Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 4 (1.2.1892)
- Date
- 1892-02-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4. Desterreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung. Seite 7. Maaö. Bei Gelegenheit der Anwesenheit des Handels- Ministers Gabriel Baroß in Naab hielt der Ober-Rabbiner Dr. Julius Fischer cm der Spitze einer Deputation der vereinigten Raaber und Raab-Szigeter isr. Cnliusgeineinde an denselben eine herzliche Ansprache. Se. Excellen; der Herr Minister erwiderte: ״Empfangen Sie meinen besten Dank' für das Erscheinen der Deputation Ihrer vereinigten Cultnsgemeinde. Ich freue mich außerordentlich der ungemein schönen Worte des geehrten Redners, sowie des inneren Gehaltes derselben; denn solch' schöne Worte, solch' kernige.Gedanken, hatte ich in der That selten Gelegenheit zu vernehmen. Ich bin. überzeugt, dass eine Gemeinde, deren Führer ein solcher Priester ist, nur patriotisch gesinnt sein kann und auch ferner gedeihen. Geehrte Herren! Ich 'will Ihnen meinen Standpunkt klar darstellen. Ich achte hoch.. Ihre Religion und bewundere, -und liebe Ihre Nasse. Und was Ihr Bestreben anbelangt, mögen Sie zur Kenntnis nehmen, dass ich' auf dem Boden der vollkommenen Gleichberechtigung stehe, und kann, was selbstverständlich ist, > Ihre Bemühungen zu Gunsten unserer Nation sowie ihrer Consefsion nur fördern. Empfangen Sie nochmals meinen besten Dank und aufrichtigen Grnß."E Krag, Ein bekannter jüdischer Banquier in Rußland, ־ namens Poliakoff, so erzählt die ״Gemeinde-Zeitung" nach einem Berichte des Wiener Correspondenten des ״Standard", hatte kürzlich mit dem Prvcurator der Heiligen Synode \ Pobjedonoszess eine Unterredung. Poliakoff wagte bei diesem Anlässe die Frage, ob es richtig sei, dass die Maßregeln bezüglich der Ausweisung der Juden aus Rußland auf die Initiative Pobjedonoszeffs zurückzuführen seien. Darauf erwiderte der Letztere: ״Ja, das ist richtig. Ich habe ein Memorandum an den Czar gerichtet und dies war der Ursprung der erwähnten Maßnahmen. In diesem Memorandum wurde ausgeführt, dass es für Russland von Nutzen wäre, wenn eine beträchtliche Auzahl jüdischer Familien zum orthodoxen Glauben bekehrt und in solcher Art der russischen Race assimiliert würden. Der beste Weg zu diesem Ziele wäre, die alten Decrete wider die Juden wieder in Kraft zu setzen, weil jene Classen, deren Bekehrung am meisten zu wünschen, Gutsbesitzer, Fabrikanten, Kaufleute erster Gilde, Aerzte und Anwälte eher den Glauben wechseln (?), als sich aus ihren Wohnsitzen verjagen lassen würden. Wir Russen brauchen neue Elemente für unsere Race und keine besseren könnten gefunden werden, als die Juden, deren Sparsamkeit, Fleiß, Nüchternheit, häuslicher Sinn und Wissensdurst, deren Jnstinct für den Handel, für Gelderwerb und Geldersparen gerade die Qualitäten bilden, deren wir am meisten bedürfen. Wir können uns nicht mit den niedrigen Classen der Juden amalgamieren, aber ich kann keine schlechten Eigenschaften entdecken in den besseren Classen der Juden und wir hoffen, dieselben durch'Conversion (!) zu gewinnen, wenn wir ihnen nur die Ausweisung als Alternative lassen. All' dies war in meinem Memorandum enthalten und in einer Audienz, die mir der Czar gewährte, drückte Se.'Majestät die Hoffnung aus, dass die besseren Classen der Juden den orthodoxen Glauben annehmen : und dadurch Russen werden würden. Ich frage Sie nun, Herr Poliakoff, wollen Sie selbst ein Beispiel geben und zur orthodoxen Kirche übertreten?" Dieser antwortete darauf: ״Ich bin weder Gutsbesitzer noch Fabrikant, der größere Theil meines Vermögens ist im Auslände investiert, ich habe also, um es zu . behalten, nicht erst nöthig, meinen Glauben zu wechseln. Wenn Sie aber wünschen, dass ich meine Kraft, meine Erfahrung und . jenen Theil meines Vermögens, der noch hier ist, einem andern - Lande..znwende, so weisen Sie mich nur aus." Es ist eine Thatsache, so fügt der Correspondent hinzu, dass' viele Tausende ׳russischer Juden bereits zum orthodoxen Glauben übergetreten sind nnd dass noch eine große Zahl gezwungen sein wird, das ' Gleiche zu thun. Die Verantwortung für die Richtigkeit dieser Meldung müssen, wir dem ״Standard"-Correspondenten überlassen;, bisher ist die Nachricht noch von keiner Seite