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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-07-21 · Heft 19 (21.7.1891) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 19 (21.7.1891)
Date
1891-07-21
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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׳7״ — auch würdigen zu wollen. Unsere Bitte war insoferne von Erfolg gekrönt, als die Wiener Cultusgemeinde in ihrem jüngst ausgearbeiteten Gemeindestatute dem jüdischen Cantor einen hervorragenden Platz als Religionsdiener anwies, und auch die hohe niederösterr. Statthalterei fand sich veranlasst, in einer von ihr jüngst einberufenen Enquete ein Elaborat vorzulegen, welches die Verhältniße der jüdischen Cantoren genau präcisirte. In dieser Enquete nun erlaubte sich ein Laie, der als Experte zugewgen war, die Bedeutung des jüdischen Cantors beim Gottesdienste in Abrede zu stellen, und trotz der Einsprache der Wiener Experten, welche von den Vertretern der Landgemeinden überstimmt wurden, soll das von der hohen Statthalterei vorgelegte, die Cantoren betreffende Elaborat eliminirt werden.'Da es nun allgemein bekannt ist, dass im Judenthum ein öffentlicher Gottesdienst nur dann möglich ist, wenn mindestens 10 Personen sich zum Gebete versammeln, von welchen Einer ein Vorbeter sein muß, mag er Cantor, Chasan, Schaliach- Zibbur oder wie immer heißen, und diese Thatsache von den hervorragendsten rabbinischen Autoritäten anerkannt wird, erlauben wir uns, an Euere Excellenz, als edlen Beschützer des Rechtes, das tiefergebene Ansuchen zu stellen, die Angelegenheit nochmals zu prüfen und die in der Eingabe enthaltene Bitte des Cantorenstandes verwirklichen zu helfen." Der Minister- Präsident, der der Deputation in der zuvorkommendsten und leutseligsten Weise begegnete, betonte in seiner Antwort, dass es noch immer Zeit sei, eventuell als nothwendig sich erweisende Aenderungeu in den Statuten vorzunehmen, da die Enqueten nur informativen Character hatten, und versprach, die Eingabe eingehend zu prüfen und im Vereine mit dem Cultusminister die Wünsche des Cantorenstandes nach Thunlichkeit zu berücksichtigen. Vom Grafen Taaffe begab sich die Deputation zum Cultusminister Baron Gautsch, dem die gleiche Eingabe mit einer ähnlichen Ansprache überreicht wurde. Auch Se. Excellenz der Cultusminisleb sagte die möglichste Förderung zu und fragte schließlich, in welchem Wunsche die Eingabe zusammengefasst werden könne. Hierauf antwortete Obercantor Singer: ״Anerkennung der Cantoren als Neligionsdiener und Nachweis der österreichischen Staatsbürgerschaft bei Anstellung derselben." Nachdem der Cultusminister sich über den Umfang der staatlichen Jngerenz in Cultussachen ausgelassen hatte, sagte er ungefähr Folgendes: ,,E s f r e u r m ich, meine H e r r e n, . d a s s Sie Ihre Rechte so warm v e rth eid i gen, und seien Sie überzeugt, dass nach Prüfung der Eingabe von meiner Seite das Möglichste geschehen wird." Mit dieser Versicherung wurde die Deputation gnädigst entlassen. Wien. Samstag, den 11. Juli fand in der durch Wohlthätigkeit und ausgeprägten religiösen Sinn bekannten Familie des Herrn Mareus Bon di ein Bar-Mizwafest statt. Unter den Gästen waren anwesend: Dr. Abr. Hirsch,, Sohn des Commercienralhes Benj. Hirsch ans Halberstadt, Ehrw. Rabbiner I. B. Koh n, als Vertreter der Schiffsynagoge Herr M. Hirschler, als Vertreter der Talmud-Thora Herr S. Buchwald, Cbacham Papo und Andere. Der Confirmand Samuel B o n d i hielt eine vorzügliche Rede aus der Hagada und außerdem eine talmudische Abhandlung; auch die Zwillingsschwester des Confirmanden überraschte mit einer äußerst gelungenen, humoristischen Ansprache. Es folgte dann ein Mahl, bei welcher Gelegenheit mehrere Toaste gesprochen wurden. Einen besonderen Toast brachte Herr Rabbiner K o h n auf den Festgeber. Vielen Beifall ernteten die Vorträge der Cantoren Witmann und Weinberger. Wien, 11. Juli. Die Statuten des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus haben heute die Genehmigung der Statthalterei erhalten und ist der Verein somit nunmehr in der Lage, seine Thätigkeit zu beginnen. Uobitschau, 16. Juli. Für die im Jahre 1866 im großen Gefecht zwischen Tobitschau und Dub gefallenen tapferen Krieger fand gestern als am 25. Jahrestage in dem hiesigen isr. Gotteshause nach dem üblichen Schachrith-Gottesdienste eine