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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-07-15 · Heft 19 (15.7.1892) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 19 (15.7.1892)
Date
1892-07-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Cantoren- Zeituni P)rännmerations-Preis. FiirCantore» u.Cultusbeamte in Oesterreich-Ungarn Ganzjährig.fl. 4.— Halbjährig.fl. 2.— FiirCantore» u.Cultnsbeamte im Ansland Ganzjährig.8 Akark oder 4 Rubel. Private und Jnstitnte ,rig . . . . . fl. 6 — für die Interessen der Cantoren und -— -----7 Hledaclion und Administration Cultusbeamten. Wien II. Novaragaffe Nr. 27. Erscheint jeden zehnten Tag. Inserate werden billigst berechnet. Mar.uscripte werden nicht --eODc^,-. retournirt. Begründer: Obercantor Jacob Bauer. Abonnementsu. Insertion»- betrage find in Wien zahlbar. Ur. 19. Mren, IS. Juli 1892. 12. Jahrgang. Gesang und Musrk;ur Jett de» Talmud. Ein-Beitrag zur Geschichte dieser beiden Künste. Von Dr. M. G r ü n w a l d, Rabbiner in Jungbunzlau. IV. Es find nun tausend Jahre her, dass der Geistesriese und Bahnbrecher wissenschaftlicher Erkenntnis im Judenthum, Rabbi Saadja Gaon, das Licht der Welt erblickte,') und es ist daher am Platze auch seiner hier zu gedenken und es rühmend zu erwähnen, dass er den Liedern der heiligen Schrift eine ganz besondere Aufmerksamkeit schenkte. Ist dies bei einem Commentatoi?) der heiligen Schrift, wie Rabbi Saadja Gaaon in ganz hervorragender Weise einer war, nicht auffallend, so dürfte es doch befremden, dass er sogar den Patriarchen Abraham zum Dichter und Sänger stempelt. In den von A. Harkavy veröffentlichten Deschunoth Hageonim (Berlin 1885—1887) richten die Gelehrten: Mar Nechanjah, Sohn des Mar Obadjah, und Mar Moscheh, Sohn des Mar Samuel bar Dschama, an die Nabbinen und deren Jünger aus der Provinz Kabes die Frage, was denn der Gaon Saadjah, unter der ״ שירת אברהםdem Liede Abrahams" verstanden haben mag. Der Text der Frage lautet: M’zino beperusche adonenu Mar Rab Saadja Gaon (nischmosouEden)schehiskir eser schiros, schiras Abraham weschiras habb’eer vvegomer — welo hewannu eiso hi schiras Abraham, jelamdenu adonenu, ma hi. Wir finden in den Erklärungen ((Kommentaren) unseres Herrn, des Meisters Nab Saadja Gaon (dessen Seele im Garten Eden ist), dass er ') Vgl. Pros. W. Bacher's treffliche Arbeit: ״Die Bibelexegese der jüdischen Religionsphilosophie des Mittelalters" von Maimuni und meine Recension dieser Arbeit in Dr. A. Brüll's populär-wissenschaftlichen Monatsblättern, Septemberheft .1892 ׳ נ) Er schrieb seine Eommentare in arabischer Sprache und werden die bisher unveröffentlichten von Derenbonrg (Pater und Sohn), Bacher, Harkavy und Anderen jetzt veröffentlicht- 10 Lieder erwähnt, in erster Reihe das Lied Abrahams, das Lied beim Brunnen (das im Wochenabschnitt Chukkas enthalten ist) u. s. w. und wir wissen nicht, welches Lied dem Abraham zuzuschreiben sei; es belehre uns doch unser Herr, welches Lied dies sein mag? (sd. Harkavy p. 30—31). Es wird hierauf bemerkt, dass wohl in der Möehilthä (ed. Friedmann 34a, Jalkut Schimeoni zum Buche Josua, Eap. 10, Nummer 20) 10 Lieder angeführt werden, oafs von einem Liede Abrahams nichts zu finden sei, und zwar wird daselbst zuerst das Lied in Aegypten erwähnt, zweitens das herrliche Lied am rothen Meere, das Moses den Männern und Mirjam den Frauen angestimmt und maß- und mustergebend für jüdische Liederdichtung ward, da es nicht irdischen Machthabern gilt, deren höchste Macht nur deren Ohnmacht kundthut, sondern gleich mit den Worten beginnt ’שירה לה# (oschiro ladonaj) ״ich will dem Ewigen mein Lied weihen"; das dritte mit den Worten beginnend: ״Damals sang Israel: Steige auf o Brunnen"; das vierte, das große Lehr- und Sinngedicht') ״Vernehmet o Himmel, auf dass ich spreche und es höre die Erde die Worte meines Mundes"; das fünfte, welches Josua anstimmt ״Damals sang Josua dem Ewigen"; das sechste stimmte Deborah und Barak an, und auch dieses beginnt mit den Worten: ״Anochi la adonaj" ich widme mich Gott, singen und lobpreisen will ich den Gott Israels"; das siebente stimmte David nach langjährigen Kämpfen gegen seinen großen Gegner Saul und die übrigen Feinde la adonaj ״Gott dem Herrn" an; das achte ist das Einweihungslied des Tempels, das König Salomo bei der Einweihung seines Tempels singen ließ?) Das neunte ließ Joschafat und dessen Rathgeber das Volk anstimmen; es waren dies Sänger, die sich dem Ewigen ') Man vergleiche hierüber Dr. H. Steinthal's glänzenden Vortrag: ״Höret Himmel und merk auf Erde", wieder abgedruckt in dessen Buche ״Zu Bibel und Religionsphilosophie", Berlin. Druck und Perlag von Georg Reimer 1890, Seile 78—96. 0 Es ist dies der 30. Psalm im Psalmbuche, der nicht nur in der jüdischen, sondern auch in der christlichen Liturgie bei Einweihung von Gotteshäusern Verwendung sinder,

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