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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-07-01 · Heft 18 (1.7.1892) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 18 (1.7.1892)
Date
1892-07-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Caniorea - Zeitung ■ : Central-Organ für die Interessen der Cantoren und Cnltnsbeamten. Erscheint jeden zehrrtenTag. Begründer: Obercantor lavob Bauer.; Prünninerativns-Preis. oüvKmttoveu u.Vnltusbeamte in Oesterreich-Ungarn Ga!1 jährij!.fl. 4.— Halbjährig.fl- 2 — FiirCantorenu.Cnltnsbeamte im Ansland . Ganzjährig.s Mark || ' oder 4. 9111011־. jj :tih• Pridatr und Jnstitntc!- ivri״ . - . fl. 6 - j! ±d= .-1■י W Medaction unv Administration Wien II. Novaragaffe Nr. 27. Inserate werden billigst berechnet. Mannscripte werden nickt retournirt. ׳Abonnementsu. AnsertioirSj betrage sind in Wien zahlbar.!! 418. Wien» 1. Juli 1892. 12. Jahrgang. rälUimerLtioiiS-Hinlaömrg. Inden: wir am Beginne des III. Quartals die geehrten Herren Abonnenten zur Erneuerung des Abonnements aus die . ״-KestermchW'Ungarische Hautoren-Seiiimg" ergebenste einladenersuchen wir mn pünktliche Linkendun>z des pränu.Merations-BeU-ag'es. ——!Vir hoffen/ dass - jeder Lollege in den llächsten Tagen seine Pflicht d e nr H a ch b l a t t e g e g e n ü b er erfüllen wird. Die Administration der Österreich.-nngar. Lantoren-Zeitu::g. Die Traditionen der Wiener Cnltns gemeinde. Als Prediger Dr. Jellinek anlässlich seiner 70. Geburtstagsfeier int Festsaale der israelitischen Cultusgemeinde die Glückwünsche des Vorstandes entgegennähm, da wies der geistreiche Jubilar, der mit jugendlicher Frische für jede Ansprache eine treffende Antwort bereit hatte, aus die die Saalwände zierenden Bildniße der dahingeschiedenen Gemeindevertreter und legte es nnt warmen Worten den versammelten Gratulanten ans He:-z, irn Sinne und tut Geiste dieser hochverdienten Männer fortzuwirken, ihre edlen und erhabene:: Traditionen zu hegen und zu pflegen, und auf diese Weise in den Nuhmeskranz der altehrwürdigen Gerneinde immer neue Blatter zu flechten. In diesem erhebenden Momente zog die Geschichte der Wiener CultnSgemeinde, deren zahlreiche edle Jnstitutionen mit so vielen ruhmvollen Namen innig verknüpft sind, an unserem geistigen Auge vorüber und wir konnten uns des Eindruckes nicht erwehren, dass die inerkwürdige Entgegnung Dr. Jellinek's nicht als durch den Zufall der augenblicklichen Eingebung gesprochene Worte, sondern als ein aus tiefster Ueberzeugung dringender Mahnruf erklang. Von diesem Jdeengange geleitet, drängte sich uus umvillkürlich die Frage auf: Wie, steht denn die Wiener Cultusgemeinde nicht mehr auf der Höhe der Zeit? Sind ihre Führer und Leiter den erhabenen Traditionen ihrer Vorgänger untren geworden? Wir erwogen hin und her, wir verglichen Gegenwart und Vergangenheit und kamen leider zu dem Schlüsse, dass , durch die maßgebenden Kreise der Wiener Cultusgemeinde ein Zug der Kleinlichkeit und Engherzigkeit weht, der wahrhaftig mit. der'Ebre und dem Ansehen der ersten und größten Gemeinde des JuWthumS nicht übereinstimmt. ד' "Diele Monate sind seit jenem Tage verflossen, doch׳ sie damals gewonnene Ueberzeugung konnten wir nicht los werden, ja vielmehr wir wurden durch verschiedene Ereigniße und besonders durch einen Vorfall aus jüngster Zeit immer von Neuem in derselben bestärkt. Durch einin Beschluss des Bethausvorstanves wurden kürzlich mehrere Chorsänger der Tempelquartette, die sämmtliche eine 30-bis 40jährige Dienstzeit hinter sich haben, ihres Amtes enthoben, mit dem Bedeuten, dass der Bethausvorstand für sie vom 1. Jänner 18S3 ab einen Gnadcngehalt (! ) oder eine anderweitige Verwendung beim Cultus- Vorstande beantragen werde. Die Betroffenen stehen, trotz ihrer langjährigen SangeSthätigkeit in: kräftigsten Mannesalter, einige sind noch Mitglieder des Hofopernchores, und wenn auch ihre Stimmen an Glanz und Kraft natürlicherweise etwas verloren haben, so sind sie dennoch immer noch fähig, den Grundstock des Chores zu bilden, nnt den sich jüngere Kräfte gruppiren kennen. Die Nesidenz besitzt, nainentlich in den größeren Kirchen, viele ausgezeichnete Chöre, doch nirgends kommt es vor, dass man die älteren Kräfte vor die Thüre setzt, wenn sie nicht selbst zurücktreten, oder die Natur ihrer Wirksamkeit ein Ende bereitet. Und überhaupt was den jüdischen Cultus betrifft, sind wir der Ansicht, dass die Synagogen der Wiener Cultusgemeinde keine Durchzugsstalion für angehende Opern sänger sind, und dass eine gewisse Stabilität der Weihe und Würde des Gottesdienstes nur zuträglich sein kann. Wenn sonnt von: künstlerischen Standpunkte die Maßregel des Bethausvorstandes nicht gerechtfertigt werden kann, so ist sie vom Standpunkte der Menschlichkeit und Billigkeit umsomehr zu verurtheilen. Die Quartettsänger sind wohl nicht definitiv angestellte Beamte, aber durch ihre langjährige, erprobte Dienstesleistung haben sie sich das Recht erworben, wie Beamte behandelt zu werden. Sie

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