Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 33 (21.12.1891)
- Date
- 1891-12-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Pränumerations-Preis. Ziür ßantoreu und ßuttusöeomle in Hekerreich-Angar» Ganzjährig.fl. 4 — Halbjährig.fl. 2.— Kür ßanloren und ßullusveamle im Ausland Ganzjährig.8 Mark oder 4 Rubel. Knr private und Ankitule Ganzjährig.fl. 6.— Gantoren - Zeitung. Central-Organ für die Interessen der Canioren und Cultusbeamirn. Erscheint jeden zehnten Tag. -- Begründer: Obercantor Jacob Bauer. Wedactio« Administration Wien II. Novaragaffe Nr. 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. Abonnements- und Jnsertionsbeträge sind in Wien zahlbar. Ar. 33 ien, 21. Deremder 1891. II. Jahrgang. Prsnumerations-Einisdung. Indem wir die geehrten Herren Abonnenten zur Er- Neuerung des Abonnements auf die ״Gesterreichifch-irngarische ßantoren-ZeituNg" ergebenst ein laden, ersuchen wir um pünktliche Einsendung desf)ränumerations- Betrages. ll)1r hoffen, dass jeder Eollege in den nächsten Tagen seine Pflicht dem Fachblatte gegenüber erfüllen wird. ie ist es, und wie könnte es sein? Zur rückschauenden Betrachtung am Schluffe eines Kalenderjahres ist keine Frage so sehr geeignet, als diejenige, die ün die Spitzedieser Zeilen gesetzt ist, und wenn sie sich uns nicht von selbst zur pnblicistischen Erörterung ausgedrängt hätte, so wären wir durch eine das gleiche Thema behandelnde Broschüre, die kürzlich unter dem Titel: ״Gedanken eines jüdisch en Cu ltusbeamten" von Cantor A. L evin in Tilsit*) erschienen ist, auf dieselbe geleitet worden. Der geschätzte Autor hat wohl nur die Stellung der jüdischen Cul- Lüsbeämten in Deutschland in den Kreis seiner Erörterungen gezogen, aber bei der Aehnlichkeit, man könnte sagen, Gleichheit der׳ Verhältliiße'- draußen mit denen in Oesterreich-Ungarn, können wir'׳ wohl - an die Besprechung der genannten -Broschüre recht zeitgemäße-^Reflexionen über die uns mit unseren deutschen Cöllegen ׳ gemeinsamen Fragen anknüpfen, l--- Wenn-die jüdischen-Cultusbeamten, heißt es daselbst, eine gebührende Würdigung ihres Berufes anstreben, so ist das ihr Recht Ändihre Pflicht. Es ist ihr Recht: denn ihr Beruf darf zu ״den erhabensten gezählt , werden, weil ihre Lebensaufgäbe׳ ist,als Religionslehrer und Vorbeter, der׳ Jugend wie der- Erwachsenen. Herz für das Höchste empfänglich zu -machen;, weil 'es ihnen,' gleich'den alten-Leviten, obliegt^ das Geinüth des - Hörers-- würdig- .vorzubereiten . fürdas darzubringende Gebetopfer-,- 'das'׳zu bmpfantzende - Priesterwort.!: Esist aber auch ihre P f l i ch t-: weil :ihre Berufsthätigkeit in: großen Kreisen nicht׳'jene Würdigung findet, die-: sie-beanspruchen kann, und weil r eine fortgesetzte!Unterschätzung eines--Standes - für den-׳ selben:verderblich-werden, muß. - . - *) Verlag von Alfred H. Fried & Co., Berlin, W. 35, Potsdamerstr. 27. Es kann darum auf die hohe Bedeutung des jüdischen Cultusbeamten, im engeren Sinne des jüdischen Cantors, nicht genug oft und nachdrücklich hingewiesen werden, namentlich gegenüber jenen Gegnern unseres Standes, die unter Hinweis auf den Gottesdienst in der Kirche, der ja ohne singenden Vorbeter ein erbaulicher ist, die Reducirung oder sogar völlige Abschaffung der cultuellen Thätigkeit des Vorbeters fordern. Diese 'Anschauung, die unter den Rabbinen religiös-fortschrittlicher Richtung so manchen Verehrer hat, findet in der Broschüre eine schlagende Widerlegung, und College Levin weiD gerade durch die Eigenthümlichkeit und innere Wesenheit des jüdischen Gottesdienstes die absolute Nothwendigkeit des Vorbeters nach. Der Jude, sagt er, geht mit einer anderen Absicht und zu einem anderen Zwecke in die Synagoge, als der Christ im die Kirche. Dieser begibt sich in das Gotteshaus, um sich zu erbauen, jener aber um zu bete n. Erbauung ist eine untergeordnetere Stufe als Gebet; man kann sich allezeit und allerorten erbauen, nicht immer und nicht überall zum Gebete ftimmen lassen. Erbauung ist nur die Vorstufe, welche zum Gebete: führt; jene ist Vorbereitung, dieses der Act; Erbauung — das Mittel, Gebet — der Zweck. ׳ Und was ist das Gebet? Diese Frage erläutert der Autor nach Michael Sachs in folgender Weise: ״Meint Ihr das Wort der Lippen^ das äußerlich wird abgelesen, während im Innern andere Gedanken, andere-Sorgen und andere Fragen sich tummeln? Nein! Es ist das Gebet — da der ganze Mensch ein Saitenspiel, ein Toirzeng ist, auf dem ritz heiligen Accorden seines Gottes Preis und Ruhm erklingt, da sein Herz eine H a r f e wird . und tönet und klinget; dir jedo Fiber und jede Faser an ihm schwingt undzuckt in heiligen Schauern!" . Ein Tonzeug׳, eine Harfe muß gestimmt worden; und soll das. Menschenherz sich zum Gebete und im Gebete in eine Harfewandeln, so muß. auch dieses gestimmt werden. Nicht aber; - durch die Orgel oder eines anderen Instrumentes metalleneu Klang, nur-durch die Menschenstimme!- Sie ist das Erschütterndste, sie ist in erster Reihe berufen, zu dem Menschen zu - reden; nur. ihr Klang; verbunden mit einem innigen und sinnigen, von dem Vortragenden wie von den Hörern verstandenen Worte wird niemals den Eindruck verfehlen. U n