Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-03-11 · Heft 8 (11.3.1892) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 8 (11.3.1892)
Date
1892-03-11
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/1304829-3453241-3453249--3410-3457762
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Besterrkichisch-ungarifche Cantorrp-Zeitung. Nr. tz. Volke rechnend, griffen sie die Angelegenheit sofort wieder aus. | Gestern wurde von den in Bern versammelten schweizerischen j Thierschutzvereinen förmlich beschlossen, 50,000 Unte! schriften zu! sammeln, um auf dem Wege der Verfassungsrevision eine! Schächtverbot in der Schweizer Bundesverfassung anszuwirken. Bezeichnend ist, dass sich die Thierschutzvereine hüten, das Wort i ״schachten" in ihrem Beschlüsse auszusp: echen. Es-soll lediglich! in der Verfassung das Betäuben der Thiere vor dem Schlach len obligatorisch erklärt werden. Vorschriften über das Tödten von Ochsen und Kälbern gehören augenscheinlich nicht in die Constitution der Schweizer Eidgenossenschaft. Infolge Einführung der Initiative, wodurch 50,000 Bürger jederzeit beliebiges Begehren auf Erlass, Aushebung oder Abänderung bestimmter Artikel der Bundesverfassung stellen können, kann alles Mögliche und Unmögliche der Verfassung einverleibt werden, und so hat möglicherweise die erste Anwendung dieses neuen Volkrechts dem Antisemitismus als Werkzeug zu dienen. Alle freisinnigen Schweizer müssen die angesachte Volksbewegung bedauern. ״Wir wollen Rußland und den andern Ländern nicht nachahmen", erklärte Bundesrath Ruchonnet vor einigen Wochen im Nationalrath. Nun scheint dies doch geschehen zu sollen. . Htiga. Zn den angesehensten Mitgliedern der hiesigen jüdischen -Gemeinde gehört der Besiyer einer kleinen Gastwirthschaft, welcher bereits 35 Jahre am hiesigen Platze wohnt. Während der jünsten Herbstfeiertage hatte er für die bei ihm wohnenden Gäste einen Privatgottesdienst in seinem Hause arrangilt. Die Polizei erfuhr dieses und besetzte das Haus. Die furchtbare Verwirrung und Aufregung, welche dieser unerwartete. polizeiliche Ueberfall hervorries, spottet jeder Beschreibung. Die Andächtigen, denen es nicht unbekannt, welches'Loos ihrer wartete, wenn sie in die Hände der herzlosen Beamten fielen, suchten sich, so gut es gieng, durch die Flucht zu retten. Einigen gelang es, durch eine Hinterlhür, ein'Fenster im Hiuterhause oder eine Dachluke zu entkommen. Der Besitzer des Hotels wurde sestgenommen und des Rechtes, .fernerhin in Riga wohnen zu dürfen, für verlustig erklärt. Die Thorarollen wurden consiscirt und diejenigen Bel׳ r, welcher man habhaft wurde, mit schweren Strafen belegt. Der Hotelier hat sich direct .mit einer Beschwerde an den Czaren gewandt. (Ob er Antwort bekommen hat?) Ein kranker russischer Handelsmann, Elias Rozelsky, welcher im Distrjct Vitebsk wohnte, kam jülist bierher, um einen Arzt zu cousultiren. Dieser erklärte ihm, dass er einige Zeit in strenger ärztlicher׳ Behandlung verbleiben müsse und gab ihm die beste Hoffnung für seine Wiedergenesung. Trotzdem seine Reise nach Riga nur den angegebenen Zweck hatte, vermerkte die Polizei aus der- Rückseite seines Passes, dass er sofort Riga verlassen müsse. Er besuchte hierauf seinen Arzt, welcher ihm sagte, dass sein Gesundheitszustand sein längeres Verbleiben unbedingt nöthig mache. Hierauf verlegte er sein Quartier in einen anderen Stadttheil, um die. Cur fortzusetzen, aber auch hier hatte ihn die Polizei bald entdeckt. Er wurde arretirt und trotz seines gefährdeten Gesundheitszustandes per Etappe nach dem Ansiedlnngsrayon transportirt. Erst musste er sich noch wegen seines gesetzwidrigen Aufenthaltes in Riga verantworten, wofür er mit zwei Monaten Gefängnis bestraft wurde. Da er die Rückreise zu Fuß machen musste, ist sein Zustand hoffnungslos geworden.! ' Luxemburg, 23. Februar. In der heutigen Kammer- Sitzung berichtete der Vorsitzende der Petitionscommissiou über das Gesuch der jüdischen Gemeinde um ein Subsid aus Staats- Mitteln .sur den'Bau der Synagoge. Die Commission, welcher der frühere Staatsminister, Baron v. Blochhausen, und ein katholischer Geistlicher (Generalvicar) angehört, schlägt vor, dass ein Zuschuss im selben Verhältnis und zu denselben Bedingungen gewährt werde, wie für den Bau der katholischen Kirchen. Die Discussion darüber findet nächstens statt. London Ein Correspondent der ״Daily News" berichtet aus Khiva, dass mehrere jüdische Familien, welche aus Rußfand ausgewiesen wurden, nach Kundrat am Anni Daria ge- Wandert sind, um sich daselbst niederzulassen und haben diesfalls eine Petition au den Emir gerichtet. Gegenwärtig leben in Khiva keine Juden, da im Jahre 1864 alle gezwungen wurden, zum Islam überzutreten. Emir Said Mohämed Khan ist zwar kein Seite' T | Gegner der .Juden, trägt jedoch mit Rüchsicht aus Rußland j Bedenken, ob er dem Begehren stattgeben dürfe oder nicht,, und j.bal deshalb den Eingewanderten lediglich gestaltet, bis auf weiteres! Entscheidung in Kuudrat zn bleiben. Diese Juden wanderlen j von Rußland nach Khiva in 18 Tagen ans Kameelen, indem i sie einer Kararvaue von Turkmenien folgten; sie beabsichtigen! sich der Seidenzuchl und dem Handel;11 widmen, da der Boden in ihrer neuen Heimalh für Ackerbau nicht geeignet ist. Werv-Hork. Ein Neger, welcher als Skave einem Bruder des früheren Präsi'enten Jeffersohn Davis gehörte, hat die Bibel in die Sheelswa: Sprache übersetzt. Der gelehrte Schwarze hat an der Fisk-Universiiät studirt und wurde Geistlicher. Vor ihm hat Niemand den Versuch unternommen, eine Schrift für die Sheetswa-Sprache zu erfinden. Diese wird in einem bedeulenden Theile Afrika's gesprochen und hat viele Wörter von den Znlu's entlehnt. Sie ist die 239. Sprach׳, in welche die Bibel übersetzt worden ist. LittcrarisMes. Im Verlage von I. Kauffmann in Frankfurt am Main erschien in hebräischer Sprache: ״Orach Chajjim. Unter- Weisungen, um den Söhnen Jeschurun's den Weg des Glaubens und der Gottesfurcht zu lehren." Die ethischen Gedankenverlen des Talmud's, Maimuni, Bachji und Arama, die im ganzen Werke vielfach ausgestreut sind, gewinnen da doppelt an Reiz durch die lichte, von jedem philosophischen Ballast freie Behandlung, und das Ganze wirkt! durch den schlichten begeisterten Ueberzeugungston, was den Mangel an Originalität (worauf der Autor in seiner Vorrede selbst keinen Anspruch macht) reichlich ersetzt. Dafür wusste der Autor durch vergleichende Benützung verschiedener, wissenschaftlicher und historischer Daten seinem Werke einen modernen Anstrich zu geben, wodurch es sich von den übrigen Produkten dieses Genres vorteilhaft abhebt. Er macht von dem . Anr״•* «•plia‘■ seiner Vorgänger fast gar keinen Gebrauch, sondern strebt mehr eine rationelle. wenn auch streng religiöse Interpretation an. Allen Freunden der hebräischen Sprache sei daS zweitheilige Werk bestens empfohlen. (Preis M. 2.90)! Z>en geehrten Lotkegen, wie den geschätzten Mitarj heitern, Lesern und Areunden nnferes Wkaltes wünsche»! wir שמחת פוד־ם | Concurs. r j An der einclassigen coiieessiouirten Privat-Yolks- | schule Teltsch (Mähren) ist mit 1. September 1. J. die | Stelle eines geprüften Lehrer־♦ zu besetzen, j Derselbe muss rabbinische Functionen vornehmen! können, zugleich befähigt sein, den hebräischen und Re- | ligionsunterricht zu ertheilen und hat auch als Cantor und j Koreh zu fungiren. | Derjenige, der auch den böhmischen Unterricht er-! theilen kann, wird bevorzugt. Jahresgehalt je nach Coni venieuz von fl. 800 bis fl. 1000, ausserdem freie Woh-; nung und die üblichen Emolumente.; Diesfällige, mit den erforderlichen Zeugnissen belegten Gesuche nebst Angabe des Alters und Standes, sind an den israelitischen Cultusvorstand Teltsch bis zum 1. Juni 1. J. einzusenden. Nur dem Acceptirten werden die Reisespesen vergütet. Der Cultusvorstand : Ludwig Herrmniftii. i ff ff ff Für Cantoren und Sänger unersetzlich. Die mit den zwei grössten goldenen Medaillen erster Classe ff ff und dem Gesellschafts-Orden der europäischen wissenschaftlichen Ai ff Gesellschaft ausgezeichneten, von ärztlichen Capacitäten unterjff ff ff ff suchten ff i Pectoral- (Husten) Bonbons $ sind die besten und zugleich die Verdauung befördernde Mittel U K ff gegen Husten, Heiserkeit und Verschleimung. m ff Dieselben sind in allen Apotheken sowie grösseren Specerei-!ff ff und Droguenhandl ungen und beim Erzeuger :ff 1* ff ff JO?<E L STEIN IdR ff ff ff Bäcker und Konditor, Wie», II., Stefaniestrasse 2 zu haben. jff ff ff BXan achte anf mei e Schutzmarke. lg!«

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.