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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1892-01-11 · Heft 2 (11.1.1892) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
12 (1892)
Issue
Heft 2 (11.1.1892)
Date
1892-01-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarisohe Pränumerrltions-Preis. Kür Kantoreu und ßuttusvecmle in Hefferreich-Ungarn Ganzjährig.fl. 4 — Halbjährig.fl. 2.— Kür Kantoren und Kultusöeamte im Ausland Ganzjährig . . . . .8 Mark oder 4 Rubel. Kür private und Institute Ganzjährig...... fl. 6.— für dir Interessen der Canioren und Cultnsbeamken. Erscheint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercantor Jacob Bauer. Hledaclioa und Administration Vien II. Noparagasse Nr. 27. 3n fern te werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retournirt. Abonnements- und Jnsertionsbetrüge sind in Wien zahlbar. Obercantor der israelitischen Cultusgemeinde in Wien. Wien, 11. Jänner > t 12. Jahrgang Zu seinem silberueu Huchzeitsseste am 16. Jänner 1892. --SS-- Das schöne und beglückende Familienfest, das Dbercantor Josef Singer, am 16. Jänner im silbernen Glanze seines häuslichen Altares begeht, wird sicherlich ein freudiges Echo in den Herzen der jüdischen Eantoren erwecken. Ist es doch der Jubeltag eines Mannes, der durch seine vollgewichtige Persönlichkeit, sowie durch seine hervorragende Stellung als eine Zierde unseres Standes sich erwiesen hat und im Bewusstsein seiner Bedeutsamkeit mit all' seinem Können und Wissen in den Dienst der gemeinsamen Standesinteressen getreten ist. Und wir, die Redaktion der ..österreich.-ungar. Eantoren-Zeitung". wir. die wir Zeugen seiner Thätigkeit sind und durch eine Reihe von Jahren an seiner Seite für das allgemeine Wohl streiten und ringen, ergreifen gerne die Gelegenheit, um dem wackeren Eollegen den wohlverdienten Tribut der Anerkennung und Würdigung seiner Wirksamkeit am heurigen Tage darzubringen. Ein Blick auf den Lebensweg Singers, der sich von seinem Geburtsorte Klinik an. wo er am 10. Dctober 1841 als Sohn des in Ungarn unter dem Namen ״Srole Hlinik" hochgeschätzten Lhasen Israel Singer geboren wurde, in einer aufsteigenden Linie bis zu dem Grte seiner heutigen Amtswirksamkeit dahinzieht, belehrt uns, dass unermüdlicher Fleiß, rastloses, ideales Streben und ein hoher ethischer sinn früher oder später im Leben Belohnung und Vergeltung stnden müssen. Als fünfjähriger Knabe schon im Chore seines Vaters mitwirkend, wurde in ihm schon frühzeitig der Sinn für jüdischen Gesang geweckt und gepstegt. Mit tüchtiger Schulbildung ausgestattet, kam der junge Singer später nach Tornau, absolvirte daselbst die Realschule und die Lehrerpräparandie, welche er. erst 19 Jahre alt, als geprüfter Hauptschullehrer verließ. Allein die Liebe zur Musik war mächtig in ihm rege, er nahm eifrigen Eompositions- und Vrgelunterricht bei Professor Rap und bezog, nach kurzer Lehrthärigkeit im Hause des Großgrundbesitzers. Leopold Freiherr v. Popper, das Prager Eonservatorium, wo er unter Leitung des berühmten Professor Vogl sich zum Sänger ausbildete. Nach vorübergehendem Engagement am Prager Landestheater wandte sich Singer schließlich dem Tantorate zu und war hiemit in jene Sphäre gelangt, für welche er durch Geburt und Erziehung wie prädestinirt erschien. ^eine erste Stelle war Beuthen in Preußisch-Schlesien. und hier mag der rege Verkehr mit dem alten Weintraub für seine später bekundeten Anschauungen über die Gestaltung der jüdischen Synagogenmusik ausschlaggebend gewesen sein. ~ Bei einem Besuche in Andrichau lernte Josef Singer seine Gattin Gthilde, geborene Binzer. kennen und hatte das Glück, an ihr eine Lebensgefährtin zu erringen, die. ausgestattet mit hoher Bildung und feinsinnigem Kunstverständnis, das Streben des Gatten zu begreifen,und ,ni^zuempstnden vermochte. von Beuthen kam Singer nach Nürnberg, wo er im engen Anschluss an die dortigen künstlerischen Kreise und in regem 1 Verkehre mit Lewandowski in Berlin und Deutsch in Breslau seine musikalischen Gesichtspunkte allmälig erweiterte und so eine günstige j Vorbereitung für seine spätere Stellung in der hervorragendsten Gemeinde des Judenthums erhielt. Im Jahre 1881 wurde Josef Singer, als Nachfolger des Altmeister Sulzer. nach Wien berufen. Ls gieng damals ein frischer, lebendiger Zug durchs die cantoralen Kreise. Die ..österreich.-ungar. Lantoren-Zeitung" und der ״österreich.-ungar. Lantoren- Verein" wurden in Wien gegründet, und hier war der Platz, wo Singer seine ausgezeichneten Fähigkeiten, sein reiches wissen zum wohle der Gesammtheit verwerthen konnte. was Singer als Mitarbeiter unseres Fachblattes durch seine grundlegenden Ideen über den ״traditionellen Synagogengesang" und durch andere fachwiffenschaftliche Arbeiten geleistet, wie er als Präses'des Lantoren-Vereines nach jeder Richtung hin die Interesse,! unseres Standes mit dem Vollgewichte seiner Persönlichkeit vertreten, ist noch in der frischen Erinnerung Aller. Der Hinweis auf diese zweifache Thätigkeit genügt, dass wir uns am heutigen Tage mit der gesammten Lollegenschaar vereinigen, um dem wackeren Jubilare unsere collegiale Achtung und Werthschätzung zum Ausdrucke zu bringen. Möge es ihm gegönnt sein, dass er noch lange, lange Zeit seinem Berufe, seiner Lollegenschaft lebe; dass er noch viele Jahre im Kreise seiner Lieben die Früchte seines Wirkens und Strebens genieße; und uns möge es beschieden sein, wie heute den silbernen, ihm dereinst den goldenen Kranz der Anerkennung zu reichen. |>ie HkbacLiorr der ״österreich-rrngar. Cantoren-Zeitung".

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