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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1891-07-11 · Heft 18 (11.7.1891) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
11 (1891)
Issue
Heft 18 (11.7.1891)
Date
1891-07-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Canioren - Zeitung. Oezn.txa,l־־Org־a,:n. Pränumerations-Preis. Kür Kantoren und Kuttusveamte in Hesterreich-Ztngarn Ganzjährig . . . . fl. 4 — Halbjährig .. . . . . fl. 2.— Kür Kantoren und KultusSeamte im Anstand Ganzjährig . : . . . S Mark oder 4 Rubel. Kür private und Institute Ganzjährig. . . . . - st. 6.— für die Interessen der Cantoren und Culkusbeamken. Erscheint jeden zehnten Tag. -- Begründer: Obercantor Jacob Bauer. Hledaction || und ij Administration jj Men j II. Novaragasse Nr. 27. Inserate j Werden billigst berechnet. 1 Manuskripte werden nicht!1 retournirt. I __ li Abonnements- und Jnsertion.be-!! träge sind in Wie» zahlbar.!l Nr. 18 Wien, 11. Juli 1891. 11. Jahrgang. Einladung snr Pränumeration auf die ״Oesterreich.-Angar. Eantoren-Zeitung." A)ir beehren uns die geehrten Herren Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, dass mit 1. Juli das IH. Quartal dieses Jahrganges begonnen hat, und ersuchen um umgehende Einsendung des ^rännmerations-Metrages. Gleichzeitig bitten wir um freundliche Zuführung neuer Abonnenten aus Lollegen- und Bekanntenkreisen, zu welchem Zwecke wir 'Mrokenummern bereitwilligst zur Derfügung stellen. Die Administration der ״Oesterr.-ungar. Lantoren-Zeitung". Die wichtigsten Institutionen -es Iudenthnms nach der Bibel, dem Talmud und den Aussprüchen der Weisen in Israel. Dargestellt von Dr. M. H. F riedländer, Bez.-Rabbiner in Pisek. I. Iie Schute. Die der Verbreitung der Kenntnis der Thora gewidmete Institution, die Schule, ist ebenso alt als das Judenthum selbst. Ein Volk, das, wie wir bereits in der Einleitung bemerkten, berufen wurde, als Träger einer großen, ja der größten Idee in der Geschichte, als Lehrer der Völker der Erde eine hervorragende Nolle zu spielen, musste selbstverständlich frühzeitig schon darauf Bedacht nehmen, dass vor Allem in der Familie, wie in der Gemeinde für die Verbreitung und Förderung der religiösen Wissenschaft Sorge getragen wird, und dieses geschah dadurch, dass ursprünglich, nämlich in der biblischen Zeit, jeder Vater als solcher verpflichtet war, seinen Kindern selbst den Religionsunterricht zu ertheilen und die Erziehung derselben zu leiten. ״Und Du sollst die Lehren der Religion Deinen Kindern ein- 'schärfen und von ihnen (den Lehren) reden, wenn Du in Deinem Hause sitzest, auf dem Wege gehest, wenn Du Dich niederlegst und wenn Dn aufstehest." (5. B. M. 6. 7). ״Und ihr sollt sie euren Kindern lehren, um von ihnen zu reden, wenn Dn sitzest 'in Deinem Hause" u. s. w. (5. B. M. 11, 19). ״Und mache sie bekannt Deinen Kindern und Enkeln" (idicl. 4, 9). ״Versammle das Volk, die Männer, die Frauen und die Kinder, damit sie hören rc. Und die Kinder, die nichts verstehen, sollen hören und lernen (ibiä. 31, 13). Und da jeder Vater es als seine erste und heiligste Pflicht betrachten musste, seine Kinder selbst in der Lehre Gottes zu unterrichten, so wird man es auch leicht begreiflich finden, warum es während des ersten Staatslebens keine öffentliche Kinderschulen gegeben hatte. Hochschulen zur Heranbildung von Volkslehrern, Volksrednern, Propheten existirten auch damals schon. (1. Sam. 10, 6). Erst während des zweiten jüdischen Staatslebens wurde das Bedürfnis lebhaft fühlbar, öffentliche Kinderschulen ins Leben zu rufen. Simon b. Schetach*), ein Synhedrialpräsident, der zu Anfang des letzten Jahrhunderts v. Ehr. geblüht, war es, der sich um die Gründung öffentlicher Kinderschulen unsterb hche Verdienste erworben. Im Jeruschalmi (Ketuboth) wird ev־ zählt, ״dass Simon b. Schetach, nachdem er die Ueberzeugung gewonnen, daß der Jugendunterricht durch die Eltern ein höchst mangelhafter sei, und verwaiste Kinder desselben gänzlich entbehren mussten, die Bestimmung getroffen habe, dass die Kinder gemeinsam in öffentlichen Schulen den Unterricht genießen sollen." Man darf daher mit Fug und Recht Simon b. Schetach, der vor ungefähr 2000 Jahren lebte, den Schöpfer und Begründer der öffentlichen Schulen nennen. Erneuert und erweitert wurde diese Verordnung später durch den berühmten hochverdienten Hohepriester Joma b. Gamla, der ungefähr 70 n. Ehr. an allen Orten, wo Juden wohnten, Kinderschulen errichten ließ. Es wird uns im Talmud Folgendes hierüber berichtet: ״Dieses Mannes möge nur zum Guten gedacht werden, er heißt Josua b. Gamla. Die Thora wäre in Israel vergessen worden, wenn er nicht für die Verbreitung ihrer Kenntnis Sorge getragen hätte. Bis dahin war es üblich, *) Während der grausamen Verfolgungen, denen die Pharisäer unter Hirkan und Alexander Jannäus preisgegeben waren, entstand dem Rabbinismus in der Person des Simon b. Schetach sein Redemptor und Begründer, der, wie der Talmud sagt, durch seine überaus segensreiche Thätigkeit der Krone des Gesetzes ihren früheren Glanz wieder zu derleihen verstanden hatte. (Kidd. 66). Er soll, wie der Talmud (Ber. 48) erzählt, der Bruder der Königin Alexandra Saloma, Gattin des vom Pharisäismus abgesallenen Königs Alexander Jannäus, gewesen sein; daher er auch am königlichen Hose als einflußreiche Dignität sigurirt hatte. (Vergl. M. H. Friedländer Geschichtsbilder, I. Theil, 2. 7).

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