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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-05-01 · Heft 12 (1.5.1892) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 12 (1.5.1892)
Date
1892-05-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Qesterreichisch-ungarische Canioren - Zeitung. I Pränumerations-Preis. FürCautorerlu.Cultusbeamte in Oesterreich-Ungarn Ganzjährig.fl 4.— Halbjährig.fl- 2.— FnrCantorenu.Cultusbeamte im Ausland j Ganzjährig . . . - . 8 Mark oder 4 Rubel. Für Private und Institute Ganzjährig.fl. 6.— Central-Organ für die Interessen der Cantoren und Cultusbeamten. Erscheint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercantor laeob Bauer. Wedaction UttO Administration Wien II. Nrwaragkljse Nr. 27. Inserate werden billigst brrechnek. Manuscripte werden nicht retournirt. Abonnements- «. JnsertionSbetrüge find in Wien zahlbar. Men, 1. Mai 1892. 12. Jahrgang.?tr.;12. Inr Klärung der Frage der tradittonrllen Tonarten. XXIV. (Fortsetzung.) Und WLM factisch die Orgel eine so nothwsndlge Institution in Israel geworden ist, dass sie mit dem-Chasen bereits in einem Range steht und für Manche vielleicht noch unentbehrlicher ist als er, warum sorgen wir nicht dafür, eigene, aus unserm Volke selbst hervorgehende tüchtige Organisten zu erhalten, damit wir in unserem Gottesdienste selbstständig und nicht auf Leute anderer Confessionen angewiesen seien, die ihn zu leiten und somit unsere ״Scholiafch Zibbur" zu macheli hätten! Ist es nicht tief beschämend für uns, dass ein liberaler Nedacteur einen Juden deshalb entlässt und aus der Nedaction entfernt, weil seine Zeitung sich auch mit kirchlichen Dingen zu beschäftigen hat; und wir, wir machen Christen gar zu den vornehmsten Führern unseres Gottesdienstes und beschäftigen sie in hervorragendster Weise in unserer Kirche selbst? Dazu gehört wahrlich entweder zu viel Selbstverleugnung, oder zu wenig — Selbstachtung! Allein, genug davon! Es sind traurige, trostlose Bilder, die uns auf Schritt und Tritt hier entgegen kommen, und wo rvir uns hinwenden, erblicken wir nur hässliche, fratzenhafte Gestalten. Nur möchten wir zum Schlüsse unsere Collegen wamen, den Orgelenthusiasmus ein wenig zu dämpfen und in ihrer Bewunderung nicht so sehr zu entbrennen, denn es könnte uns so gehen, wie unseren frühern christlichen Collegen, die nach dem Aufkommen der Orgel aufgehört haben zu eristiren. Wie es in der Kirche nur noch Organisten gibt, ebenso könnten wir es erleben, dass ein christlicher Organist unsere Stelle ausfüllt und wir dadurch vollständig entbehrlich würden. Und in der That, wozu braucht man noch bei der Orgel einen Cantor, der neben ihr ein fünftes Rad am Wagen ist? Also fort mit ihm! Die Reform wird ihm fürwahr keine Thräne nachweinen. Er steht ihr so schon lange hindernd im Wege und man weiß nicht recht, was mit ihm anzufangen; also fort mit ihm! Der Rabbiner, die Orgel und der Organist können seinen Platz ganz ausfüllen. Aber das wird ihnen nicht gelingen, denn eine Autorität, wie Meyerbeer ist auf unsere Seite getreten, der die Orgelfrage definitiv entschieden und dadurch auch alle Reformanschläge zu Schanden gemacht. Und dies alles haben wir unserm erhabenen Dichter L. A. Frankl zu verdanken, der die goldenen Worte des großen Tondichters wie theure Kleinodien im tiefen Herzen aufbewahrte und zur rechten, geeigneten Stunde, um den Verewigten damit zu ehren, treulich der Geschichte überantwortete. Gott segne diesen edlen Greis dafür und erhalte ihn uns noch lange Jahre zur Ehre und Zierde des Judenthums und zur Vermehrung und Bereicherung der echt jüdischen Poesie, die er in wahrhaft orientalische Pracht zu kleiden weiß. Dagegen aber halten wir fest zu unserem allverehrten, seligen Altmeister Sulzer und weisen den gegen ihn erhobenen Vorwurf der ״Veroperung" energisch zurück. Sulzer hat uns mit seiner Compositions- und Recitationsweise den rechten Weg angebahnt, den wir weiter zu verfolgen und aufzubauen haben. Er hat das Cantorthum zu einem wirklichen Kunstfache erhoben und die Cantoren zu Künstlem gemacht. Allein, wir Cantoren haben allerwärts Hasser und Neider, und Alles steht bereit da, um jeden Zug des Ausrichtens und Er- Hebens in uns im Keime zu ersticken. Wie ist's denn im Leben? Kaum wird der Vorsteher gewahr, dass wir unser Rößlein strammer anziehen und mit unserer Stiinme einen höheren Flug wagen, so ist er gleich mit der Mahnung an der Stelle: ״Machen Sie schnell weg, der ״Aulem״ will nicht so viel gesungen haben." Nimmt der Rabbiner wahr, dass auch wir für unsere Thätigkeit eine gewisse Zeit beanspruchen und dass wir überhaupt unser Amt neben dem seinigen für etwas schätzen, so ist es mit unserer Gunst bei ihm vorbei und unser Singen ist ihm dann ein Dorn im Auge. Jeder hält sich für fähig, uns ״guten Rath" zu erlheilen und sich als unfern Protector aufzuspielen, und jeder glaubt sich für würdig und befähigt genug, uns in unserer Function zu ersetzen und zu vertreten. So möchte uns jeder auf dem tiefsten Niveau unseres Faches sehen, und so wir uns zu erheben suchen

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