Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 32 (11.12.1891)
- Date
- 1891-12-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Präimmrrrllions-Preis. Kür ßanloreu und tzultusöeamle in Hekerreich-Zlngarn j Ganzjährig.fl. 4.— Halbjährig . . . .fl. Kür ßanloren und HuNusöeamte im Anstand Ganzjährig.8 Mark oder 4 Rubel. Kür Arivate und Instilute Ganzjährig.fl. 6.— Oexrtra.l-Org'a.in. für die InkerrMn der Cantoren und Cultusbeamtrn. Erscheint je-en zehnten Tag. . .-- Begründer: Obercantor Jacob Bauer. Htedaclion j. Administration! Wir» II. Novaragaffe Nr. 2?. f Inserate!! werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht! retournirt. Abonnements- und JnsertionLbe-! trüge sin» in Wien zahlbar. j: Nr. 32 Wien, 11. Derember 1891. 11. Jahrgang. Zeilgmaße Ketrachlungen über-en Canlorrnstand. Von einem Rabbiner. Geehrter Herr Redaclcur! Erlauben Sie mir gütigft, die Erfahrungen die ich während meiner vieljährigen Amtswirksamkeit über den Cantorenstand gemacht habe, in Ihrem geschätzten Blatte mitzutheilen, und es sei mir dabei gestattet, offen und ehrlich zu reden. Vor Allem muß ich von dem unangenehmen Eindrücke sprechen/ den ich empfienU^Äs^M^üiahreM-meines^ jüngsten- Aufenthaltes in Wien mich in Ihrem Redactionslocale befand und von vielen Ihrer Berufsgenossen, die aus den verschiedensten Ländern daselbst vorsprachen, das gleiche Lied anstimmen hörte. Welch bedauernswerther Stand ist noch immer der des israelitischen Cantors und Vorbeters! dachte ich, als da Cantoren und Vorbeter aus Oesterreich, Ungarn und auch Deutschland in gleiche Klagen über die Handlungsweise ihrer Gemeinden ausbrachen.? הצרי אץ בגלעד Gibt es denn kein Heilmittel für die Leiden derer, die für alle ihre Tempelkinder beten und auch in der trübsten Stimmung, in welcher sie sich befindenbeflissen sein müssen, ihre Zuhörer höher zu stimmen, sie zu erheben und zu beleben? Cantor N. N., so hört man manchmal, ist das nicht, was man von ihm erwartete! Warum sind die Gemeinden nicht vor- und umsichtiger bei der Wahl? Bei einer Rabbiner« Wahl kann sich eine Gemeinde irre leiten lassen durch dies oder jenes — beim Dorbeter jedoch, dessen Stimme beinahe Jeder zum Theile beurtheilen kann, dürfte das nicht so oft Vorkommen. Und doch -sind die Herren Rabbiner geschützt vor vieler Unbill, welcher die Cantoren ausgesetzt sind. Wie's heute noch dem Cantor geht — wir hoffen, es wird auch da bald besser werden —so gieng's vor nicht langer Zeit Leu israelitischen Lehrern, die jedes halbe Jahr den Wanderstab ergreifen mussten — bis endlich ein weises Landesgesetz kam und sie in Schutz nahm. . Es wäre sehnlichst zu wünschen, dass auch die Cantoren, die Vorbeter,, überhaupt alle israelitischen Gemeindebeamten in allen Gemeinden dasselbe Recht hätten, das Rabbiner und Lehrer genießen. Es werden wohl viele Standesgenossen sein, die beim Lesen dieser Zeilen denken: Mich und meine Gemeinde berührt das nicht. Wir sind in intelligenten oder in alten und großen Gemeinden, denen derlei Gebühren fremd ist. Und doch müssten die, welche ein besseres, glücklicheres, ja beneidenswerthes Los haben, in erster Reihe sich der unglücklichen Berufsgenosfen annehmen und ihnen zu dem verhelfen, was sie breits besitzen. In erster Reihe, die Herren Cantoren in den Hauptstädten, die nahe an der Quelle des Rechtes und Gesetzes weilen, müssten diese gerechte Sache in die Hand nehmen und nicht eher, ruhen, Ms alle ihre Brüder, ihre Standesgenossen, in den Besitz dessen gelangen, wonach sie sich sehnen. Brld> das sch hier^entworsen, hat jedoch auch seine Kehrseite. Viele Cantoren unserer Zeit sind nicht nur im Gottes- Hause, was geregelten Gottesdienst und Fachkenntnis betrifft, tüchtiger als die früheren Chasaninr, die zumeist von Natur begabte, doch weniger geschulte Fachmänner waren. Die echten und rechten Cantoren sind auch im Privatleben bestrebt, durch ihr Thun und Lassen, durch ihren Lebenswandel sich Beifall zu erwerben. Wir begreifen nicht, wie's gekommen, dass unsere Vorbeter, die im Gotteshause den größten Wirkungskreis hatten und auch heute noch haben, in ihrem Privatleben nicht immer so waren, wie sie sein sollten. Nehmen wir noch dazu, dass in vielen Gemeinden der Cantor auch mit der 8oll66trita. betraut war, was kein Geringes ist, denn unter den jüdischen Gemeindebeamten hat der 86i106k6t viel des praktisch religiösen Lebens in der Hand. Wenn nun sein Leben nicht im Einklänge ist mit dem heiligen Amte, das er versieht, wie soll man ihm mit Beruhigung für die Dauer das Heiligste, den Gottesdienst und das jüdische Haus, anvertraueu? Cantoren, Lehrer und Rabbiner werden es aus Ersahrung wissen, dass man schwer zu einer neuen Stelle gelangt. Hat man jedoch eine solche erlangt, so hängt es in den meisten! Fällen von dem Betreffenden ab, sich die Stelle für die Dauer zu j erhalten. Erfüllt man treu und gewissenhaft die Pflichten, die mau > übernommen, ist man eifrig bestrebt, durch sein Leben und! Streben 21הן ושבל טוב בעעי אלהים 7א zu finden, wie's der Weise j uns an's Herz legt, was im Allgemeinen, besonders aber für! Gemeindebeamtc kein leeres Wort sein darf, dann wird es zu > den seltenen Fällen gehören, dass eine Gemeinde gegen Einen,