Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 24 (21.9.1891)
- Date
- 1891-09-21
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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übesetzt und kritisch erläutert, 1871, ״Les Juifs d’Espagne“, 1872, mehrere werthvolle Programmarbeiten (in den Jahresberichten des Seminars) und zahlreiche Abhandlungen in verschiedenen wissenschaftlichen Zeitschriften. Nach dem Tode Frankel's übernahm Graetz die Redaction der von diesem ins Leben gerufenen Monatsschrift für die religiösen Interessen des Judenthums und lieferte einen großen Th eil der Beitrage zu derselben. Zu erwähnen ist besonders von seinen exegetischen Studien, denen er sich insbesondere in der letzten Periode seines Lebens züwendete, der kritische Commentar zu den Psalmen, Breslau 1882—83. Das Hauptwerk seines Lebens, das seinen wissenschaftlichen Ruf begründet hat und dauernd sichert, die ״Geschichte der Inden", ist bereits in dritter Auflage erschienen und hat dadurch, dass es zum Theil ins Französische, Englische, Russische und Hebräische übersetzt wurde, außerordentliche Verbreitung gefunden und den Namen des Autors weit über die Grenzen unseres Vaterlandes bekannt gemacht. Noch vor Kurzem hat Graetz unter dem Titel ״Volksthümliche Geschichte der Juden" einen Auszug aus dem größeren Geschichtswerk in 3 Bänden erscheinen lassen. Er war mit einer kritischen Bibelausgabe beschäftigt, als der Tod ihn ereilte. Die große Verehrung, deren er sich erfreute, gelangte wiederholt in anerkennendster und ehrenvollster Weise zum Ausdruck, besonders aber, als ein großer Kreis seiner College», Schüler und Freunde sich zur Feier seines 70. Geburtstages vereinigte und ihm eine Sammlung wissenschaftlicher Abhandlungen widmete, die nach dem von Rabbiner Dr. Joel verfassten Vorwort eine Huldigung für den großen Gelehrten sein sollte und ein Zeugnis, dass der hervorragende Mann nicht etwa erst von der Nachwelt gewürdigt worden, sondern schon in seiner Zeit die gebührende Schätzung erfahren. Hessen. Als Nachfolger des Obercantor Schönfeld wurde hier der Bruder des Cantor Engen Davidsohn in Frankfurt a. M. gewählt. Ein-- anderer Bruder ist erster Baryton am Prager Landestheater und der Vater Obercantor in Ostrowo. Hdeffa. Der kürzlich hier verstorbene General Gras Stroganow, unter Kaiser Nicolans durch 2 Jahre Minister des Innern, war einer der edelsten und gebildetsten Männer in Rußland. In Folge einer amtlichen Auseinandersetzung mit dem Czaren nahm er seine Demission und zog sich nach Odessa in's Privatleben zurück, wo er nur den Wissenschaften und wenigen Freunden lebte. Unter diesen war ein besonders Bevorzugter, ein Herr M. Dieser Herr M. war aber ein Jude, ans den, wie selbst der ״Grashdaniii״ zugibt, die ganze Menschheit stolz sein kann! Zur Zeit, als er noch Graf Lüders Obercommandirender in Odessa war, also während des Krimkriegss, bot Graf Lüders dem Inden M., den er persönlich kannte und schätzte, eine Lieferung für's Militär an. M. lehnte dieselbe direct ab und erklärte, dass er diese Art der Geschäftt nicht kenne und es daher für unehrlich halte, ein solches Geschäft zu übernehmen. — ״Sie können aber doch dabei eine Million verdienen. . ." — ״Ich brauche sie nicht", antwortete M. M. war anfangs in einem der Subhäfen Agent einer Dampfer- Gesellschaft, sparte sich dabei ein Capital von 60.000 Rubel zusammen und zog sich dann bereits hochbejahrt nach Odessa zurück, wo er das Geld bei einem Banquier deponirte. Kur; vor dem Tode Straganows ereilte seinen Freund ein Mißgeschick: der fünfundsiebzigjährige Greis verlor durch Insolvenz seines Banquiers sein ganzes Capital und wurde zum Bettler. Allein der greise Jude hielt den Schlag heldenmüthig