Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 12 (1892)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1892)
- Date
- 1892-01-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Gesterreichisch-ungarische Prsnumerrltions-Prkis. Kür ßanloreu und HultrrsSeamte in Hesterreich-Ztngarn Ganzjährig.fl. 4.— Halbjährig.fl. 2 — Kür tzautorrn und Hnklnsveamle im Ansrand Ganzjährig.8 Mark oder 4 Rubel, Kür private «nd Institute '״8#>׳v*frV־ . . . fl. 6.— ß&L■■ k: u Central-Organ für die Inkerrffrn der Cantoren und Cultusbeamten. Erscheint jeden zehnten Tag. -- Begründer: Obercantor Jacob Baner. WedactilM Administration Men II. Novaragasse Nr. 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retournirt. Abonnements» «ab Jnsertionsbeträgefind in Wie« zahlbar. Vien, 21. Jänner ML. 12. Jahrgang. Wien, am 21. Jänner. Für die nunmehr in vollem Zuge befindliche Wahlbewegung in Ungarn ist in jüdischen Kreisen ein neues Losungswort erstanden, das da heißt: Reception der jüdischen Confession. Bei dem anerkannten Liberalismus des ungarischen Volkes und dem bedeutenden politischen Einflüsse der transleitanischen Judenschaft ist es gar nicht zu bezweifeln, dass vielleicht schon der nächste Reichstag sich mit dieser Frage beschäftigen wird. Bei dieser Gelegenheit wird es auch sicherlich, gleich den Vorgängen in der diesseitigen Reichshälfte, zu einer endgiltigen gesetzlichen Relegung der jüdischen Cultusverhältniße, kommen und dies um so mehr, als das ungarische Cultusministerium betreits vor Jahresfrist die vorbereitenden Einleitungen getroffen hat. Es würde den Rahmen und die Tendenz unseres Blattes überschreiten, wollten wir alle jene Fragen aufrollen, die hiebei' in Betracht gezogen werden müssen, aber wir dürfen niemals vergessen, dass die ״österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung" dazu berufen ist, die Interessen des Cantorenstandes, gleichgiltig ob in Oesterreich oder Ungarn, mannhaft zu vertreten, und darum wollen wirdie bevorstehende Action von diesem Gesichts- -punkte aus beleuchten. Wir.haben bisher die leider traurige, aber überall bestätigte Erfahrung gemacht, dass die jüdischen Cantoren dort, wo-es sich um die Vertretung ihrer Interessen handelt, nur auf sich selbst angewiesen sind und weder von Seiten der Gemeinden noch aus dem Kreise der anderen Cultusbeamten eine spontane Förderung zu erwarten .Haben. In dem schweren Kampfe um die Wahrung der Standesrechte ist jedoch der Einzelne machtlos, nur eine Corporation kann offen und frei ihre Stimme erheben und ihr Votum mit einiger Aussicht auf ©rfolcj zur Geltung bringen. Als man in Oestereich an die.Regelung der Rechtsverhältniße der israelitischen. Religionsgenossenschaft schritt, war es der österreichisch?ungarische Cantoren-Verein, der für die berechtigten Wünsche und Forderungen unserer Berufsgenossen bei - den Gemeinden und . der hohen Regierung eintrat, ,und mit Stolzkann er׳ auf seine dietzbezügliche - Thätigkeit zurückblicken. Wo ist aber in Ungarn eine Corporation oder ein Verein welcher mit gleicher Energie und gleicher Ueberzeugungstreue für die Cantoren sich einsetzen würde? Wohl existirt in Budapest der ungarisch-israelitische Cultusbeamten-Verein, aber in sozialer Beziehung wird dieser Verein für die Cantoren niemals etwas leisten können, da die Interessensphären seiner Mitglieder vielfach collidiren und ein Erfolg der einen Gruppe leicht bei der anderen Gruppe Anstoß ׳findet kann, und auf diese Weise jedes einheitliche Streben lahmlegt. Schon bei der Gründung des Cultusbeamten-Vereines haben wir ans diesenUedelstand hingewiesen, und dessen bisherige Unthätigkeit, nach der angedeuteten Richtung, bestätigt vollauf unsere damaligen Behauptungen. Es ist auch sicherlich nur der Name Fried mann gewesen, der einen großen Theil der ungarischen Cantoren gegen ihre bessere Ueberzeugung und gegen ihre eigenen Interessen von dem in Wien schon früher gegründeten Cantoren Vereine ablenkte. Die bestechende und hochgeachtete Persönlichkeit dieses mittlerweile dahingeschiedenen Collegen, die vielfachen freundschaftlichen Beziehungen, die. er zu den hervorragenden und tonangebenden Berufsgenossen in Ungarn unterhielt, gaben damals den Ausschlag, und selbst wir, die wir anfangs dem von ihm gegründeten Vereine mit allem Eifer entgegentraten, ließen später ab vom Kampfe, aus Rücksicht für seine anderweitigen Verdienste und aus Pietät für sein ergrautes Haupt. Heute jedoch ist diese Rücksichtnahme gefallen, und be aller Achtung für jne Leiter und Führer des ungarischen Cultusbea.uten-Vereines, müssen wir im Interesse unseres Standes, das uns über Alles geht, an die jüdischen Cantoren in Ungarn die nunmehr vor einer der wichtigsten ihrer Lebensfragen stehen die Aufforderung richten, die beengenden Fesseln von sich zu werfen und einem Vereine sich auzuschließen, der bereits bewiesen, dass er Herz und Sinn hat für die Interessen und Bedürfniße des Cantorenstandes. Man möge nicht einwenden, dass die Verschiedenheit her gesetzlichen Verhältniße in Oesterreich, und in Ungarn, eine solche Vereinigung unrnöglich macht, der Hinweis auf den