Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 27 (23.10.1891)
- Date
- 1891-10-23
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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7׳ — Vorstände beruhigten das Publikum, wodurch eine Panik verhütet wurde. Man verständigte das Polizeicommissariat von dem Vorfälle. Es ist kein Zweifel, dafs die Steine nicht von cher schmalen Blüthengasse aus durch das ziemlich hochliegende; Fenster geworfen worden sein konnten, sondern dass der Stein- Wurf vermittels einer Schleuder von einem gegenüberliegenden Hause aus geschah. (Diese Vermuthung fand ihre Bestätigung, als die Polizei am nächsten Tage zwei jugendliche Individuen im Alter von 9 und 14 Jahren verhaftete, welche gestanden. Mittelst einer Schleuder die Steine geworfen zu haben. Im' Wahlbezirke Schneiders darf man sich über solche Rohheiten nicht wundern. Die Red.) Budapest. In Tapio-Szele vredigt im dortigen Tempel der neologen jüd. Gemeinde ein Rabbiner Lichtenstern die Identität der jüdischen Religion mit der des Christenthums. Der Sohn dieses Mannes ist Irrenarzt in Budapest und behauptet, dass sein Vater krank sei. Soviel wir wissen, ist Lichtenstern mit den Missionären innig liirt. Dieselben versuchen es in Ungarn, wo die Assimilation florirt, mit diesem hochassimilatorischen Rabbiner, während sie in Rußland, wo das Judemhum national geworden ist, die famose ״national-jüdische christgläubige Bewegung" unter Leitung des famosen Rabbinöwitsch aus Kischineff angezettelt haben. Lemberg, 15. October. Wie man dem Przeglond aus Petersburg berichtet, soll der erste Gegenstand, mit dem sich der demnächst zusammentretende russische Reichsrath befassen wird, . ein die Verhältniße der russischen Juden regelndes Gesetz sein. An die Mitglieder des Reichsrathes wurden bereits vertheilt: der Bericht der früheren, für die Judenfrage eingesetzten Commission, welche von 1883 bis 1888 unter dem Vorsitze des mittlerweile verstorbenen Justizministers Graf Pahlen tagte, und der Bericht der neueren Commission, deren Vorsitzender der seinerzeitige Minister-Gehilfe v. Plehwe war. Als Beilagen zu diesen Berichten wurden versendet: ein Gutachten von Staatsmännern über die Juden und deren Charakter-Eigenschaften; Uebersetzungen der in anderen Staaten geltenden anti-jüdischen Gesetze und die von den russischen Gouvernements-Chefs ausgefüllten Fragebogen, in denen fast alle Gouverneure Specialgesetze für die Juden und eine Beschränkung der Rechte der jüdischen Bevölkerung empfohlen haben. Unter den Beilagen befinden sich auch Referate über Gutachten, welche verschiedene jüdische Vereine und Corporationen über die gegen die Juden gerichteten russischen Gesetze abgegeben haben. Diese Vereine forderten ausnahmslos die Aufhebung der für die Juden auf ' allen Gebieten, insbesondere aber im öffentlichen Unterrichts-; wesen bestehenden Beschränkungen. Das von der Commission nunmehr vollständig ausgearbeitete Judengesetz wird im Falle der Annahme durch den Reichsrath dem Czar zur Genehmigung vorgelegt werden. Lemberg. Herr Ministerialrath v. Korhtowski, Chef des Finanzministeriums, ist hierher versetzt worden, wo er an der Spitze der Finanzverwaltung für Galizien treten wird. Diese Ernennung wird für die jüdische Bevölkerung des Landes von großem Vortheil sein, denn Herr v. Korytowski, welcher große Sympathien für die Juden hat, ist mit deren Verhältnißen aus persönlicher Berührung sehr vertraut; er spricht ihren Jargon, als wenn er in demselben Cheder unterrichtet worden wäre, um, was immer erfreut, sich amtlich mit jüdischen Bittstellern aus Galizien in deren Sprache unterhalten zu können. Die Fertigfeit, mit welcher er jüdisch spricht, hat die Leute oft in Erstaunen gesetzt. Merlin, 20. October. Heute begann hier eine vom geschäftsführenden Ausschüsse des deutschen Central-Comites für die russischen Juden einberufene, sehr zahlreich besuchte Vertrauensmänner-Versammlung aus Deutschland und dem Auslande ihre Berathungen. Vertreten sind Nordamerika, Frankreichs Dänemark, Holland, Oesterreich-Ungarn, ferner alle größeren Städte Deutschlands. Die Versammlung