Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 12 (1.5.1892)
- Date
- 1892-05-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 Vesterreichisch-ungarische (Lantoren-Zeitung. führen oder Sarah? Hagar hat es viel bequemer, wenn der Cantor in die Häuser schlachten geht. Soll aber ein Cantor mit dem Messer hausieren gehen? Der Tempel Gottes ist viel zu heilig, als dass ich die (Konsequenzen in dieser Richtung aussprechen mochte. Wer Augen hat, der sieht sie. Wer Hagar mehr schätzt als Sarah, der hat das Recht, für sich in Scheinheiligkeit die Augen zu verdrehen, aber nicht für Andere. ״Ich begreife die Juden nicht", sprach anspielend eine hochgebildete Christin, worauf eine Jude ergänzte: ״Und die Juden nicht den Jsaias". d>. J. Mislih. Unser zweiter Cantor, Herr Jacob 5) o l; e r, hat sich mit Fräulein Rosa Schlesinger, Tochter des hiesigen ersten Cantors, Herrn I. L. Schlesingex, verlobt. Troppuu, 16. April. Am 13. d. M. wurde eine sehr zahlreich besuchte Gencrawersammtung der hiesigen Cultusgemeinde abgehalten, in welcher über zwei äußerst wichtige Punkte berathen wurde. Bei Punkt 1 ״Tempelbau-Angelegenheit", wurde beschlossen, die sofortige Concurrenz-Ausschreibung für Tempel- und Schulbau- Pläne zu veranlassen, wofür ein Preis von 600 fl. bewilligt wurde. Unsere au dieser Stelle ausgesprochene Hoffnung, dass unter der Leitung unseres verdienstvollen Präses, des Herrn Dr. Sonnenschein, der Tempelbau recht bald in Angriff genommen werden wird, hat uns also nicht getäuscht. Glück auf! — Der zweite Punkt der Tagesordnung gab Veranlassung zu einer sehr lebhaften Debatte. Es handelte sich nämlich um die Abänderung des § 97 des auf Grund des Gesetzes vom 21. März 1890 neu verfassten Gemeinde-Statuts. Dieser Paragraph lautet wie folgt: ״Ueber Ansuchen von mindestens einem Viertel der beitragenden Mitglieder, hat die Repräsentanz die Errichtung eines Privatbethauses zu genehmigen, welches der Aussicht des Vorstandes untersteht." — Gegen diesen Paragraph sträubten sich die hier wohnenden, der orthodoxen Partei angehörigen Mitglieder; denn der hier eingeführte Gottesdienst entspricht nicht ihren religiösen Anschauungen, weshalb sie sich auch seit einigen Jahren ein Privatbethaus eingerichtet haben. Die Zahl dieser Partei ist jedoch in unserer Gemeinde eine sehr winzige, bei weitem nicht der vierte Th eil der Gemeinde-Mitglieder, so dass sie nicht nach § 97 ein eigenes Bethaus beanspruchen könnten. Es wurde daher der Antrag eingebracht, der § 97 möge dahin abgeändert werden, dass über Antrag von nur 25 Mitgliedern der Vorstand bereits verpflichtet sei, ein Privathaus zu bewilligen." — Dieser Antrag wurde von vielen Seiten, und mit Recht, sehr energisch bekämpft, und auch der Vorstand selbst konnte sich einiger Bedenken hierüber nicht eiltschlagen — und dennoch wurde derselbe zu Gunsten der orthodoxen Partei voll der Generalversammlung genehmigt, lediglich des Friedens willen! Denn durch diesen Beschluß ist der Frieden in unserer Gemeinde für die Zukunft gesichert worden. — n. Frankfurt a. M. Aus Buenos-Aires schreibt ein Mitarbeiter der ״Köln. Ztg.". welcher die argentinischen ״Juden- Kolonien" des Baron Hirsch besucht hat, dass Mosesville sich in Hellem Aufruhr befunden habe, so dass der zeitweilige Verwalter, ein rumänischer Jude, sich veranlasst sah, die Hülfe der Polizei in Anspruch zu nehmen und sich selbst in Sicherheit zu bringen. Die Polizei soll schlimm gehaust und einige Juden verwundet oder getobtet haben. Schließlich scheinen die Juden oder deren italienische Nachbarn einen Polizisten gelyncht zu haben. Von Buenos-Aires gelangt man in 16stündiger Eisenbahnfahrt über Rosario hinaus zu einer