Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 9 (21.3.1892)
- Date
- 1892-03-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Oesterreichisch-ungarische Cantoren - Zeitung i| Pränumkrritions Prrio.!!!: j|;1 Kur ßantoreu und tzuktuSSermte!! in Kcllerreich-Itngaru Ganzjährig.fl. 4 — :: Halbjährig.fl. 2.— | Kür ßanloren und Lultusßeamte im Anstand Ganzjährig.S Mark ober 4 Rubel. j J Kür private und Institute > Ganzjährig.•.fl. 6.—! Oezitral-Org^a״^ für die Interessen der Cantoren und Cultusbeamten. Erscheint jeden zehnten Tag. -— Begründer: Obercantor Jacob Bauor. Htedactio« I und I Administration Viru II. Novaragaffe Nr. 27. j 1 -׳ Inserate I werden billigst berechnet.! Manuskripte werden nicht! retournirt.!1 AbonnrmentS- und Jnsertiani.beij träge sind in Men zahlbar. i Ur. 9 i e n, 21. März 1892. 12. Jahrgang. PrZnumeralions-Einta-ung. Indem wir am Beginne des II. Quartals die geehrten Herren Abonnenten zur Erneuerung des Abonnements auf die ״ Geste rreichisch-ungarische Kantoren-Zeitung" ergebenst einladen, ersuchen wir um pünktliche Einsendung des ^)ränumerations-Belrages. N)ir hoffen, dass jeder College in den nächsten Tagen seine Pflicht dem Fach blatte gegenüber erfüllen wird. Die Administration. Zur Klärung -erFrsge -er tra-itisneUen Tsnarten. XXIV. (Fortsetzung.) Die O r g e l f r a g e, die wir in Folgendem zur Sprache bringen, liegt so verworren und unklar da, dass kaum zwei Leute von verschiedenartiger. Bildung und gesellschaftlicher Stellung einen gleichen Begriff von derselben haben. Der Landjude bewundert in der Orgel die Krastleistung der ״Stadt", in welcher wahre Weltwunder und Sehenswürdigkeiten zu schauen sind, wozu natürlich auch die prächtige Synagoge mit ihrer kostbaren Orgel gehört, und meint daher, wenn er einmal die Orgel zu hören bekam und die neuen, dazu angepassten gottesdienstlichen Einrichtungen mit offenem Munde angegafft hat: ״N’schome! Die Orgel ist eppes Schönes — die Stadt ist doch eine Stadt!" Der Städter dagegen betrachtet sie als ein Prachtstück, womit er Fremden gegenüber Staat machen kann, und hauptsächlich als einen Ohrenschmaus, dazu angethan, ihm in der Synagoge angenehme Unterhaltung, zu verschaffen. Der Ungebildete sieht in ihr einen Deckmantel, um mit ihr unsere ״Schul"-Untugenden zu verbergen und zu verhüllen und dazu auch noch den anderen CoNfessionen zu zeigen, wie weit wir in der allgemeinen Bildung schon vorgeschritten und dass wir uns keineswegs vor ihnen mehr zu schämen haben; der Gebildete wieder erblickt in ihr den Typus der hell und leuchtend angebrochenen ״neuen Zeit", des Fortschrittes und der Aufklärung und legt ihr die Bedeutung der heutigen Musik- Wissenschaft bei. Der Neologe denkt sie sich als eine aus dem mühevoll hinweggeräumten alten Schutte und Moder neuerstaudene Herrlichkeit und als eine ״kostbare Errungenschaft" auf dem Gebiete der Reform; der Orthodoxe hingegen leugnet es gar nicht — nach dem bekannten talmudischen Principe — dass die Orgel wirklich etwas sehr Schönes ist, aber — Gott hat es einmal verboten und dagegen ist nichts zu machen. So weiß Keiner recht, wozu sie eigentlich ist und nützt und welchem wirklichen ideellen oder praktischen Zwecke sie thatsächlich dient. Aus diesem Grunde nimmt es uns durchaus nicht Wunder, wenn selbst in streng musikalischen Kreisen über diese Frage ein Widerstreit herrscht, und wir erinnern hiebei an die durch den Dichter Ludwig August Frankl veröffentlichte Ansicht Meyerbeer's, und an die hierauf folgende Controverse des Sohnes Meister Sulzer's, des Hofoperncellisten Joseph Sulzer. Nach dem Zeugnis L. .A. Frankl's soll sich Meyerbeer höchst mißbilligend über die Orgel in der Synagoge ausgesprochen und sie vollständig verworfen haben. Sulzer hingegen bestreitet diese Anschammg und erklärt die Orgel für unbedingt nothwendig. Allein, wenn Joseph Sulzer in seinem bezüglichen Artikel, Nr. 29 d. gesch. Bl. vorigen Jahrg., die Compositionsweise seines großen Vaters gegen den Vorwurf der ״Veroperung" des Synagogengesanges vertheidigen und rechtfertigen will, so ist dies sein Recht, ja sogar seine Pflicht und wir sind darin mit ihm vollkommen einverstanden. Aber wenn er glaubt, gestützt auf das Laienthum des Dichters in musikalischen Dingen und auf die biographisch feftgestellte neologe Lebensweise des Meisters, die ganze Aussage Frankl's rundweg und a priori in Abrede stellen zu können, so machen wir es uns hier zur Aufgabe, nachzuweisen, in welchem eigentlichen Sinne Meister Giacomo Meyerbeer seinen berühmten Ausspruch: ״Die Orgel ist ein christliches Instrument" gethan haben konnte, wodurch eben dann jene beiden Einwürse vollständig' in Wegfall kommen. Möge uns nun Herr Sulzer gütigst verzeihen, wenn wir trotz besonderer Werthschätzung seiner Person und seines uns sympathischen Namens mit ihm im ganzen Umfange der Sache in Widerspruch bestnden. Es betrifft hier die Wahrheit, welche