Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 21 (15.8.1892)
- Date
- 1892-08-15
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 21 Oesterreichisch-ungarischo Lantoren-Zeituug. Seite 7. Sundswall (Schweden). Hier organisirte sich in jüngster Zeit eine aus russisch-polnischen Flüchtlingen bestehende jüdische Gemeinde. Der Ort liegt über 82" n. B. und ist diese Gemeinde wohl diejenige, welche dem Nordpol am nächsten liegt. Wir können uns null nicht erklären, wie die Leute es mit ihren Herbstfeiertagen halten wollen, da es hier während mehrerer aufeinanderfolgenden Wochen nicht Nacht wird. Dieselbe Schwierigkeit wird ihnen bei der Chanukafeier erwachsen, da um diese Zeit die Nacht mehrere unserer Tage dauert. Diese Fragen sind nie an unsere Casuisten herangetreten/ da noch nie eine so hoch nach Norden gelegene jüdische Gemeinde existirt hat. (Der ״American Israelit", dem wir diese Mittheilung entnehmen, scheint durch die irrige Annahme, dass Sundswall über den 82" n. B. hinausliege (das wäre der nördliche Punkt der Insel Spitzbergen) zu ganz falschen Schlussfolgerungen gelangt zu sein. Der Ort liegt aber im höchsten Norden des schwedischen Festlandes, also keinesfalls über 72" hinaus, wo die erwähnten Erscheinungen nicht eintreten.) Paris. Die bekannte sozialistische Publizistin Madame Severine hatte eine Audienz beim Papste, in welcher letzterer infolge einer Bemerkung Madame Severine's auf die Frage des Antisemitismus zu sprechen kam. Leo XIII. sagte: ״. . . Jede Gewaltthätigkeit Personen gegenüber steht in: Widerspruche zum Willen Gottes und seinen Lehren." — Also der Religionskrieg? ״Diese beiden Worte haben Nichts mit einander zu thun." — Nun, heiliger Vater, der Rycenkrieg? — ״Welche Racen? Alle stammen von Adam und diesen hat Gdtt geschaffen. Was liegt daran, ob die Individuen verschiedene Gegenden bewohnen, ob sie verschiedener Gesichtsfarbe sind, wenn ihre Seelen gleichen Ursprunges sind! DZerm wir unsere Missionäre zu den Ungläubigen und Wilden schicken, so geschieht dies, weil Alles, was lebt, Schöpfung Gottes ist. Es gibt solche, welche das Glück haben, einen Glauben zu besitzen, und solche, denen ihn zu geben unsere Pflicht ist. Vor dem Herrn sind Alle gleich, dü Alle das Werk seines gemeinsamen Willens sind. . . . Als in Rom noch Ghetto eristirte, durchzogen es׳ unsere Priester in allen Richtungen, sprachen mit den Israeliten, trachteten ihre Bedürfniße kennen zu lernen, pflegten ihre Kranken und bemühten sich, ihnen so viel Vertrauen einzuflößen, um ihre Bibel besprechen und sie bekehren zu können. Und als die Bevölkerung die Juden massacriren wollte, da stellten sich diese unter den Schutz des Papstes , . . und der Papst gewährte ihnen seinen Schutz. Allein, wenn die Kirche auch eine geduldige Mutter mit stets offenen Armen ist, wenn sie jene ausnimmt, die zu ihr kommen und zu ihr zurückkehren, so folgt daraus noch nicht, dass die Unheiligen, die sich zu ihr flüchten, ihre Bevorzugten sind. Sie hegt keinen Groll für diese, sie sind ihr Schmerz, ihre Wunde, aber sie bewahrt ihre Vorliebe für die Getreuen, welche sie trösten und welche ihre frommen und eifrigen Söhne sind." Nelv-Nork. Aus der Conferenz der amerikanischen Rabbiner, zu der 115 dem Fortschritt huldigende Theologen gehören, sind folgende Beschlüsse mitzutheilen: Die Proselytenfrage wurde dahin entschieden, dass alle alten Riten durch neue Formen ersetzt werden. Die Cremationsfrage wurde dahin entschieden, dass es jedem Rabbiner gestattet sei, auf Wunsch der Angehörigen bei der Feuerbestattung den Trauergottesdienst zu verrichten. Ein Comite wurde ernannt, das einheitliche Gebet- und Gesangbuch zu redigiren. Im nächsten Jahre soll der Rabbinercongreß in Chicago tagen, vorher findet noch eine Conferenz in Washington statt. Ueu erschienene Sucher und Mnstlmiien.*) Das Recht und seine Stellung jttr Moral nach talmudifcher Sitten- und Rechtslehre von Dr. S. Schaffer (Verlag: Kauffmann, Frankfurt a/M.). Emek habocho, Grabreden namhafter Prediger und Rabbiner, von I. Gossel (Verlag: Kauffmann, Frankfurt a/M.). Sechzig Toaste für alle festlichen Ereignitze des isracl. Familien- und Vereinslebens vonBened. Hause (Verlag: Kauffmann, Frankfurt a/M.). Frankfurter israel. Volks-Kalender, 10. Jahrgang, Verlag: Kauffmann, Frankfurt a/M. Schluss-Kadifch fürdomim Noroim vonObercantor Rosenhaupt, Nürnberg. Lvhire Okel laavob, III. Theil, Werktagsgottesdienst, traditionelle Melodien und Casualien von Obercantor Rosenhaupt, Nürnberg. 3 Piecen Misod chachomim, Sochrenu l’chajim, meehalkel chajira, Cantorsolo mit Orgelbegsiitung von Cantor B. Klein, Djakovar. Kaddisch-Gebet für Vorbeter und Chor, für sämmtliche Feiertage geeignet, von weil. Obercantor Berggrün, Hannover. *) Die Besprechung obiger Werke -behält sich die Redaetion vor. Diejenigen Herren Abonnenten, welche für das III. Quartal trotz erfolgter Mahnung den ohnehin kleinen Abonnementsbetrag noch nicht beglichen haben, werden dringendst ersucht, dies endlich einmal zu thun. Die Administration. o Prämllrt;Weltausstellung PARIS 1889. J. THEUMANN Fabrik und Häuptdepöt; 1, rtie d’flautetille 51, Sandringliam Road DALSTON. IXTHEBUIW ili älteste bestrennommirte כשד Wurst•* und Selchfleischwaaren-Fabrik Wien, II., Circusgasse 38 empfiehlt ihr Sortiment כש|ף lVurst-, Selchfleisch-Waaren, Ungar, und Veroneser Salami bester Qüaiaät. Vermöge gut ventilirter Trockenkammern, durch Aufstellung der neuesten Maschinen und Kühlapparate ist sie in der Lage, jederzeit frische Waare zu erzeugen, Vorräthe bester und trockenster Salami auf dem Läget zu halten. כשר Fleischextrakt, System Liebig, ist stets am Lager. Aufträge aus der Provinz werden mit Ausnahme der jüdischen Fest- und Feiertage stets prompt effectuirt. * Synagogen-Ornate für inen p k verfertigt billigst und geschmacMlst ausschliesslich I NI. 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