Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 31 (1.12.1891)
- Date
- 1891-12-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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so hat er während meiner 32jährigen Lehrerlaufbahn nur darin bestanden, dem Vaterlande gute Patrioten zu erziehen. Ich danke nochmals für Ihre ehrende Aufmerksamkeit." Wrody, 21. November. Aus demsGouvernement Wilna wird gemeldet : Auf eine anonyme Anzeige aus Wien hat der Gouverneur veranlasst, dasß Sei den Juden des Städtchens Chmelnit Hausdurchsnngen gehalten werden. Das Ergebnis derseben war, dass man mehrere Stück Photographien des Baron Hirsch mit der Aufschrift ״Kaiser der Juden" in Beschlag nahm. Gegen die Besitzer solcher Bilder sollte wegen Hochverrates gerichtlich vorgegangen werden. Die Untersuchung hat jedoch Folgendes festgestellt: Die bezeichneten Photographien wurden von unbekannter Hand den Leuten in's Haus gestellt. .Dieselben sind durchaus Wiener Fabrikat und zeigen dieselbe Marke wie jene Photographien mit dem abgeschlachteten Kinde, welche vor einiger Zeit auf Corfn die traurigsten Judenecexesse zur Folge hatten. Offenbar hatten es die Wiener Absender der. Photographien darauf abgesehen, die Juden im Gouvernement Wilna in's Verderben zu stürzen. In Folge dieses Sachverhaltes wurden die bereits in Haft befindlichen Juden wieder freigelaßen. Magdeburg. Die hiesige israelitische Wochenschrift reproduzirt einen Artikel, den der ״American Jsraelite" aus der Feder eines christlichen Verfassers unter dem Titel ״Die Juden und der Antisemitismus" jüngst veröffentlichte. Einige interessante Stellen , seien in Nachfolgendem wiedergegeben: ״Der jüdische Stamm ist der älteste sowohl an Geistesbildung als an Jahren. Das Alter und die ununterbrochene Fortdauer der geistigen Entwicklung der Juden erklären deren Stellung in der bürgerlichen Gesellschaft. Obschon harten und grausamen Verfolgungen ausgesetzt, behalten die Juden dennoch ihre große regenerative Kraft. ״Am Tage, als die Gitter ihrer Kerker niedergerissen wurden, retteten. sie sich zu uns." Diese regenerative Kraft verdanken sie hauptsächlich ihrer geistigen Entwicklung. Ihr Jntellect überragt ihre Persönlichkeit. Daher kommt es, dass sie sich so rasch jeder Umgebung anpassen können. Außer dieser Adaptabilität zeichnet sich ihr Jntellect durch Helle Klarheit, Bestimmtheit und Correctheit aus. Der jüdische Jntellect ist ein Präcisionsinstrument und hat die Genauigkeit einer Scala. Dieses bemerkens- und in mancher Hinsicht beneidenswerte Characteristicum resultirt direct aus den vergangenen Jahrhunderten. DieVorfahren der Juden waren Pfandverleiher, Geldwechsler, Handelsleute ans der zweiten Hand, Factoren u. s. w. Beim Betreiben dieser Erwerbszweige lernten sie die Menschen und die Dinge kennen. Es ist jedoch hierbei zu bemerken, dass die Handelsleute nicht ihre ursprünglichen Vorfahren waren. Die Inden waren Gelehrte lange bevor sie Geschäftsleute wurden. Der Gelehrte personificirt die Tradition Juda's, des eigentlichen Jsraelsgeistes, während der Handelsmann nur die Beschäftigung repräsentirt, welche wir Christen den Juden aufgedrungen haben. So haben die Juden allezeit gestrebt, ihr Wissen zu vermehren,' und wenn sie gezwungen wurden, ihre zeitweilige Heimat zu verlassen, haben sie nie vergessen, ihre Bücher mitzunehmen. Das Kapitel bei Leroy-Beaulieu über die Geistesentwicklung der Juden sollte aufmerksam gelesen und beherzigt werden. Es enthält sehr wichtige Lehren für die hentigen Juden: Mögen sie bedenken, dass Israel seinen heutigen Standpunkt der intellektuellen Kraft seiner Vorfahren verdankt und dass es nur durch Erhaltung seiner geistigen Ueberlegenheit hoffen darf, seine großen Vorzüge zu behaupten. Jeder jüdische Vater ist es seinen Kindern und seiner Religion schuldig, seinen Sprößlingen die bestmöglichsten Vortheile zu verschaffeu, welche Unterricht und Erziehung ihnen gewähren können." Köln. Die ״Kölnische Zeitung" veröffentlicht ein Gespräch, welches ihr Correspondent in Constantinopel jüngst mit dem Großvezier