wählte zu Präsidenten: Justizrath Meyer (Berlin),. Dr. Goldmann (New-3)ork), Loeb (Paris), Dr. Stern (Wien), Simonsen (Kopenhagen, zum stellvertretenden Präsidenten Commercienrath Goldberger (Berlin), zu Schriftführern Carl Emil. Franzos (Berlin), -Rechtsanwalt Breslauer (Berlin), Dr. Goldzieher (Budapest), Dr. Bamberger (Königsberg). Eine Eröffnungsrede des Vorsitzenden leitete die Verhandlung ein. Maris. In Anwesenheit zahlreicher Mitglieder der Aristokratie und der diplomatischen Welt fand am Donnerstag den 15. d. M. um 1 Uhr Mittags im israelitischen Tempel ׳ in der Rue de la Victoire die Trauung des Grafen Morse de Camondo mit Comtesse Irene Cahen-d'Anvers statt. Trauzeuge des Bräutigams war der neuernannte italienische Botschafter in Constantinopel, Herr Reßmann, Trauzeuge der Braut deren Onkel Graf Albert Cahen-d'Anvers. Unter den zahlreichen Hochzeitsgästen befanden sich: Prinz und Prinzessin Ferdinand de Lucinge, der türkische Botschafter Essad Pascha, ferner Aristarchi Bey, Graf und Gräfin von Brevern, Baron Beyens, Missak Effendi, Graf Raphael Cahen-d'Anvers, Graf Nissim Camondo, Baron Lambert, Maurire Ephruffi, Baron und Baronin Günzburg. Graf und Gräfin Rattsbonne, Graf Florian de Kergorlay, Admiral Layrle, Herr und Madame Joubert, der Leiter der öffentlichen Rettungsanstalten Dr. Nachtel, Herr und Madame Louis Ganderax, General Galliffet, Schriftsteller Paul Hervien und Andere. — Die Einsegnung vollzog der neue Groß-Rabbiner von Paris, Dreyfuß, der in einer Ayspräche die beiden Familien des Paares feierte. Während der Trauungsceremonie erecutirten Orgel, Chor und Orchester wirkungsvolle Hymnen, ״Die sieben Segenswünsche" und ״Hallelujah". Beides von Baron Erlanger componirt. Es ist dies eine schöne Sitte, die namentlich in sephardifchen Gemeinden gepflogen wird, dass ein Freund des Hauses die Tranungsgesänge widmet, und erinnert mich an einen gleichen Vorfall in der Wiener sephardifchen Gemeinde, da Herr Heinrich Elias zur Hochzeit seiner Verwandten zwei Psalmen componirte, die in ihrer Wirkung die Erlanger'schen Compositionen noch übertreffen, Nach der Feierlichkeit verfügte sich der Zug unter den Klängen des Hochzeitsmarsches aus ״Lohengrin" in den Gratulationssaal, wo die Neuvermählten die Glückwünsche der Gäste entgegennahmen. Die Hochzeitsfeier schloß mit einem Festmahle im Palais der Eltern der Braut in der Rue Bassano. London, 12. October. Heute, als am israelitischen Dersöhnungsfeste, wurde in sämmtlichen Synagogen Englands ein Ausruf verlesen, in welchem die Bekenner des mosaischen Glaubens zu Unterstützungen für die aus Rußland veririebenen Juden aufgefordert werden. Der Aufruf schildert in ergreisenden Worten die Leiden der Unglücklichen. Hier in London haben sofort nach Verlesung dieses Appells an die Humanität Lord Rothschild 10.000 Pfund Sterling, Mr. Julian Goldsmith 3000, Mr. Raphael und Sohn 4000, Mr. Samuel Montagu 2000 Pfd., zusammen ungefähr 230.000 fl. gezeichnet. Ebenso wurden in allen englischen Städten, wo der Aufruf verkündet wurde, größere und kleinere Summen gezeichnet. Es verlautet, dass Cardinal Manning, ferner die Erzbischöfe von Canterbury, Manchester und Liverpool sich erbölig gemacht haben, denselben Ausrus von den Kanzeln der Kirchen in ihren Diöcesen verlesen zu lasten und die christliche Bevölkerung Englands zur Theilnahme an diesem Werke der Humanität aufzusordern. London- 16. October. Die jüdische Kolonisations-Gesellschast hielt gestern ihre erste Versammlung unter dem Vorsitze des Parlamentsabgeordneten Sir Julian Goldsmith ab. Die Verhandlungen waren formeller Natur, indem der Amtsbereich der Mitglieder des Rathes und der Direktoren festgesetzt wurde. Der anwesende Vertreter des Baron Hirsch, Herr Dietz, theikte mit, wie weit es mit dem Landankauf für die beabsichtigten Kolonien gediehen sei. Än Ne geehrte« Herren Momente», die in Iotge angestrengter Merufsthätigkeit in den fetzten Gagen an der Hinfendnng des Mrännwerationsvetrages Mr das nene Huartat verhindert warenrichten wir die dringende Mitte, nunmehr mittelst MostanweiMng das Merfänwte umgehend «achznhoke«. Die Administration.