Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 8 (11.3.1892)
- Date
- 1892-03-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Canioren - Zeitung Oe2^tral-Org־a,:o. P r ä uum rratia ns-Prris. Ilär Kantoren und Hutlusöeemle! in H-sterreich-Nngar» Ganzjährig . . . . . fl. 4 — Halbjährig ..... fl. 2.— Kür ßantoren und tzuttusöeamte im Ausland Ganzjährig.S Mark oder 4 Rubel. Mr private und Inkitule Ganzjährig.fl. 6.— für die Interessen der Cnntoren und Cultusbeamten. Erscheint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercantor Jacob Bauer. Htedacticm und Administration Vien II. Novaragasse Nr. 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retournirt. Abonnements- und JnsertionLbetrage sind in Wien zahlbar. f - Itr. 8־ WieN) 11. Marz 1898. 18. Jahrgang. Are Morwementsöeträge für das Laufende HuartaL, welche öis nun noch rückständig stnd, werden am 14. d. W. per Uostauftrag eincasstrt werden, und wir ersuchen demgemäß um prompte Einlösung. . Die Administration. Bbercantor der israelitischkn Cultusgrmkindr in, Breslau, geboren den 16. Deceinber 1818, gestorben den 27. Februar 1892. Nicht der Besten Einer — der Beste ist von uns geschieden. Ein tiefer, unsagbarer Schmer; erfasst uns angesichts der traurigen Thal suche, dass College M oritz D e u t s ch nicht mehr unter den Lebenden weilt. Das war eine Lichtgestalt unter den jüdischen Cantoren in des Wortes vollster und edelster Bedeutung. Wie es vom goldenen Leuchter des jerusalemitischen Heiligthums heißt, dass derselbe aus einem Stücke gesonnt war, so voll und ganz trat uns die Bedeutung des thenren Verblichenen'׳ entgegen, die wie au ihm;u beurtheilen, die jeder von uns an ihm zu schätzen, Gelegenheit hatten. Ein gottbegnadeter Cantor und gefeierter Lieder- und Oratoriensänger, ein tüchtiger Hebraist und ein feinfühliger deutscher Schriftsteller, ein gewandter, genialer Componist und nicht minder ein hellsehender, objectiver Beurtheiler fremder Musikproducte, ein hingebender, treuherziger Gatte und Vater und ein opferfreudiger, zuverlässiger Freund, wo wäre jemals eine solche Opulenz von Tugenden und künstlerischen Eignungen in ״Einer" Person geeinigt gewesen? Nun denn, Moritz Deutsch nannte sie sein eigen' Drum ist die Trauer der Breslauer Synagogengemeinde eine wahrhaft ergreifende und wird stets nachhallen, wenn auch Jahrzehnte vorübergerauscht sein werden, darum weint eine edle Frau, darum weinen brave, hochgeachtete Kinder heiße Zähren dem unvergesslichen Gatten, dem unvergesslichen Vater in. das Grab hinein. Doch wie unsagbar auch der Schmerz der zunächst Betheiligten sein mag, den größten Verlust hat das jüdische Cantorat erlitten. Was Moritz Deutsch als jüdischer Cantor allererster Bedeutung war, was er als synagogaler Componist gewesen, das wurde bereits in diesen Blättern vollauf gewürdigt, muß aber andauernde Würdigung finden, so lange in jüdischen Gotteshäusern Gott der Herr in Choren geheiligt wird. Allein nicht nur als Cantor und synagogaler Componist war Moritz Deutsch thätig; seit fünfzig Jahren hielt er treulich Wacht und kämpfte in allererster Reihe für die Entwicklung der Synagogenmusik, namentlich für die Verwendung des Traditionsgesanges beim Gottesdienste der Jetztzeit. So frisch und unentwegt er in noch jungen Jahren für unsere heilige Angelegenheit schaffte und strebte, ebenso rührig und eifrig wirkte und arbeitete er im Greisenalter. Ihm war das seltene Los beschieden, noch am Spätabende seines Lebens in voller Manneskraft auf dem heiligen Boden seiner Thätigkeit zu verweilen und durch die Macht seines Gesanges die Herzen nachfolgender Geschlechter zur Andacht zu stimmen, wie es vor Jahrzehnten bei den Ahnen der Fall war. Er starb gleichsam als Krieger, seine Fahne hoch erhoben, bis zum letzten Augenblicke kämpfend, ringend und schaffend. Möge ihm die Erde leicht sein.' . 8in§sr. Wien, im Mär; 1892. Die Persönlichkeit des Dichters und Künstlers. Eine psychologische Studie von Carl Spittelsr. IV. (Fortsetzung.) Mit einem solchen ruhelosen Weben und Schaffen in der Sphäre des Gemüths und der Phantasie sind aber auch schwere Storungen des Temperaments und des Nervensystems ganz unvermeidlich. Das kann nur der bestreiten, der nicht weiß, was Phantasiearbeit heißt, oder der sich in eine entgegengesetzte Theorie verrannt hat, wogegen dann natürlich jede Thatsache ihre Beweiskraft verliert; denn wenn einmal eine Theorie be-