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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-08-01 · Heft 20 (1.8.1892) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 20 (1.8.1892)
Date
1892-08-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 20 Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Seite 7. Mein Gedicht — das spricht: Die Menschen sind voll Frechheit jetzt — wie Hunde, Ihr Wort ist nie von! Doppelsinne frei; Nur Mermuth quillt aus ihres Herzens Grunde. Ob ihre Zunge auch voll Honig sei. — Gleich wie der Säugling saugt mit zartem Munde, So saugen sie an dir mit Heuchelei. — Sie sind Späher, bringen falsche Kunde, Nicht Josua, noch Kaleb ist dabei.') (Schluss folgt.) Kleine Chronik. Wierr. (Baron Hirsch-Stiftung.) Man theilt uns mit, dass der Neichsraths-Abgeordnete und Sections-Chef i. P. Dr. Eduard Ritter v. GniewoSz auf die Stelle, eines Mitgliedes des Präsidiums im Curatorium der Baron Hirsch-Stiftung mittelst eines Schreibens an die Curatoren resignirt und den Seeretär des Kuratoriums ersucht hat, dieses Schreiben beit. Kuratoren bekanntzugeben. Taus. Dem Cantor und Neligionslehrer am k. k. Staats- Obergymnasium in Taus, Herrn A. Stein, ist von der hohen k. k. Statthalterei mittelst Erlass vom 8. Juli 1892 die Defähigung zum Rabbiner in Böhmen zuerkannt worden. Radnitz. Es verdient wohl veröffentlicht zu werden, in welch' freundlicher Beziehung die hiesige israel. Cultusgemeinde zu ihren andersgläubigen Mitbewohnern der hiesigen Stadt steht. Am 10. Juli wurde in der hierortigen Decanatkirche unter dein Patronate des Herrn Grafen Steruberg ein neuer Hauptaltar eingeweiht. Zn dieser Feierlichkeit wurde auch die Cnltusgemeiude geladen. Dankbar hiefur haben sich der gesammte Vorstand, mit Ausnahme des Cultnsvorstehers, des bekannten Philanthropen Herrn W. Pollak,!velcher durch Krankheit verhindert ist, sowie der Neligionsweiser 1'mdCantor Herr G. Gottlieb und zahreiche Gemeindemitglieder tut Festgelvallde eingefunden. Sie wurden vom Herrn Bürgermeister freundlich empfangen und ihnen sowohl beim Umzuge gleich hinter bei*. Geistlichkeit, wie auch in der Kirche die ersten Ehrenplätze angewiesen; bei dem Defils leisteten die hiesigen, sowie die zahlreichen auswärtigen Vereine anch der israel. Deputation die Ehrenbezeugung. Am 17. v.'M. erhielt der Vorstand ein officielles Dankschreiben mit den Unterschriften des DechantS, Bürgermeisters und Vertreters des Herrn Grafen Sternberg in dem Sinne, dass die ganze Bevölkerung durch die zahlreiche Betheiligung erfreut und hiedurch das Fest verschönert wurde. Bei einer Sammlung, welche vor circa einem halben Jahre für die unglücklichen russischen Glaubensbrüder eingeleitet wurde, haben sich sowohl der Stadtrath, wie auch jeder einzelne der Herren Gemeinderäthe und viele Bürger mit namhaften Beiträgen betheiligt, mit dem Zusatze: Ihr Israeliten helft uns ja auch immer, wenn wir was brauchen. TarttöPol. Der greise Oberlehrer an der hiesigen israelitischen Hauptschule, Herr Meier Steinschneider, hat, veranlasst durch den Director dieser Schule, ׳Rabbiner Dr. S. A. Taubeles, sieben Zehntel seines Gesammtvermögens, circa 22.000 fl., zu verschiedenen gemeinnützigen und wohlthätigen Zwecken der Cultusgemeinde Tarnopol in das Eigenthum übergeben. Die Stiftnngsurkunde wurde in der Wohnung des Directors in Gegenwart des Cultnsrathcs, der Spitals- und Tempelverwaltung und dreier Bürger der Stadt als Zeugen durch den k. und k. Notar Dr. Adolph Prominski ausgefertigt. Die Gemeinde sprach dem Stifter Dank und Anerkennung aus. Semlin. Fräulein Eugenie Feld bau er, Tochter des hiesigen Obercantors Jacob Feldbauer, hat sich mit Herrn Leopold Montag aus Zenta verlobt. Hannover, den 1. August 1892. Anlässlich des bevor, stehenden fünfzigjährigen Jubiläums des Synagogen-Chores, hat' Herr Emil Berggrün die letzte Composition seines heimgegangenen Vaters, des Obercantors H e i n r i ch B e r g g r ü n s. A., ') Anspielung aus die Kundschafter. Zu dieser weitschweifig erzählten Fabel bat Berachja den Stoff aus Talmud Bet'achotb 61 b genommen. Vrgl. Fabeln des Söphos XLYI ff. ein ״Kaddisch-Gebet", welches y.'