Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 24 (21.9.1891)
- Date
- 1891-09-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Cantaren - Zeitung Pränumerations-Preis. Ziür ßantoreu und tzultusöeamte in Hekerrkich-Ztngarn Ganzjährig.fl. 4 — Halbjährig.fl. 2•— Kür (Satttoren und ßuttusSeamle im Anstand Ganzjährig ..... S Mark oder 4 Rubel. Kür private und Institute Ganzjährig.fl. G.— OerLtral-Org-a-n für dir Inkeresten der Cankoren und CuÜusbramtrn. Erscheint jeden zehnten Tag. Begründer: Obercantor Jacob Bauer. Mebactiorr j AdminiÜration Wie» | II. Novarag affe Nr. 27. i Znsera tc werden billigst berechnel. Mnnuscripte werden nicht retournirt. Abonnements- und Jnsertionsbeträge sind in Wien zahlbar. Ar. 24 ie n, 21. September 1891. 11. Jahrgang. Die wichtigsten Instilutionen -es Iudenlhums nach der Bibel, dem Talmud und den Aussprüchen der Weisen in Israel. Dargestellt von Dr. M. H. Fried! ander, Bez. - Rabbiner in Pisek. HI. Are Wohlthätigkeit. (Fortsetzung.) Die schönste, herrlichste und duftverbreitendste Blume in dem Kranze der Tugenden, die Israel schmücken, ist unstreitig die Wohlthätigkeit, die Humanität. Das Judenthum ist eine Religion der thätigen Liebe, torat chesed, seine letzten Ziele können nur durch Wohlthätigkeit erreicht werden, daher wird so oft, sowohl in der Bibel als in der talmudischen Litteratur, dem Bekenner des Judenthums eingeschärft, dass die Mildthätigkeit die vorzüglichste aller höheren Tugenden und Eigenschaften sei*). Wer im Ausüben wohlthätiger Acte unermüdlich ist, der beweist, dass er den höchsten Gipfel der Gottähnlichkeit erklommen und das biblische Wort ״Dem Ewigen eurem Gotte sollt ihr nachwandeln", d. h. wie der Talmud es erklärt, ״suche dir die Eigenschaften Gottes anzueignen, wie er barmherzig ist, sollst auch du barmherzig sein" u. s. w. (Sota 14) in seiner wahren Bedeutung zu erfassen und zu würdigen verstanden hat. Derjenige, der die ihm von Gott verliehenen Reichthümer nicht blos zur Befriedigung seiner und seiner Angehörigen Bedürfniße, sondern auch zum Nutzen und Frommen anderer Hilfsbedürftiger verwerthet und verwendet, verdient wahrhaft fromm genannt zu *) Von den zahlreichen diesbezüglichen Aussprüchen und Mahnungen mögen folgende hier reproducirt werden: Kräftigst unterstützen sollst du den Dürftigen, und dich es nicht verdrießen lassen, wenn du ihm gibst, denn nur deshalb wird der Ewige dein Gott dich in allen deinen Unternehmungen segnen. (5. M. 15, 10.) Die Tugend der Wohl- Ihätigkeit wiegt alle anderen Gebote auf. (B. Batra. 9.) Sie ist Werthvoller als alle Opfer, wer sie ausübt, erfüllt gleichsam die ganze Welt mit der göttlichen Gnade. (Succa 49.) Ist nicht das ein Fasten, das ich liebe: öffne die Schlingen der Bosheit, löse die Bande des Joches, frei entlasse Unterdrückte und jegliches Joch zerbreche! Nicht so? Brich dem Hungrigen dein Brod, unglückliche Verfolgte bringe ins Haus, so du einen Nackten siehst, bekleide ihn, und deinem Fleisch entzieh' dich nicht:' dann wird, wie Morgenröthe, dein Licht anbrechen und deine Heilung schnell , gedeib'n und vor dir zieht dein Heil daher, des Ewigen Herrlichkeit schließt deinen Zug. Dann rufst du an, und der Ewige erhört, flehest, und er spricht: ״Hier bin ich". (Jes, 58, 6-9.) Heil dem, der sich der Armen liebevoll annimnit, am Tage des Unglückes rettet ihn der Ewige. (Ps. 41, 2.) Nur wegen der Verdienste, die wohlthätig wirkende Menschen sich erwerben, speist, ernährt, erhält Gott der Herr die Welt in und mit Liebe (Ber. 7.) Die Wohlthätigkeit rettet vom Tode. (Spr. 10.) Werden, denn er handelt ganz im Geiste der Thora, die ausdrücklich sagt, ״nur deshalb hat dich Gott der Herr mit irdischen und zeitlichen Gütern gesegnet, damit du die Noth milderst und linderst", und ist berechtigt zu hoffen, dass er sich des göttlichen Beistandes auch fürder erfreuen und die Früchte seiner edlen Handlungsweise noch in spätesten Zeiten genießen werde. ״Versende deine Güter über das Waffe., im Laufe der Zeiten wirft du den Vortheil finden", (Kohel. 11, 1.) Das heißt mit anderen Worten: ״Irdische und zeitliche Güter sind nichtig, fiüchtig und vergänglich, die Wohlthaten hingegen, die der Begüterte, so lange er sich der Reichthümer erfreut, ausübt, sind unverwüstlich, unzerstörbar und nutzbringend für seine spätesten Nachkommen. Rabbi Chia ertheilte seiner Gattin folgende Lehre: ״Wenn du siehst einen Armen sich deiner Thüre nähern, so warte nicht, bis er anpocht, sondern eile ihm entgegen und reiche ihm rasch ein Stück Brod, damit man einst auch deine Kinder auf solche liebenswürdige Weise unterstütze." ״Aber, Mann," rie die bestürzte Gattin ganz erstaunt aus, ״wie kannst du nur deinen eigenen Kindern ein solch trauriges Prognosticon stellen?" ״Die Armuth", entgegnete ihr der fromme Gatte, ״sie durchläuft die ganze Welt und kein Mensch bleibt verschont von ihr." (Sabbath 15.) Man muß daher, solange man Besitzer irdischer Güter ist, dieselben derart verwenden, dass man für alle Fälle die Früchte segensreicher Thätigkeit und edler Wirksamkeit genieße. Von dem großen Philanthropen und ausgezeichneten König Munobaz wird im Talmud erzählt, dass er in einem Jahre der Hnngersnoth sämmtliche Getreidevorräthe, die seine Ahnen jahrelang aufgehäuft, dem hungernden Volke bereitwilligst unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Als ihm seine Angehörigen hierüber Vorstellungen machten und ihm zuriesen : ״während | deine Väter die vorhandenen Vorräthe zu vermehren suchten, List j du bestrebt, dieselben in nnnützer Weise zu vergeuden," entgegj nete er ihnen ganz ruhig: ״Meine Ahnen häuften Schütze für die Erde, ich aber für den Himmel; während jene ihre Güter an Orten verwahrten, wo sie der Zerstörung und Vernichtung preisgegeben waren, bringe ich meine Schätze an einen Ort, wo sie unmöglich angegriffen werden können; was mente Väter gesammelt, trägt keine Zinsen, meine Schätze hingegen sind! fruchtbringend: während meine Ahnen für Andere gespart und - gesammelt, sammle ich für mich selbst, für die Zukunft, für die I Ewigkeit." (Bab. Batra 11.) Uebrigens ist aus dem Worte der