Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 11 (15.4.1892)
- Date
- 1892-04-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Canioren - Zeitung Central-Organ für die Interessen der Canioren und Cnltusbeamten. Erscheint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercantor Jacob Bauer. 1?rKnumeratwns-Dreis. FürCantoren u.CultuSbeamte in Oesterreich-Ungarn Ganzjährig.fl 4.— Halbjährig.fl 2.— FürCantoren u.Cultnsbeamte im Ausland Ganzjährig . 8 Mark oder 4 Rubel. Für Private »nd Institute Ganzjährig.fl. 6 — Aedactiorr und Administration Wien II. Nrwaragasse Nr. 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. Abonnementsu. Jnsertionsbetrüge find in Wie» zahlbar. VC / Wien, 15. April 1892. 12. Jahrgang. InrAMrimg der Frage der tradr- Nonellen Tonarten. XXIV. (Fortsetzung.) .. .Im Traktat Erchin 10 b befindet sich folgende merkwürdige Stelle: ׳׳׳Irr .הרדולים לא■היד, במקדש מאי הרדולים'' אמר טבלא גרגדנא ׳ Dasein liest anstatt הרדוולים , הרדולים י, (wahrscheinlich ist auch das ירי vor dem ד irrthümlich versetzt worden und wird das Wort הדרולים daher heißen). Für פזבלא גורגדנא יי liest der ,,Omch••׳טבלאגורגנא׳ ׳ das Burtorf mit ״Tabula orgaiuka״ übersetzt, ')lach Feststellung der richtigen Leseart wird der Siuu folgender sein: ״Die Hydraulos war im ■ heiligen Tempel nicht. Was ist Hydraulos? Abaie sagt: das ist ein Orgel-Instrument". Als Ursache, warum dieses Instrument (die Wasserorgel) im Tempel gefehlt haben sollte, gibt der babylonische Talmud diese an, indem er sagt: מפל שקולו ערב ומערבב את .הנעימד! Der jerusalemitische Talmud hingegen gibt folgende, noch triftigere Ursache dafür an und sagt: מבני שהוא מורת ומערב את הנעימה Die erste Stelle charakterisirt das Wesen der Orgel durch eine feine Paronomasie, durch ein Wortspiel, welches der Hebräer mit לשון טפל על לשק trefflich bezeichnet, und wird im Deutschen folgend lauten: ״Weil der Orgelklang wohl angenehm und berauschend ist, überrauscht und übertönt er auch den Gesang". Die zweite angeführte Stelle sagt einfach und mit klaren Worten: ״Weil sie teil Gesang schleppend und schwerfällig macht". Dass diese beiden Citate je eine andere Ursache angeben und sich zu widersprechen scheinen, das hat nichts auf sich, denn man findet oft solche verschiedene Stellen im Talmud, die sich nicht widersprechen, sondern nur ergänzen, wie es so oft heißt: ״Nar omar cliudo, umar omar cliodo welo pligu“. Und nun, werthester Herr Professor! passen diese bedeutsamen talmudischen Urtheile nicht auch auf unsere heutige Windorgel und kann man dieselben gewichtigen Gründe nicht auch hier vollkommen geltend niachen? Trotz der vielfachen Verbesserungen der Orgel in den letzten Jahrhunderten ist ihr Ton noch immer starr und unbiegsam geblieben, so dass diese ihre Eigenthümlichkeir sie entweder aus die Entfaltung in lang gehaltenen Akkorden, oder auf die Figuralformen beschränkt. Der erste Grund ist heute insofern noch stichhältiger als damals, da doch der Orgelton jetzt gewiss noch viel größer und mächtiger ist und die Gesangstimmen daher noch mehr erdrückt und sie noch weniger zur Geltung kommen lässt, als dies zu jener Zrik der Fall war. Wo nun die Orgel .in Wirklichkeit .Gesang, unterstützend austritt, das ist bei den homophonen Chorälen im Gemeindegesange, um die nicht Taktfesten im Geleise zu erhalten, und dann, wo auch Orchesterbegleitung hinzukommt, uni die Chorstimmen zu verstärken und sie nicht als schwächeren Theil dem Orchester unterliegen zu lassen. Und das ist ja auch meistens der Grund, warum die Orgel oftmals auch im Opernchor mitwirkt, damit er eben durch das volle Orchester nicht gedämpft und verdunkelt erscheine. Dagegen aber haben wir die sprechendsten Beweise daselbst in der christlichen Kirche, wo große, geschulte Chöre in Activität treten, die Orgel dann bescheiden schweigen muß, u. zw. eben darum, weil sie hier mehr verdirbt, als sie sonst gut machen kann. Wenn wir auch den Punkt vom Dürfen zu erörtern uns hier nicht zur 'Aufgabe gestellt haben, da wir diese Frage nur vom praktisch-musikalischen Standpunkte beurtheilen wollen, die religiöshalachische Entscheidung darüber aber den kundigen Casuisten überlassen, wollen wir dennoch die immer wiedergekaute Frage beant- Worten, nämlich: ״Im Tempel hatte man ja auch Instrumente und sogar eine Art Orgel (die ״Magrepha"), warum sollen wir nun in der Synagoge denn nicht ebenfalls die Orgel haben dürfen?" Wir verweisen hiebei auf das, was der berühnite hebräische Stylist und Satyriker, Herr Wolfs Schur, in seiner ausgezeichnet redigirten Zeitschrift ״HapiSgo" (Baltimore) über Frauengesang in der Synagoge äußert, und wollen zum Ergötzen unserer Leser auch den der diesbezüglichen Abhandlung vorausgeschickten Dialog zwischen ״Reb Gimpel" und ״Reb TodreS" noch hinzusügen. R eb Gimpel: ״Schote! Weißt Du denn nicht, dass man in den Neformtempel nicht mit dem ״Talis", sondem mit dem Cigarrenstengel im Munde geht? Weißt Du denn auch nicht, dass