Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 7 (1.3.1892)
- Date
- 1892-03-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Defterrkichisch-ungarische Canioren-Zeiiung Nr. 7. aus seinen eigenen Aeußernngen und Briefen ergiebt sich, dass er dabei auch ehrgeizige und politische Zwecke verfolgte, die allerdings gar nicht ernst genommen werden können. Er scheint wirklich von der fixen .Idee geleitet worden zu sein, in Arabien eine Art ״Judenstaat" zu gründen und an der Spitze desselben als ״König" Friedmann die erste Rolle zu spielen. Friedmann hat dem Baron Hirsch seine Eolonisanouspläne vorgelegt; Letzterer aber fand dieselben undurchführbar, indem er bemerkte, dass die Colonisten in dieser arabischen Wüste der Gefahr aus gesetzt wäre», entweder von den Beduinen ermordet, oder von den Hyänen aufgefressen zu werden. Friedmanu ließ sich jedoch durch diese Aeußerung des Baron Hirsch nicht abschrecken, beschloss den eingeschlagenen Weg zur Verwirklichung seiner Colouisations-Jdee fortzusetzen und .schloss seine excentrisch klingende Expectorationen mit den Worten: ״Ich strebe danach, ein kleiner Hirsch zu sein!" — Seine Expedition hat Friedmann in Wien organisirt und hier auch alle Einkäufe für dieselbe gemacht. Er verwendete große Summen darauf, indem er Alles von der besten Qualität und in großen Mengen anschaffte. Friedmann engagirte, wie bereits erwähnt, in Wien auch einen Arzt für seine Expedition, Dr. Ernst Landsmann, und einen ehemaligen österreichischeit Unterofficier, einen Juden; Beide befinden sich noch bei ihm. Bemerkenswerth ist, dass er zwei jüdische Schächter mitnahm und noch später von Kairo aus in Wien große Quantitäten, koscherer Würste und koscheren Selchfleisches bestellte, die ihm nachgeschickt werden sollten. In Folge des Protestes der türkischen Regierung ist die Expedition gar nicht bis an ihren Bestimmungsort au der arabischen Küste des Rothen Meeres gelangt, sondern nur bis zu dem Orte Scherm-el-Moyeh an der Südspitze der Sinai-Halbinsel, wo Friedmann iu einer ganz wüsten Gegend ein Lager aufschlug, in welchem die Unzufriedenheit der jüdischen Colonisten zum Ausbruche kam und jene Vorfälle eintrateu, die von den zurückgekehrten Colonisten dem Führer der Expedition zur Last gelegt wurden Wrag. Die General-Jury der unter dem Protektorate Sr. k. u. k. Majestät Franz Josef I., zur Jubiläums-Feier der ersten Gewerbeausstellung im Iahe 1791 in Prag veranstalteten, allgemeinen Landesausstellung hat den Herrn Ignaz Baum, Cantor und Religionslehrer in Leitomischl, für sein auf der Landesausstellung ausgestelltes, von ihm zur Feier des ' 40jährigen Regierungs-Jubiläums Sr. Majestät des Kaises, . für die israelitische Patrioten Oesterreichs in hebräischer und deutscher Sprache verfasstes ״Gedenkblatt", durch Verleihung eines Anerkennung-Diplomes, ausgezeichnet. Budapest. Vor etwa 13 Jahren lenkte Frau David Bischitz die Aufmerksamkeit des Herrn Baron Moriz von Hirsch auf Ungarn; seither stellte der hochherzige Philanthrop seiner eifrigen Vermittlerin fortwährend namhafte Summen zur Verfügung, bis er vor 5 Jahren ein förmliches Wolthätigkeitsbureau hier errichtete. Baron Hirsch sandte im ersten Jahre 100.000 st. und seither sendet er regelmäßig alljährlich 120.000 fl. hieher und das Bureau vermittelt deren Vertheilung unter die Bedürftigen. Vor 4 Jahren spendete er außerdem den Ueberschwemmten 40.000 fl. und im Vorjahre den Abgebrannten 50.000 fl. Seit dem Bestände des Bureaus haben sich 48.324 Petenten gemeldet, erhielten 15.310 Familien Unterstützungen im Betrage von 549.566 fl., 1892 Industrielle 100.650 fl. zur Fortsetzung ihres Gewerbes, 876 den Betrag von 92.480 fl. zur Eröffnung von Geschäften, 2114 zur Bezahlung von Mithzinsen 84.566 fl., 896 arme, zumeist verwaiste Mädchen 67.840 fl. als Ausstattungsbeiträge, 1580 arme Studenten 46.520 fl. auf Schul- und Prüfungstaxen,2467 Individuen 68.610 fl. als Krankenpflegekosten. Jnsgesammt ist somit durch das hiesige Wohlthätigk'eits-Bureau die imposante Summe von 1,100.232 fl. (circa 1,870.394 Mk.) zur Vertheilung gelaugt. Budapest. (R a b b i n e n - P r o m o t i o n.) In der festlich beleuchteten Synagoge der Landes-Rabbinenschule wurden heute Vormittags die absolvirten Hörer dieser