoll abgehalten werden müsste. An die Mitglieder des österreichisch-ungarischen Cantoren-Bereines! Unser College und Vereinsgenosse, Herr Cantor I. Korner in Smichow, ist nach einer uns leider sehr spät zugekommenen Anzeige bereits vor mehreren Wochen gestorben. Im Sinne unserer Statuten ist es nun die Aufgabe des Vereines, den Hinterbliebenen eine möglichst rasche materielle Unterstützung angedeihen zu lassen, und wir ersuchen darum die P. T. Mitglieder den Wittwen-Beitrag per 1 fl. umgehend an den Vereinscasfier einzusenden. Gleichzeitig erlauben wir uns darauf hinzuweisen, dass früher bei ähnlichen Fällen von einzelnen College!! im Kreise ihrer Bekannten Sammlungen mit vielen! Erfolge^eingeleitet wurden. Tie Nachahmung eines solchen Vorganges wäre um so augezeigter, als die Vereinscassa Heuer ohnedies durch einen früheren Todesfall stark in Anspruch genommen wurde. Der Vorstand des österreich.-nngar. Cantoren-Veremeö. Den verehrten Lesern und Mitarbeitern unseres Blattes wünschen wir!*PIß NV'NNI i״DTD.___ Der Feiertage halber erscheint die nächste Nummer am 2. Oktober.