Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 15 (1.6.1892)
- Date
- 1892-06-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15 Mesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitunz. Seite 7. Kleine Chronik. Wien. Sonntag den 29. Mai fand im türkischen Tempel zum ersten Male eine Mädchen-Confirmation statt, welcher außer dem Vorstande zahlreiche Gemeindemitglieder und Damen anwohnten. Nach einer. Ansprache des Chacham Papo an die Confirmandinnen, in welcher derselbe die Bedeutung des religiösen Actes erläuterte, brachte der Chor unter Leitung des Dirigenten Löwit eine Hymne in spanischer Sprache zum Bortrag. Die Confirmations-Fragen wurden von Schuldirector Groag und Chacham Alkalay abwechselnd in deutscher und spanischer Sprache gestellt. Zum Schlüsse trug Obercantor Bauer einen Segen gleichfalls in spanischer Sprache vor. Hoffentlich wird dieser schöne Act eine dauernde Institution in der türkischen Gemeinde bleiben uud im nächsten Jahre auch eine größere Theilnahme finden. Wien. In vaticanischen Kreisen verlautet — wie man der ״N. Fr. Pr." berichtet—, ein hoher Kirchenfürst Oesterreich-Ungarns habe jüngst während einer Audienz beim Papste den Wunsch ausgedrückt, es möge von der höchsten kirchlichen Stelle ein Machtwort gegen den Antisemitismus gesprochen werden, dessen Treiben nicht blvs die christliche Moral in ihren Grundsätzen erschüttere, sondern auch das Volk einer seelischen Verrohung zuführe. Der Papst habe diesen Wunsch begreiflich gefunden. Es seien schon verschiedene Versuche gemacht worden, diesem Racenhasse die kirchliche Weihe zu verschaffen; der Heilige Stuhl habe dies aber immer abgelehnt und erklärt, diese wüste Bewegung könne auf keine Schonung rechnen. Es wäre jedoch zu viel Ehre für den Antisemitismus, wenn dessen Genieingefährlichkeit vom Papste selbst verdammt würde. An den Bischöfen sei es, dem Umsichgreifen dieser socialen Pest Einhalt zu gebieten und mit allen Mitteln zu verhindern, dass die Seminarien der Tummelplatz wilder Leidenschaften seien. Krems. Nachgerade scheint es auch in einigen antisemitischen Köpfen allmälig lichter zu werden, und wenn dies nicht auf einmal so rasch geht, so mag der bisherige Grad der Finsternis als Entschuldigung dienen. Das Kremser Antisemitenblatt schreibt in seinem Briefkasten einem Herrn F. L.: ״Es wurde unsererseits nicht behauptet, dass es ein Blutrituale bei den Juden nie gab, und es wurde nicht geleugnet, dass Fälle nach Art von Tisza-Eszlär vorgekommen sind. Die Bemerkung richtete sich sinngemäß nur gegen die förmliche Ausschrotung von Ritualmorden, wie sie regelmäßig ein- bis zweimal im Monat von weiter Ferne her gemeldet werten, von denen aber später kein Sterbenswörtchen mehr verlautet. So schockweise können die Christen denn doch nicht von fanatischen Juden hingemordet werden, ohne dass die heilige Hermandad der Sache nachgeht. Darin liegt der Blödsinn des ״blutigen" Antisemitismus." Tachau. Wir hatten jüngst Gelegenheit, im israelischen Tempel den von! dermaligen Obercantor Herrn Heinrich G r ü n w a l d zusammengestellten und herangebildeten Knabenchor zu hören. Ganz unparteiisch und wahrheitsgemäß gesprochen, gebührt Herrn Grünwald vollste Anerkennung für sein selbstloses Streben und für die nicht geringe Mühe, mit ur,prünglich unmusikalischen Elementen dennoch in relativ kurzem Zeiträume dahin zu gelangen, diesen Chor bei den Functionen Mitwirken und in Action treten lassen zu können. Wenn wir unsere Meinung über die dermalige Leistungsfähigkeit der Knaben abgeben sollen, so lautet selbe dahin, dass vor Allem mit großer Sicherheit, mit fast überall hevortretender Reinheit gesungen wurde und auch volle Beachtung des pp sehr anzuerkennen ist. Was noch fehlt, wird die Zeit und fortgesetztes fleißiges Neben bringen, besonders dann, wenn auch der Herren- und Damenchvr auf jene Stufe der Ausbildung gelangt sein wird, um mit den Knaben gemeinsam einen vollständigen Chor bilden zu können. ' Budapest. Die israelitische Landeskanzlei hat, wie dem ״P. Ll." von maßgebender Stelle mitgetheilt -wird, bereits am 20. April d. I. an den Cultusminister eine Eingabe gerichtet, welche die motivirte Bitte enthält, Se. Excellenz möge bewirken, dass anlässlich des Krönungs-Jubiläums beim a. h. Empfange die Deputation der israelitischen Confession in der Reihe der Confessionen ihre Huldigung darbringen könne. Graf Csaky billigte vollkommmen das Verlangen der Landeskanzlei und übermittelte deren Eingabe mit einer warm gehaltenen befürwortenden Zuschrift vom 27. April d. I. Z. 17.342 dem Ministerpräsidenten, unter dessen Aegide die Landesfeier steht. Demzufolge steht nunmehr allerdings zu erwarten, dass die Abordnung der jüdischen Confession diesmal in der Reihe der ״recipierten Confessionen" Platz erhalten wird. Die vaterländische Judenheit, bemerkt das genannte Blatt, kann es nur mit Freuden begrüßen, wenn gleich der israelitischen Landeskanzlei nun auch die ״Orthodore Durchführungs-Commission" um die Interessen der jüdischen Confession beim Empfange anlässlich des Krönungs-Jnbiläums bemüht ist, weil hiedurch die oft aufgetauchten Gerüchte über Gegensätze, die im Schoße der jüdischen Confession bezüglich der ״Reception" derselben angeblich bestehen, am besten widerlegt erscheinen. Budapest. Cultusminister Csaky hat im Abgeordneten- Hause die ganz bestimmte Erklärung abgegeben, dass die Negierung im Herbste ein Gesetz betreffend die Reeeption der jüdischen Confession einbringen werde. Lemberg. Von dem Chasen Baruch Schorr, der sich hier einer außerordentlichen Beliebtheit erfreute und nunmehr in New- Aork weilt, kam die Nachricht, dass er über Aufforderung des Vorstandes wieder gewillt sei, die Stelle des städtischen Chasen anzunehmen. Breslau, 29. Mai. Von den neun zur engeren Wahl bestimmten Candidaten aus den hiesigen Ober-Cantor-Posten haben bereits drei Probevorträge abgehalten und zwar Herr Ober-Cantor Finkelstein aus Beuthen, Herr Ober-Cantor Bimbaum aus Königsberg und Herr Opernsänger Cerini, der auch am zweiten Tag Sch'wuoth Probevortrag halten wird. Für den nächsten Probevortrag wurde Herr Obercantor Singermann aus Troppau bestimmt, der schon vor zwei Jahren einen Probevortrag abgehalten und damals einstimmig vom Vorstande als zweiter Cantor, keckebungt-- weise Substitut des seligen Deutsch engagirt, von der preußischen Regierung jedoch, da Herr Obercantor Singermann österreichischer Staatsbürger ist, nicht genehmigt wurde. Der hiesige Vorstand will es dennoch mit Herrn Cantor Singermann nochmal versuchen, da derselbe bei seinem ersten Probevortrag Beifall gestinden hat. Hannover, 19. Mai 1892. Heute begieng Herr Bankdirector Rechtsanwalt Dr. Benfey den Tag, an welchem er vor nunmebr 25 Jahren in den Vorstand der hiesigen. Synagogengemeinde eintrat. Deputationen sämmtlicher israelitischer Vereine, sowie der Gemeindeverwaltung begaben sich in die Wohnung des Jubilars, um ihm ihre Glück- und Segenswünsche darzubringen. Seitens einer stattlichen Anzahl hiesiger Gemeindemitglieder wurde ihm ein kostbarer Pokal mit schöner Widmung gespendet. Abends fand ein Festessen zu Ehren des verdienten Vorstehers statt. Möge es ihm vergönnt sein, noch lange Jahre an der Spitze unserer Gemeinde, deren Interessen er stets mit Leib und Seele vertreten, zu wirken, zum Glück, zum Segen und Gedeihen derselben! B. Stellenveränderungen. Herr Obercantor Rodensky aus Kaposvar ist nach beifällig aufgenommenem Probevortrage in gleicher Eigenschaft in Teplitz engagirt worden. — Herr Cantor Kurzweil, früher in Salzburg, wurde von der Cultusgemeinde Böhmisch-Neustadtl, bei Plaß, zum Cantor gewählt. Den geehrten Herren College« unden geschätzten Mitarbeitern unseres Blattes wünschen wir שמחת יום טוב* Die geehrten Herren Abonnenten, welche für das II. Quartal ihre Schuldigkeit dem Fachblatte gegenüber noch nicht erfüllt haben, werden ersucht, dies umgehend zu thun, damit die Ein- Hebung pr. Poftauftrag, die sowohl der Redaetion als den Abonnenten Spesen und Mühe verursacht, unterbleiben kann. Die Administration.