Gedächtnisfeier statt, bei 'welcher Herr Cantor I. Weiß nach dem Psalm ^äonuj molr odom ein ergreifendes deutsches Gebet für die pflichtgetreuen, gefallenen Brüder vortrug. Hierauf wurde ״Haskoras neschomajis“ äbgehalten und mit dem üblichen Kaddisch-G'ebete fand diese schöne und pietätvolle Feier ^hren Abschluss. Wünchengrätz. Am 29. Juni um 11 Uhr Vormittags, als am 25. Jahrestage der Schlacht bei Münchengrätz, fand auf dem hiesigen israel. Friedhofe eine Gedächtnisfeier für die daselbst ruhenden israel. Soldaten statt, und zwar giengen die sämmtlichen Gemeindemitglieder mit dem Cantor Herrn Schrecker an der Spitze auf den Friedhof, woselbst die Gräber der Soldaten mit Kränzen und Blumen geschmückt wurden. Herr Cantor Schrecker verrichtete daselbst ein Gebet, worauf der Cultusvorsteher Herr Franz Kompert eine auf diese Feier bezügliche Ansprache hielt. Es betheiligten sich auch mehrere Mädchen, welche ebenfalls Bouquets auf die Gräber der Gefallenen legten. Gleichzeitig wurde unter den Gemeindemitgliedern eine Sammlung eingeleitet, um den gefallenen israel. Kriegern ein würdiges Denkmal zu setzen. Lemberg. Nach Meldung polnischer Blätter sind in der verflossenen Woche mehr als 900 Juden aus Litthauen a u s g e w a n d e r t. In Smolensk wurden die jüdischen Einwohner vom Polizeiminister verständigt, dass sie infolge höheren Auftrages entweder die Stadt verlassen oder sich zum russichorthodoxen Glauben bekehren müssen. Auf diese Nachricht hin versammelten sich die Inden in der Synagoge, wo ein Trauergottesdienst abgehalten wurde. Der Rabiner hielt eine Ansprache an die Glaubensgenossen, in der er dieselben beschwor, dem Glauben der Väter treu zu bleiben und nicht um materiellen Vortheiles willen das Religionsbekenntnis zu wechseln. Die Anwesenden gelobten ausnahmslos, beim jüdischen Glauben zu verharren. Binnen zwei Tagen veräußerten sie ihre Jmmobitten und verließen die Stadt. Kein einziger Jude ist zur russischeu Kirche übergetreten. Bukarest, 13. Juli. Die Kammer hat die Verhandlung über den Antrag betreffs Einsetzung einer Commission, welche Maßnahmen gegen das Ueberhandnehmen des jüdischen Elementes zu beratheu hätte, und der angeblich blos gegen Einwanderungen aus Rußland gerichtet war, vertagt. Die Vertagung ist in diesem Falle gleichbedeutend mit einer Ablehnung. Petersburg. Am 10. Juli brach ein blutiger Aufstand gegen die Juden in Gouvernement Tawbow aus. Truppen wurden zur Hilfeleistung Herbeirusen; ihr Eingreifen hatte das Ergebnis, dass 30 Personen getödtet und eine große Menge verwundet wurde. London, 17- Juli. Die ״Times" veröffentlichen weitere Mittheilungen des Baron Hirsch über seinen Plan für die Colonisirung der russichen Juden. Die fürchterlichen Leiden unter den Juden, namentlich den Kindern erheischen energisches Handeln. Die russiche Regierung habe die ihr unterbreiteten verschiedenen Maßregeln im Princip angenommen. Baron Hirsch gedenkt, zuvörderst eine große englische Gesellschaft zn gründen, in welcher er alle oder die meisten Actien nehmen werde, nicht für Gewinnzwecke, sondern um eine geschäftsmäßige Verwaltung des philanthropischen Unternehmens zu sichern. Der nächste Punkt des Programmes sei die Bildung eines großen Repräsentations-Ausschusses, bestehenv aus Juden der ganzen civilisirten Welt, welcher ein Executiv-Comite ernennen wird, welches in Vereine mit den jetzt in Rußland mit Zustimmung der Regierung zu bildenden Ausschüssen Schritte für die regelmäßige, methodische Auswanderung ergreifen soll. Wublicationeu des Hester.-ungarischen Kantoren-Ver eines. Da der Präses des Cantoren-Ver ines, Herr Obercantor Josef Singer, vom 20. Juli bis 20. Aligust auf seinem Urlaub außerhalb Wiens sich aufhält, sind während dieser Zeit alle Zuschriften in Dereinsangelegenheiten an den ersten Präses- Stellvertreter, Herrn Obercantor I. Bauer, II., Novaragaffe 27, zu richten. Der Vorstand des Oester.-nngarlschen Cantoren-Vereines. An unsere verehrten Kollegen nnd Abonnenten richten wir neuerdings die dringende Witte, den kkeinenAbonnementsbetrag, welcher ausschließlich zu Hrhaktnng nuferes so wichtigen Jachvkattes gehört, nmgehend einzusenden. Aie allerwenigsten unserer Leser Haben bis nun zum Huartak ihre Wsticht erfüllt. Wir erwartendass dieser Appell nicht unverüLKchtigt bleiben wird. Die Administration.

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