Anstalt, Dr. I. Spira, Dr. S. Ungar, Dr. L. Venetianer und Dr. I. Weißburg'zn Rabbinen feierlich promovirt. Nachdem . Oberkantor Lazarus unter Assistenz des Seminaristenchores den 100. Psalm vorgetragen hatte, richtete das Mitglied der Seite 7 Prüfungskommission/der Werschetzer Oberrabbiner Dr. Szidon, an die Nabbinatscandidaten eine passende Ansprache, sie ermahnend, der Theorie nun die Praxis folgen zu lassen. Hierauf dankte namens der Promovirten Dr. Ungar, Rabbiner von S;?gzard, dem Professorenkörper der Anstalt für die erhaltenen Lehren. Nun folgte der eigentliche Weihe-Act, indem der greife Seminardirector Professor Moses Bloch nach einer elastischen Ansprache im reinsten Hebräisch den jungen Rabbineu den Segen ertheilte und die Diplome überreichte. Mil dem Absingen des Kölcsey'schen Hymnus schloss die schöne Feier, welcher ein sehr zahlreiches Publicum beiwohnte. Moritz Deutsch, Sreslau. Kurz vor Schluß des Blattes erhalten wir die tiefbetrübende Nachricht, dass Herr Obercantor Moritz Deutsch in Breslau Samstag, den 27. Februar halb 4 Uhr Früh nach kurzem schweren Leiden im 74. Lebensjahre verschieden ist. Die Breslauer Gemeinde versendet folgende Parte: Nachruf. Das beute Nacht erfolgte Hinscheiden des Herrn Woritz Keutsch, erste» Cantors, und musikalischen Dirigenren an der Neuen Synagoge Wird in unserer Gemeinde allseitig mit tiefem Schmerz empfunden. Hat doch der Verewigte fast ein halbes Jahrhundert seine ungewöhnlichen künstlerischen Gaben mit seltener Pflichttreue in den Dienst seines Amtes gestellt und durch sein Wirken in hohem Maße dazu beigetragen, unserem Gottesdienst einen würdigen und weihevollen Charakter zu verleihen, der vielfach-anderwärts zum Vorbild geworden ist. Eine ideal angelegte Natur, von wahrer Herzensfrömmigkeit beseelt, eine anspruchslose, liebenswürdige Persönlichkeit, erfreute er sich stets und überall ungetheilter Hochschätzung und Verehrung und sein Andenken wird in unserer Gemeinde nicht erlöschen. Breslau, den 27. Februar 1892. vsr Vorstand and das Repräsentanten-Collegiam der Synagogen• Gemeinde. Berichtigung. Geehrte Redaction! Unter Bezugnahme auf das von Seite der ״Israelitischen Allianz" in Wien in der letzten Nummer Ihres Blattes veröffentlichte Schreiben, ersuche ich als Vertreter des Herrn Adolf Kaiser nachstehende Berichtigung zur Kenntnis Ihrer Leser zu bringen. Das literar sch-artistische Bureau des Herrn Adolf Kaiser hat weder in Prospecten noch in anderen Ankündigungen erklärt, dass der Betrieb von Porträts des Herrn Baron Hirsch mit der ״Israelitischen Allianz" zu Wien im Zusammenhang stehe. Mein Klient hat in der bezüglichen Verlautbarungen lediglich -auf die Thatsache hinzuweisen, dass er einen Theil des aus dem Unternehmen zu erzielenden Reingewinnes zu Gunsten der aus Rußland vertriebenen Glaubensgenossen abliefern werde, ein Versprechen, das Herr Kaiser bisher erfüllt hat und auch in Zukunft zu erfüllen fest entschlossen ist. Uebrigens wird es Jedermann freigestellt, sich jederzeit von der Richtigkeit dieser Erklärung durch Einsichtnahme in die im Bureau meines Clienten aufliegenden Quittungen zu überzeugen. Mit vollster Hochachtung Dr. Bernh. Lederer, Hof- und Gerichts-Advocat. Sammlung. In Folge eines in unserem Blatte veröffentlichten Aufrufes haben Herr College Menkes in Strakonitz 33 fl. und die Herren Collegen B a l o g h und Heller in Vukovar 30 sl. 90 kr. für einen unglücklichen Collegen in Deutschland gesammelt. Wir sprechen hiermit den geehrten Spendern und Sammlern den wärmsten Tank aus. Correspondenz der Redaetiorr. M. K. in 8.: Zur Verfertigung von Ornaten sei Ihnen die Firma M. G o l d b e r g, Wien (siehe Inserat) bestens empfohlen. Dr. F. in P., B. in L.: Eingesandtes bleibt für eine der nächsten Nummern reservirt. Dr. G. in J.: Bei nächster Sendung bitten um etwas umfangreicheres Manuscript. Wir ersuchen yöstichst um Einsendung der rückkändigen Ab onnewentsbe träge. Im Laufe der nächsten Woche wird mit Einhehnng der Restanten per Postauftrag begonnen. Are Administration. Die heutige Nummer enthält eine Beilage der ״Ersten Wiener Dampf-HKazes-Räcfcerei‘ von Heinrich Neufeld, dessen Firma mit Recht einen guten Ruf besitzt. Die geehrten Leser werden hiermit auf dieses Etablissement aufmerksam gemacht»