her bestätigt worden, und die massenhafte Auswanderung der russischen Juden spricht dafür, dass Herr Pobjedonoszeff seine Rechnung ohne die — Juden gemacht Habe. Innsbruck. Am 17. v. M. fand das Leichenbegängnis des Herrn Max Steiner. Antiquitätenhändlers in Innsbruck, statt. Herr Max Steiner, der einer der ältesten in Innsbruck lebenden Familien augehörte, verdiente die Werthschätzung, die man ihm allgemein entgegengebracht. Ein charaktervoller Ehrenmann von liebenswürdigen, herzlichen Umgangsformen, ein Wohlthäter der Armen und Dürftigen, der in seiner bescheidenen Weise so manche Thräne verschämter Armer im Stillen getrocknet. Sein ganzes Leben brachte er unter den Seltenheiten vergangener Zeiten zu und war eine anerkannte Celebrität in der Erkennung nnd wissenschaftlichen Zeitbestimmung der Antiken. Er hatte einen großen Kundenkreis in der Aristokratie und war auch Lieferant des Hauses Rothschild; er genoß und verdiente unbedingtes Vertrauen. Vor nicht langer Zeit hatte Steiner die hohe Ehre, dass Ihre k. und k. Hoheit die KronpriPessin Witwe Erzherzogin Stefanie zwei Mal sein Geschäft besuchte und Einkäufe machte. Max Steiner, ein patriotischer Tiroler, war im Jahre 1848 freiwilliges Mitglied der Landesvertheidigungs- Compagnie Innsbruck; im Jahre 1859 war er unermüdet für Labung kranker und verwundeter Soldaten thätig, dabei war er ein glaubenstreuer Israelit, ein selbstlos edler Mensch. Als ihm vor zwei Jahren seine Gattin starb, fieng er an, leidend zu werden, nnd folgte ihr bald in die Ewigkeit. Das Leichenbegängnis war höchst solenn unter ungemein zahlreicher Betheiligung der Bewohner Innsbrucks. Herr Obercantor Emil Fränkel, Religionslehrer in Innsbruck und Hohenems, nahm die rituellen Funktionen vor und hielt eine ergreifende Trauerrede, bei der kein Auge thranenleer blieb; die Leiche Max Steiner's wurde auf dem neuen städtischen Innsbrucker-CentralfriedHofe, israelitische Abtheilung, beerdigt. Aimzlau. In der Stadt Alszanska im Bezirk Radom hat eine Räuberbande Nachts das Haus des reichen jüdischen Kaufmanns Deibel übe! fallen, die ganze Familie von 8 Personen ermordet, und Geld und Kostbarkeiten entwendet. Von den Mördern fehlt augenblicklich jede Spur. London. Den gesetzesgläubigen Juden ist es bekanntlich verboten, am Sabbath eine Flamme oder ein Feuer irgend welcher Art anzuzünden. Dem ״Jewish Chronicle" zufolge hat nun ein strenggläubiger Jude in England die Frage zu lösen gesucht, ob er durch den Druck eines Knopfes zur Hervorbringung elektrischen Lichtes den Gesetzen seiner Religion zuwiderhandeln würde oder nicht und sich zu diesem Behufe nicht an den Rabbi, sondern an einem hervorragenden Mann der Wissenschaft um Auskunft gewandt, an Prof. Crooker, der darauf hinweist, dass die Heiligkeit von Fener und Flamme bei den alten orientalischen Religionen stets mit Verbrennung von Stoffen eng verbunden gewesen und daher seine Entscheidung dahin abgibt, dass das Glühen eines elektrischen Lichtes nicht als Feuer bezeichnet werden kann. (Die Entscheidung des Rabbiners wäre anders ausgefallen.) Werv-Kork. (Ein vielseitiger Pastor.) In New-Aork wurde dieser Tage ein Verbrecher zu längerer Haft verurtheilt, wie er auch nur in Amerika möglich ist. Pastor Weih alias Friedrich Schneider figurierte als Rabbi, als katholischer Priester und als bischöflichprotestantischer Prediger. Für je den Glauben hatte er einen Hausaltar, welcher durch einen Vorhang verhüllt war; kam ein jüdischer Besucher, so wurde die Thorarolle enthüllt; war der Gast katholisch, so erschien der Altar mit dem Kruzifix. Die Besucher wurden von dem Manne gehörig angezapft, und der Herr Pastor stahl nebenbei wie ein Rabe. Als er im Gefängnis war, schlich sich ein Geheimpolizist zu ihm und gab sich für einen Trödler aus. Diesen autorisierte der Mann Gottes, se׳n Zimmer zu besuchen und die dort besindlichen Sachen zu besichtigen. Der Geheimpolizist fand eine große Menge gestohlener Gegenstände; der Ehrwürdige hatte mitgenommen, was niet- und nagellos war. Stekkenveränderrmgen. Herr Cantor Rudolf Kohn, der durch 17 Jahre in Kobersdorf gewirkt, folgte einem ehrenvollen der Gemeinde Janoshaza. — Herr Cantor Moritz Kurzweil, bisher in Kollautschen, wurde nach Dereisen mit dem Sitze in Kolleschowitz berufen.