Station Namens Palacios. Dort hatten sich schon, ehe Baron Hirsch zu kolonisiren begann, gegen 800 Juden auf eigene Fällst niedergelassen, und zwar auf dem Gebiete des argentinischen Großgrundbesitzers Dr. Palacios. Die Leute waren kostenfrei von der argentillischeil 'Regierung dorthin befördert worden, waren dann aber in Noch gerathell rmd hatten die Unterstützung des Baron Hirsch in Anspruch genommen. Als nun im November 1890 eine Kommission des Baron Hirsch, bestehend ans den Herren Cullen (Engländer), Oberst van Vinkeroy (Vlamländer) und Löwenthal (Deutscher), in Argentinien eintraf, wurde zunächst die einen Theil des Gebietes von Palacios einnehmende Kolonie Mosesville noch weiter unterstützt und dann vor vier Monaten angekauft. Auf Seite 7. anderweitigem, in rer Nabe angekauftem Lance grüncete man sie Kolonie Aaronville, die mit unzufriedeneli Jllden bevölkert wurde, welche voll Mosesville nach dein Städtchen Suncka les gewandert wareil. Herr Löwenthal knüpfte Verhandlungeil wegen LandkauseS an, ohne aber zunächst handelseinig werden zu können. Als nun plötzlich eine große Zahl neu einwandernter Juden eintraf, erstand er schnell in der Provinz Buenvs-Ayres, Departeinem Neuve de Julio, eine Estanica, die nach dem Vornamen des Baron Hirsck Mauricio benannt wurde, auf der aber nocb keine Häuser standell und auch nichts zur Ausnahme der Kolonisteil vorbereitet war. Es mögen insgesainmt bisher aus eigene Rechnung 800 Jllden nach Argentinien eingewandert, 4000 von Baron Hirsch geschickt worden und 1000 aus Brasilien nach ׳Argentinien gezogen sein. Viele wurden nach Europa zurückgeschickt. Zur Zeit mögen sich in Mosesville gegen 1500 und in Mauricio gegen 1800 jüdische Einwanderer befinden. Außerdein lagern, da man über weitere Landkäuse noch!licht handelseinig werden konnte, in eiiier Baracke zll Mar del Sud (bei dem großen argentinischen Seebade Mar del Plara) gegen 800 Juden. Neuerdings soll an zwei Stellen in Entre Rios Land angetauft worden sein. Auch ist in geringer Eiltserilling nörolich von Palacio eine neue Judenkolonie ׳Nainens Moiligotes enlstarlden. Herr Löwenthal wurde inzwischen durch einen Herrn Roth ersetzt, Oberst van Vinkeroy reiste fort, und neuerdings hat auch der bei den Kolonisten sehr beliebte Engländer Cullen seinen Abschied genommen. Statt ihrer wurde Oberst Goldsmid erwartet. iiMkationen -es Ssterr.-MM. Aa«toren-Kereines. Bei der am 21. April stattgehabten Borstandwahl sind nachstehende Functionäre gewählt worden: Präses: Josef Singer. 1. Präses-Stellvertreter: Jacob Bauer. 2. Präses-Stellvertreter: Max Peterselka. Cassier: Moritz Blatt. Schriftführer: Jsak Schiller. Controlore: Adolf :)Lotter. Moritz Schlesinger. Beiräthe: Carl Grünfeld. Salamvn Hirsch. Adolf Kornitzer. David L. Rotier. Sämmtliche Herren haben ihre Mandate angenommen und bereits an der constituirenden Vorstandssitzung vom 27. April theilgenommen. Laut Vorstandsbeschluss vom 27. April ist das Ansuchen des berufsunfähig gewordenen Vereinsmitgliedes Joachim Popper in Kohljanowitz, um Gewährung eines Jnvaliditätsbeitrages, bewilligt worden, und es werden demgemäß die P. T. Mitglieder im Sinne des § 14 der Vereinsstatuten aufgesordert, den Pflichtbeitrag per 1 fl. ö W. an den Vereinscassier, Herrn Cantor Moritz Blatt, II., Tempelgasse 3, baldigst einzusenden. Die Veröffentlichung der im heurigen Jahre eingezahlten Beiträge erfolgt in nächster 'Nummer der österr.-ungar. Cantoren- Zeitung. Wien, am 28. April 1892. Der Vorstand des österreich.-ungar. Cantoreu-Vereines. Aviso. Die geehrten Herren Abonnenten werden neuerdings ersucht, den Abonnementsbetrag für das II. Quartal umgehend einzufenden. Die Ad mini stration.