aus, weder seine gute Laune noch sein Humor verließen ihn. Eines Morgens erscheint Graf Stroganow, der von dem Unglück gehörte hatte, bei seinem Freund und fragt ihn so leichthin, warum er so niedergeschlagen sei. — ״Ich weiß nichts davon," sagte M., ich bin derselbe, der ich war." — Der Graf wollte von ihm eine Mittheilung über das Unglück herauslocken und versuchte es auf verschiedenen Umwegen, allein M. ließ kein Wörtchen darüber fallen. Da nimmt Graf Stroganow ein Packet aus seiner großen Tasche und legt es auf den Tisch. — ״Was wollen Sie sich vor mir verstellen," sagte er, ״Sie haben Ihr ganzes Vermögen verloren, ich weiß es; nehmen Sie, bitte, diese 60.000 Rubel von mir an; in Ihren Jahren ist es schwer, sich an Armuth zu gewöhnen." — ״Graf," entgegnete M., ״wir sind miteinander lange Jahre befreundet; wie lange wir es noch sein werden, weiß ich nicht, allein so viel ich auch noch zu leben habe, ich will nicht, dass irgend jemand sagen oder denken könnte, dass Sie mich für die Freundschaft mit diesem Geld bezahlt hätten... Nehmen Sie das Geld wieder fort!" Der Graf, stolz auf sich und seinen Freund, begriff, dass sein Freund Recht hatte und nahm das Geld mit einer Entschuldigung zurück. Bald darauf erhielt aber M. in Odessa eine Anstellung, die ihm ein sorgenfreies Leben sicherte. Mewyork. Die Verwalter des Hirsch'schen Fonds haben eine erste jüdsiche Colonie in der Grafschaft Cap May im Staate New-Jersey gegründet. Die Colonie heißt Woodbine und besteht aus 5100 Acres Landes. Gemüsegärtnerei und Obstzucht werden einstweilen die Hauptbeschäftigung der Cotoniften bilden. Später will man Schuh-, Glas-und Tuchfabriken errichten. Die Colonie wird 250 Familien -zählen. Jeder Ansiedler muß 2000 Dollars bar besitzen. Er bekommt zum Kostenpreise eine Farm von 15 Acres und außerdem eine kleine Flasche für späteren Gebrauch, sobald er sich als Landwirth bewährt und es sich gezeigt hat, dass er nicht nur speculiren will. Ein Haus von 4 bis 6 Zimmer soll für jede Familie gebaut und den Ansiedlern Geld für den Anbau des Landes vorgeschossen werden. Dafür werden Grundstücke mit Hypotheken belastet zu einem fünfpercentigen Zinsfuß. In Woodbine werden zur Zeit Straßen gebaut und Brunnen gegraben. Zwei Häuser find schon fertig und bewohnt. Die Schule für die Kinder der Colonisten ist in Dennisville, drei englische Meilen entfernt._ Knapp vor den Hohr» Feiertage» beginnt das vierte Huartal dieses Jahrganges und wir ersuchen darum unsere geschätzten Leserdas Abonnement noch vor ראש השנה zu erneuern. Die pünktliche Ginzahlung des Uränumerationsbetrages ist um so dringender geboten, als der Keldeinlanf während der Sommerwonate ein sehr spärlicher war «nd die Wedaction aus die Einkünfte des neuen Hnartales angewiesen ist. Die Nedaction der _״OeßerreiMch-MMisckim Eantoren-Ieiiimg". Die geehrten Leser werden ersucht, den au die Medaction gerichteten Anfragen eine Wetonrrnarke beßnfs Meantwortung veizufchkießen. I>i!e Aedactisn. 99 LA IGLE« Französische Lebensversicherungs - Gesellschaft. Crewährleistungsfonds: 22 Millionen Francs. Versicherungen auf Abu. Erleben in allen Combinationen. Leibrenten etc. Gewinnbetheiligung mit jährlicher Auszahlung. Direction für Oesterreich: I., Schottenring 14. Mein Werk 99 Hadras Xodesch. I hat sich schnell bei den Kollegen des In- und Auslandes eingebürgert.; Dasselbe enthält, wie bekannt, leichte melodiöse Chöre, Solls, Rezitative | für den Kantor, Lieder und Gebete, liturgische Notizen etc., also den ganzen Kultus nebst Kasualien. Gegen Einsendung von 5 fi. ö. ־W. oder Nachnahme zu beziehen vom Herausgeber _ M. Tintner, Kantor und Lehrer iu Bnuzlau (Schlesien, Preussen). Kollegen in kleinen Gemeinden gewähre gern eine Ermässigun g .