Djevad Pascha hatte. Dieser habe in Bezug ans die Masseneiwanderung der Juden in der Türkei ausdrücklich erklärt, es sei nicht Unduldsamkeit oder Hartherzigkeit, die den Sultan veranlasst hätte, Maßregeln dagegen zu treffen, sondern im Gegentheil, der Sultan empfinde aufrichtiges Mitleid für die unglücklichen Juden, es betrübe sein warmes Herz, dass er durch die schlechten Gesundheitsverhältniße von Constantinopel und anderer Hafenstädte gezwungen sei, ein Verbot gegen die Masseneinwanderung zu erlassen. - Wans, 12. November. In der heutigen Sitzung der D.eputirten-Kammer interpellirte Laur über die financielle Krisis und klagte den Finanzminister Rouvier an, er liefere die Finanzen Frankreichs den Juden und den fremden Anleihen aus. Laur verlangt die Ausweisung der jüdischen Bankiers. Rouvier erwiderte, er werde auf einen derartigen Vorschlag nicht antworten. Eine Goldentziehung sei in Frankreich nicht vor- Händen, der Goldbestand der Bank von Frankreich sei vollständig normal, die Finanzen Frankreichs würden mit Klugheit und Anstand geleitet. Er werde sich nicht so weit erniedrigen, mit Laur darüber zu discutiren. Was das Haus Rothschild angehe, welches Laur beschuldige, auf eine günstige Gelegenheit zu warten, um seinen Sitz außerhalb Frankreichs zu verlegen, so dürfte es doch nicht im Interesse Frankreichs liegen, den Pariser Markt eines so mächtigen Factors zu berauben. Die Kammer nahm hierauf mit 431 gegen 32 Stimmen die einfache Tagesordnung an. London. Vor Kurzem starb hier eine Dame mosaischen Glaubens, Gattin des bekannten Arztes Dr. Davis. Auf dem ׳ Todtenbette nahm die Frau ihrem Gatten das Versprechen ad, dass er ihre Leiche werde verbrennen lassen. Dr. Davis wollte diesen Wunsch seiner Gattin erfüllen und suchte beim Consistorium um die Erlaubnis an, die Asche auf dem jüdischen Friedhofe beisetzen zu dürfen. Allein der Ober-Rabbiner von London Dr, Adler erklärte, dass sowohl die jüdischen Glaubenssatzungen als auch die Tradition die Bestattung der Leiche vorschreiben, die Leichenverbrennung dagegen als unwürdig und gottlos verpönen. Auch seien das Begräbnis und die Ruhestätte des Todten auf einem jüdischen Friedhofe oft das einzige Band, das den Juden an seine Glaubensgenossen binde. Auf Ansuchen des Dr. Davis traten die Rabbiner von London, Liverpool und Manchester zu einer Berathung über die Angelegenheit zusammen. Die Conferenz entschied, dass die Beisetzung der Asche auf dem jüdischen Friedhofe zu gestalten sei, doch erklärten die Rabbiner ausdrücklich, dass sie mit dieser Concession an Dr. Davis durchaus nicht die Leichenverbrennung für erlaubt, sondern nach wie ,vor für unstatthaft betrachten. : Amsterdam. Die Königin - Regentin überwies dem jüdischen Verein ״Chiimiich. Haneorim“ den Betrag von 100 Gulden als Geschenk. Publikationen des ״österreichisch-ungarischen Cantoren-Bereines". Weremsbeiträge. Brunner, Jglau fl. 6; Rosenberger, Komotau fl. 1 50; Schlesinger, Wien fl. 3; Körner, Smichow fl. 3; Gruschka, Kromau fl. 1 50; Neumann, Hollabrunn fl. 1 50; Blum, Schlanfl. 1 50; Bermann, Böhm. Leipa st. 1 50; Saller, Breitenbrunn fl. 1 50; Rosenbaum, Graz fl. 4; Weiß, Brandeis fl. 4 50; Papo, Wien fl. 4 50; Rotter, Polna fl, 3; Kraus, Veröcze fl. 6: Friedländer, S. Bolhas fl. 1 50; Friedmann, Brestovatz fl. 1 50; Kohn, Rakonitz fl. 3; Krämer Freudenthal fl. 4 50; Schischa, Wilhelmsburg fl. 1 50; Hirsch, Wien fl. 3; Thaler, Oedenburg fl. 4;Haas, L. St. Miklos fl. 1.50; Grünhut, Gran fl. 3; Weiß, Neusohl fl. 4; Schönfeld, Tab fl. 3; Kohn, Janoshaza fl. 1 50; Guttmann, Prag fl. 3.50; Salomon, Wien fl. 6; Hahn, Tetschen fl. 2; Kornitzer, Wien fl. 3; Weiß, Tobitschau fl. 3; Blatt, Wien fl. 3. Pflichtbeiträge für die Wittwe Beutler: Weiß, Tobitschau; Schlesinger, Wien; Rosenbaum, Graz; Weiß, Brandeis; Papo, Wien; Kraus, Veröcze; Friedmann, Brestovatz; Krämer, Freudenthal; Bauer, Wien; Stransky, Bernarditz; Hirsch, Wien; Thaler, Oedenburg; Grünhut, Gran; Weiß, Neusohl; Schönfeld, Tab; Guttmann, Prag; Fleck, Wien; Kornitzer, Wien. M. Matt, Cassier, Wien, H., Tempelgasse 3: