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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-05-21 · Heft 14 (21.5.1892) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 14 (21.5.1892)
Date
1892-05-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Canioren Pränumerations-Prris. FürCantorer» u.Cultusbeamte in Oesterreich-Ungarn Gainjährig.fl 4.— Halbjährig.fl- 2.— FürCantoren u.Cultusbeamte im Ausland Ganzjährig . 8 Mark oder, i Rubel. Fr!.- chribat^ und Institute Gan,jähvitz">.ß. . . . fl. 6 — ■ Vtf ... Central-Organ für die Interessen der Cantoren und Eultusbeamten. Erscheint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercantor Jacob Bauer. Aedaction uiiv Adminiüraliorr Wien II.Novaragaffe Nr. 27. Inserate werden billigst berechne!. Manuscripte werden nicht retournirt. Abonnementsu. Insertionsbetrage sind in Wien zahlbar. Nr. 14. Wien- 21. Mai 1892. 12. Jahrgang. Blasphemie. Von Ignaz Baum, Religionsleiter in Leitomischl. (Schluss.) Aus dem indischen S ch i w a entstanden der persische finstere Ahriman, der einen zwölftausendjährigen Kampf mit den Mächten des Lichtes führt; der egyptische T y p h o n, dieses bösartigste Gebilde menschlicher Phantasie, welches alle himmlischen Wohlthäter des Landes unversöhnlich hasst und verfolgt; die dreigestaltige griechische Hekate an der Nachtseite der Natur, welche die schwarzen Gifte braut; der altgermanische Locke, welcher mit Beistand des Höllen- Wolfes und der Urweltsschlange die guten, edlen Götter aus ihrer lichten, himmlischen Wohnung in die tödtliche Dämmerung stürzt, endlich der spätere christliche Teufel, der Feind und Verderber alles Guten und Freund und Förderer alles Bösen, unter dessen Gesellschaft die von Gott verworfenen Menschen in der feurigen Hölle unsägliche Pein und Schmerzen, ewiges, schauerliches Heulen und Zähneklappem leiden müssen. O, erhabene, reine alttestamentarische Gottheitslehre! Wie unvergleichlich und herrlich strahlend steht sie diesem Allem gegenüber! Jehova (Jhwh) ist der Name dieser Gottheit; es ist dies ein reiner, hoher Begriff, der Gottes ewige Dauer, seine Unveränderlichkeit, seine Erhabenheit und Heiligkeit in den drei Zeiten: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in sich trägt. Er ist das heilge Urbild aller Vollkommenheit, alles Guten und Wahren, das der Vernunft und Religion der Menschheit zu ewigem Vorbilde bienen wird. Schöpfer und Erhalter ist Jehova, Eigenthümer von Himmel und Erde, oder der ״Herr der Welt", und irn strahlenden Gegensätze zu jenen finsteren Zerstörungs- und Vemichtungsgeistern ist er in seiner dritten Machtvollkommenheit Regierer, als welcher er die Welt als Leiter und Lenker beglückt. Dies ist die g ö t t l i ch e Vorsehung. Als Schöpfer steht er uns fern, als Erhalter steht er uns näher, als Regierer ist er unser aller liebender Vater und steht uns am nächsten — in Allem aber ist er der Eine! — In solch' hohem Bewusstsein von dem höchsten Wesen entlastet das Menschenherz sich seines beengenden Dranges und findet Erleichterung; der Beglückte legt die Gefühle seines Dankes nieder und empfindet Beseligung. Das betrübte Gemüth flehet um Erbarmen und findet Erhörung; Leid und Noch empfangen auf ihre Klage Beistand und Tröstung. Unter Thränen findet die Reue Vergebung; verfolgte Menschen und gedrückte Völker empfangen Kraft, Muth, Ausdauer und Hoffnung — denn Jebona, ein Gott waltet, ein Gott lenkt, führet erzieht und richtet die Menschheit in Milde, Liebe und Gerechtigkeit. Seiner Erhabenheit, höchsten Heiligkeit und unendlichen Väterlichen Liebe entsprechend, bildete Gott den Menschen als die Krone seiner Schöpfung gleichsam mit eigener väterlicher Hand, schuf er ihn in seinem Ebenbilde, indem er ihn an dem eigenen Gottesgeiste belebte, um ihn für die höchst mögliche Vervollkommnung fähig zu machen. (I. N. 1., 27—2., 7, 3, 22.) Und indem von dem Meister die ganze übrige Schöpfung unter die Herrschaft des Menschen gestellt wird, (1. N. 1., 26.—9., 2.) ruft der Allvollkommene, Unwandelbare den unter mannigfachen sinnlichen Reizen Wandelnden in väterlicher Fürsorge zu: Strebet heran zu mir, werdet immer besser und vollkommener, im Guten und Edlen stärker, um zur ewig dauemden Seligkeit zu gelangen! (3. M. 19., 2). Dieser liebevolle, fürsorgliche Gott ruft uns im alten Testamente zu: ״Jehova ist der Ewigseiende! allmächtig, barmherzig und gnädig, langmüthig, groß an Huld und Treue, bewahrend Gnade bis ins tausendste Geschlecht, vergebend Sünde; Frevel und Misselhat aber ungestraft lässt er nicht! Er ist bedacht des Verschuldens der Väter um ihrer Kinder willen, ihrer Kindeskinder wegen, umwillen des dritten und vierten Geschlechtes!" (2. M. 34., 6—7.) Das sind jene wichtigen und inhaltsschweren Worte der Offenbarungsurkunde, auf welche die Anklage des alttestamenlarischen ״Rächegottes" sich zu berufen pflegt. Aber wie erhaben klingen diese tiefdeutigen Worte im rechten Lichte unbefangener, natürlicher Auffassung und Darstellung! Gott als fürsorglicher Vater aller seiner Menschenkinder, deren Heil und Gedeihen er wünscht, gedenket der Väter Schuld, um sie durch Strafe zu bessern, auf dass die Kinder

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