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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-10-11 · Heft 26 (11.10.1891) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 26 (11.10.1891)
Date
1891-10-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Pränumerations-Preis. Kür ßantoreu uni» ßuttirsSeamle ׳ in Hesterreich-Ztngarn Ganzjährig.fl. 4 — Halbjährig.fl. 2.— Kür ßantoren und HullnsSeamle im Anstand Ganzjährig ..8 Mark oder 4 Rubel. Kür Frivate und Ankitute Ganzjährig.fl. 0.— Oexxtra״l-Org־a.x1 für die Inlereflrn der Cankvren und Cuüusbeamien. Erscheint jeden zehnten Ta9. -- Begründer: Obercantor Jacob Bauer. | HLedaction und! Administration Mrn II. Nouaragasfe Nr. 27. 3 n \ 1r n t c I werden billigst berechnet.! j Mcmuscripte werden nicht 1! retournirt.! Abonnements- und Jnsertionsüetrage sind in Wien zahlbar. Nr. 26 Wien, 11. Oktober 1891. 11. Jahrgang. Prsmimeralioiis-Ekilladunsi. Wir ersuchen um umgehende Erneuerung des Abonnements für das IV. Quartal und prompte Einsendung des j)rän umerations-Betrages. Die Administration. Felkrlagsvetrschlmigkn. Wieder ist ein Jahr im Strome der Zeit dahingeschwünden, ein großer Abschnitt im Leben des Menschen, ein Nichts in! der Ewigkeit vor Gott. Wie viel Glück und Unglück, wie viel Schmerz und Freude, wie viel Kummer und Seligkeit, wie viel Barbarei und Menschenfreundlichkeit drängt sich in dieser Spanne Zeit zusammen! Wie viel Kämpfe wurden gekämpft, wie viel Schweiß ist geronnen, wie viel Thränen wurden vergossen! Und wieder sind die hohen Festtage gekömmen, an denen der Jude hintritt vor seinen Schöpfer, um in inbrünstigem Gebete ihm zu danken für das Glück und das Unglück, das ihm zu Theil geworden; denn auch das Unglück theilt uns der Allgütige weise zu, damit es zu unserer Verbesserung und Veredlung beitrage. Hoch und Nieder, Reich und Arm, Jung und Alt, Alles, was den Namen ״Jude" trägt, eilt dem Gotteshause zu, verbringt die hohen Festtage in Gebet und Fasten und vergisst an alles Ungemach, an alles Elend, das vielleicht draußen in der Welt seiner harrt. Alle Juden sind an diesen Tagen ein Volk von . von Brüdern, ein Band umschließt sie Alle, das mächtiger ist als der Hass und die Verfolgung, der Neid und die Scheelsucht, die es zu sprengen suchen. Wird es doch zusammengehalten durch das herrliche, echt patriarchalische Familienleben, wie es nur den Juden, dem Judenthume — und dies müssen sogar unsere heftigsten Widersacher eingestehen — zu eigen ist. Und an diesen Tagen zeigt es sich in seinem schönsten Lichte. Alles, Groß und Klein, Kinder und Enkef umdrängt den geliebten Vater, den ehrwürdigen Großvater, der die bebenden Hände auf die geliebten Häupter derSeinigen niederlässt, und in der geheiligten Sprache der Väter den Segen des Himmels auf sie herabfleht. Hier athmet alles Weihe und Frieden. Ja wohl, das echt patriarchalische Familienleben haben die Juden aus der herrlichen Schatzkammer ihres alten jüdischeu Dolksthumes gerettet, als unschätzbares Kleinod und An' denken an jene Zeit, wo sie noch nicht das unglückliche Volk waren, das sie jetzt sind, wo sie noch nicht dem Spotte, der Verfolgung, dem Elende preisgegeben, in der Welt zerstreut umherirrten, an jene Zeit, wo sie die Herren eines fruchtbaren Landes, eins in Sprache und Sitten, in Gewohnheiten und Gebräuchen, noch kein zweitausendjähriges Martyrium hinter sich hatten. Damals stand noch der herrliche Tempel, die stolze Zionsbürg, und in gewaltigen Schaaren strömte das Volk aus alten Gauen des heiligen Landes zusammen, um die Feier der hohen Festtage vor dem Herrn der Heerschaaren zu begehen. Und damals war es der Hohepriester, der als Vertreter des Volkes dem Allgütigen die Opfer darbrachte. Nur er durfte das Allerheiligste, betreten, um von dieser Stätte seine Gebete für das Wohl des Volkes zu Gottes Thron emporsteigen zu lassen. Und diese Herrlichkeit ist dahin, entschwunden ist die Pracht und Größe Israels, zertreten und zermalmt sind die Fluren und Gefilde seines Vaterlandes, nach dem es noch jetzt in wehmüthiger Erinnerung blickt. Dahingesunken sind die Städte unter dem wuchtigen Schritt der römischen Kriegsschaaren, nur Staub und Asche, spärliche Manerreste zeigen die Stelle, wo einst die Herrlichkeit Gottes thronte. Aber der Gottesglaube hat Israel in seinen Leiden aufrecht erhalten und gestärkt, ihm sein Martyrium erleichtert, er war ihm eine unversiegbare Quelle der Begeisterung und freudiger Hoffnung. So wie früher das Opfer, so vereinigt jetzt das Gebet die Kinder Jakobs. Und wie einst der Hohepriester an den hohen Festtagen vor das Allerheiligste hintrat und inbrünstiges Flehen für Israels Heil und Wohlfahrt zum Throne Gottes emporsandte, so tritt jetzt der Cantor vor den Altar hin mit den Worten: ״Rachem olai u’schma tefillossi hajom, a8cher espallel baadi u’wead bessi u’wead edossi. Erbarme dich meiner und erhöre mein Gebet für mich, mein Haus und meine Gemeinde". Uud wenn es auch von mancher Seite als eine Anmaßung gekennzeichnet wird, dass der Cantor sich als Nachfolger des Hohenpriesters betrachtet, so zeigt dennoch schon dieses Geber allein, dass wenigstens zum Theile jene Würde auf ihn übergegangen, die Gott einst Aaron und seinem Hause verliehen hat. Groß und erhaben ist daher die Aufgabe, die uns an

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