Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 17 (21.6.1892)
- Date
- 1892-06-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Pränumerations-Preis. FiirCantoren ».Cultnsbeamte in Oesterreich-Ungarn Ganzjährig.fl. 4 — Halbjährig.fl. 2.— FiirCantoren ».Cultnsbeamte im Ausland Ganzjährig . . ... 8 Mar! oder 4 Rubel Für Private und Institute Gann'ährig . . . . . fl. 6 — Gantoran - Zeitung. Central-Organ für die Interessen der Cantoren und Cultusbeamten. Erscheint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercäntor Jacob Bauer. Hledaclion und Administration Wien II. Novaragnffe Nr. 27. Inserate werden billigst berechne. Mam'scripte werden nicht retournirt. Abonnementsu. Jnsertionsbetrüge find in Wie» zahlbar. 17. Mir«. 21. Juni 1892. 12. Jatzegamg^. HränMörationK»MinkaöMg. Indem wir am Beginne des III. Quartals die geehrten Herren Abonnenten zur Erneuerung des Abonnements auf die ״-Asstörmchifch-utigarischs HMore«.Keii»«g" ergebenst einladen, ersuchen wir um pünktliche Einsendung des Pränumerations-Betrages. -Tl)ir Höffen, dass jeder Lollege in den nächsten Tagen seine Aflicht dem ^achblatte gegenüber^erfüllen wird. Die Administration der Österreich.-ungar. Läntoten-Zeitung. Wien, SO. I«ni. Es wird so oft von den. Gegnem des Cantorenthums den Trägem dieses ehrsamen Standes der Vorwurf gemacht, dass sie sich in Ausübung ihres Amtes von gewissen künstlerischen Allüren nicht lossagen können und durch dieses Gebühren, welches mit ihrem Bemfe als ״Diener Gottes" nicht im Einklänge steht, die der Andacht geweihte Stätte profanisiren. Im Allgemeinen ist dieser Vorwurf vollkommen ungerechtfertigt und wird am wirksamsten durch die Thatsache entkräftet, dass die jüdischen Cantoren, die doch unleugbar einen ״Hervorragengen Antheil an der Schöpfung und Organisirung des modemen Gottesdienstes genommen, niemals den Boden der Tradition verlassen und mit aller Kraft sich gegen jene Neuerungen gewehrt haben, die dem jüdischen Geiste widersprechend, von sogenannter geistlicher Seite, in Nachahmung des katholischen oder protestantischen Cultus in der Synagoge eingeführt wurden. Durch dieses Streben haben sich die Cantoren jederzeit ihrer hohen Aufgabe und der Heiligkeit ihres Berufes bewusst gezeigt und in der größten Mehrzahl auch diesem Bewusstsein in ihren Functionen Ausdruck geliehen. Wohl mag es einige, namentlich jüngere Amtsgenossen geben, die in Ermanglung einer specifisch jüdischen Lehrstätte ihre mufikalische Ausbildung mit zukünftigen Bühnenkünstlern gemeinschaftlich genossen haben und die Spuren dieses Verkehrs eine Zeit' lang noch mit sich schleppen, demgemäß j>on dem Ernste ihres Amtes noch nicht genügend durchdrungen find; was find aber diese sporadisch auftretenden Fälle gegen die Wunden, welche dem Gottesdienste und dem Cantorate von den Gemeinden selbst durch das Hineinziehen weltlich-künstlerischer Elemente in die Synagoge geschlagen werden? ׳ £ Blicken wir auf die Metropole Ungarns. Zn der großen ׳ Synagoge daselbst werden an Sabbath- und Festtagen wichttge, nur dem Cantor zukommende Gebetstücke von der Orgelgallerie herab durch einen Opemsänger vorgetragen. Er ist wohl Jude und ein ausgezeichneter Sänger, die Tempelbesucher sind ihm für den gebotenen Ohrenschmaus dankbar, aber die Andacht wird durch diesen Mißbrauch nicht gefördert und der Gottesdienst geradezu zum Concertsaal herabgewürdigt. Noch sind uns die bitteren Worte in Erinnerung, mit welchen der selige Professor Friedmann sich über diese Verkürzung seiner Functtonen beklagte. Dem Manne, der um die Budapester Cuttusgemeinde hervorragende Verdienste sich erworben, ist dadurch viel Herzleid und Kränkung zugefügt worden. Und was war die Folge dieser Verwöhnung des Tempel- Publikums durch musikalische Genüsse? Als Friedmann zurücktrat, hätte nicht viel gefehlt, dass ein Chorsänger der Budapester Oper, dem dessen Vorleben und der Mangel fachlicher Kenntniße den Eintritt in diese bedeutsame cantorale Sphäre geradezu versagen musste, als Nachfolger Friedmanns bestimmt worden wäre; einzig und allein weil er eine schöne Stimme hatte. Zum Glücke gelangten maßgebende Kreise schließlich zur Einsicht, dass die erste Gemeinde Ungams zu solchen Experimenten denn doch zu gut sei. Doch dieser Fall steht nicht vereinzelt da. In einer der ältesten und bedeutsamsten Gemeinden Deutschlands wurde jüngst ein Concurs ausgeschrieben. Der verstorbene Cantor war eine Zierde und Leuchte seines Standes, ein schöpferischer Geist auf dem Gebiete des Synagogengesanges, ein Lehrer und Bildner zahlreicher Schüler. Und wer wurde sein Nachfolger? — Ein Opernsänger!