.m Vortrage an s ä m mtliche!1 Feiertagen geignet ist, herausgegeben. Genannte Eompositien fand in hiesiger Gemeinde ganz ungewöhnlichen Beifall und dürfte daher allen Herren Cantoren und zahlreichen Freunden dev so früh emschlafenen Componisten auf's Wärmste empfobleniein. Brrrrzlau. (Zum Prozesse.Buschhof.) Von Interesse dürfte eS sein, wie sich ein angesehener Geistlicher in Leipzig, Pastor Dreydorff, über den Proceß Buschhosf äußert. Drevdorfs sagt: ״Die gottlob überwiegende Mehrzahl der Prediger weiß, dass die sinnlose Verdächtigung, dass die Juden bin und wieder ״Ritualmorde" begehen, keine andere ist, als die, welche im zweiten Jahrhundert gegen die Christen vom heidnischen Pöbel erhoben wurde und nach aller Wahrscheinlichkeit aus dieser entstanden ist. ״Es werde", sagte man damals, ״in den christlichen Versammlungen ein Gericht ausgetragen, dass äußerlich einer Mehlspeise ähnlich sehe, und einer der Neulinge müsse es anschneiden; es sei aber ein mir Mehl bestreutes Kind, welches von den Christen verzehr! werde." (S. Hagenbach Kirchengeschichte L, S. 208). Nicht unberechtigt scheint die Vermuthung des gelehrten Historikers, das.- zu dieser Derdächtigung der ersten Christen ihre mißverstandene Abendmablsseier, insofern darin vom ״Essen des Leibes und vom Trinken des Blutes Jesu" die Rede war, Veranlassung gegeben habe. Aber auf was gründet sich die Verdächtigung der blurscheuen Juden? Augenscheinlich aus nichts; man hat einfach den damals gegen die Cbristeit erhobener! -schweren Vorwurf aus die Juden übertragen. Das begreift sieb zur Zeit des auch sonst rohen Mittelalters, in den׳, er zuerst austauchte. Dass aber heute noch Gelehrte berangezogen werden müssen, um die Inden gegen die sinnlose Verdächtigrlng zu schützen, das ist,!nie de; gaiize Xantener Process, eine Schmach de׳o Jührhultderrs." Köln. (Antisemitische Ereesse.) Man schreibt rer Kolltische:? Zeitnng aus Grevenbroich, 13. Juli: ״Zwischen Donnerstag den 14: und Samstag den 16. d. M. sind zu einer Zeit, die sich bisbe!׳ nicht genauer feststellen ließ, aus dem hiesigen jüdischen FueSlwie verschiedene, erst in letzter Zeit ausgestellte Grabsteine zertrünüucr: worden, so dass nur noch die Stücke nmherliegeu. In der Nach! von Samstag den 16. auf Sonntag den 17. d. M. ist vermittelst eines großen Pflastersteines eine große Spiegelscheibe an dem Haufe eines jüdischen Kaufmannes eingeworfen und gänzlich zertrüminerr worden. Bei einem anderen jüdischen Kausmanne ist in vergangener ׳Nacht ein Stein in ein Fenster des ersten Stockwerkes geworfen worden, in derselben Nacht wurden an der hiesigen Synagoge zwei große Fenster gänzlich zertrümmert. In dem eine halbe Sinude von hier liegenden Orte Gindorf ist gestern Nachts gegen 2 Nbr an dem Hause der jüdischen Witwe Bebr eine eisernes mit irgend einem Sprengstoffe gefüllte Röhre entzündet und dadurch das Eingangsthor zertrümmert worden; man will die Thäter erkannt haben. Die hiesige jüdische Bevölkerung sieht nicht ohne Sorge teil kommenden Tagen entgegegen, zumal da für den nächsten Sonntag in dem wenige Minuten von hier gelegenen Orte Elsen eine antisemitische Versammlung tagen soll. Wenn die Hetze im hioherigen Style weiter geht, darf man sich freilich nicht darüber wundern, dass der Pöbel die antisemitische Weise ans der Theorie in die Praxis überträgt." (Grevenbroich gehört zun! Kreise Düsseldorf, in welchem auch das vielgenannte Xanten liegt.) Washington. Oberst Mullery, ein Gelehrter des Smithsonian-Jnstitutes in Washington, der beste lebende Kenner der Ueberlieferungen, Religionen und Sprachen der amerikanischen Indianer, hat letzthin eine Broschüre veröffentlicht unter dem Titel: ״Israeliten und Indianer". Er zählt darin eine erstaunliche'Menge von Gebräuchen der Rothhäute ans, welche ganz genau mit reuen der alten Inden übereinstimmen. Ein Indianerhäuptling bemerke einmal dem Uebersetzer der Bibel in die Orybway Sprache, W. W. Warren: ״Dieses Buch muß wahr sein, denn unsere Vorfahren haben uns ähnliche Geschichten, eine Generation nach der anderen enählt, zu der Zeit als die Welt noch jnng war." Die nächste Nummer erscheint am t». August. Die RedaeLiorr.

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