Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 11 (1891)
- Issue
- Heft 15 (11.6.1891)
- Date
- 1891-06-11
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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oder die Frau den Scheidebrief nicht annimmt. Dies hat nämlich zur Folge, dass im Fülle der Verweigerung der Ausfolgung oder Annahme das Urtheil selbst als Beweis für die definitive Lösung des Ehebandes zu betrachten ist. Von civilrechtlichem Gesichtspunkte ist es mithin zweifellos, dass nach Erwachsen in Rechtskraft des die Ehe lösenden Urtheils, und nach Ablauf der für die Übergabe und Übernahiw^ des Scheidebriefes bestimmten! Frist - von acht Tagen die Eheleute unbedingt eine neue Ehe - einzngehen berechtigt sind. Jedoch im Hinblick auf die Gewissensfreiheit können die zur Schließung der jüdischen Ehe competenren Organe nicht gezwungen werden, auf diese Weise bei einer neuen -Eheschließung eines der Gatten einer solchen Ehe, welche durch die Staatsgesetze gelöst wurde, mitzuwirken, wenn diese! Organe eine solche Mitwirkung als mit ihrer religiösen Über- ׳ zeugung im Widerspruche stehend betrachten." Lemberg!. In der Bibliothek des Grafen Stanislaus -Tarnovky in Snyatinka, wurde ein interessanter Fund gemacht, welcher sich auf die Constitution vom 3. Mai 1792 bezieht und den Jubel und Dankbarkeit der gesammten Judenschaft Polens, gegen den König und den Reichstag bekundet. Es ist dieses eine Hymne welche am 3. Mai 1792, als am Jahrestage der Promulgirung der Constitution, in -allen- Synagogen Polens gesungen wurde und die in der königlichen Hosbuchdruckerei von P. D u f o u r in Warschau im Jahre 1792 in 4 Sprachen: Hebräisch, Polnisch, Deutsch und Französisch im Drucke erschien. Es unterliegt keinem Zweifel, das das Hebräische der Urtext fei und das Polnische, ^Deutsche und Französische Übersetzung sind. Denn außerdem dass das Hebräische vorangesetzt wurde, ferner dass dasselbe in schönen Rhythmen und , Reimen gehalten ist, wählend die Hymnen in den andern 3 Sprachen ungereimt find, spricht aus letzteren der! Geist, der hebräischen Sprache laut und unzweifelhaft heraus.' Mkseu. Samstag, den 30. Mai fand im Kaisersaale am ,Pochotin" ein Concert des Pilsner Chor-Gesangsvereins unter persönlicher Leitung des Chordirectors, Herrn Obercantor Armin ,Fr ei sing er, sowie unter Mitwirkung der Musikkapelle des hiesigen Scharfschützen-Corps (Capellmeister Herr Em. Plechaty) statt-.' Das gutgewählte Programm, wie auch die Exactheit der Vorträge wurde mit vielem Beifalle belohnt. Nach den Vorträgen vereinigte sich die Jugend zu einem flotten Tanzkränzchen, das bis in die frühen Morgenstunden währte. Bromöerg. Der hiesige Rabbiner, Herr Dr. W. Kleinper er, ist zum Prediger der jüdisch-freireligiösen Holdheim-Gemeinde, die bekanntlich den Sabbath auf den Sonntag verlegt hat, gewählt worden. . Kaum wurde diese Wahl hier bekannt, da erklärte der Präses der hiesigen Synagogengemeinde, Herr Stadtrath L. Aron so hn, dem Herrn Dr. Klemperer, dass er von diesem Tage ab der rabbinischen Functionen in Bromberg enthoben sei und auch die für den Samstag augekündigte Predigt zu unterlassen habe. Der Vorfall rief in der Gemeinde große Aufregung hervor und erschien um so unerklärlicher, als Herr Dr. Klemperer in seinen Predigten stets zur Frömmigkeit und Religiosität ermahnte, nie eine Spur von Freisinnigkeit verrietst und tagtäglich früh und Abend die Synagoge besucht hat. Kannover, 1! Jnni. Gelegentlich der hierorts stattgehabten Versammlung von jüdischen Lehrern der Provinz Hannover fanden verschiedene musikalische Vorträge statt. Herr Obercanlor Lazarus sang zur allgemeinen Zufriedenheit der Zu- Hörer mehrere Lieder, worauf der ungarische Baritonist, Herr Julius Meszey und der jugendliche Tenorist, Herr Julius B e r g g r ü n — ein Sohn des verstorbenen Obercantors Heinr. Berggrün — ein Duett ans Donizetti's ״Belisar" fangen und würde den Herren für den gebotenen reichen Genuß ungetheilter Beifall zu Theil. Hervorzuheben ist noch das Geigenspiel des Herrn Theodor Frankel, Sohn des Cantors Frankel aus Gr.-Glogau, welcher sich seiner Aufgabe recht gut entledigte. B. Baris. In hiesigen jüdischen Kreisen ist vielfach der Wunsch laut geworden, die Feier des Sabbaths von Samstag auf Sonntag zu verlegen, um den in der Woche beschäftigten Israeliten die Betheiligung am Gottesdienste zu erleichtern. Der Großrabbiner Zadok Kahn zeigt sich geneigt, am Sonntag für die in der Woche beschäftigten Personen, namentlich. für die Schulkinder, einen besonderen Gotte sdienst mit Musik, Chören und Predigt zu veranstalten. London. Der hiesige griechische Gesandte, Herr Grenadius, lässt.es sich angelegen sein, das an den Minister-Präsidenten in Athen gerichtete Telegramm des Großrabbiners von Korfu, in welchem der Letztere der Regierung für die den Juden geleistete materielle Hilfe und für die zur Wiederherstellung der Ordnung auf der Insel ergriffenen Maßnahmen seinen Dank ausdrückt, zu veröffentlichen. Der Gesandte Griechenlands begleitet diese!Kundgebung mit folgenden Bemerkungen : ״Ohne ein Wort hinzuzufügen, welches den Streit erbittern oder verlänger!: könnte, wünsche ich dem tiefen Schmerze, dem Bedauern und der Bestürzung Ausdruck zu geben, welche die Ereigniße in Korfu, bei Sr. Majestät Regierung, bei der großen Majorität, ja ich mag wohl sagen bei der Gesammtheit der griechischen Bevölkerung und bei unseren Landsleuten im Auslände ausnahmslos hervorgerufen haben. Wir beklagen die grausamen Ausschreitungen so lebhaft wie die Juden selbst und hoffen nur, dass das unschuldig vergossene Blut und das heraufbeschworene Elend am Ende dazu beitragen werde, zwei alte Völker einander näher zu bringen, die wiewohl verschieden in Ursprung und Glauben, die zwei großen Grundpfeiler bilden, auf welchen die Religion, die Aufklärung und die Fortschritte der civilisirten Welt beruhen, die eine glorreiche Vergangenheit gemeinsam haben, die Perioden grausamer Leiden und trauriger Knechtschaft durchgemacht haben und, endlich in ein Stadium der Regeneration tretend, beide an den Anbruch einer hoffnungsvolleren Zukunft glauben." Marocco. Zu Beginn des vorigen Monats gebar eine Jüdin in Marräkasch vier vollentwickelte, lebende Kinder — zwei Knaben und zwei Mädchen. Der Sultan ließ dem Vater, der ein armer Mann ist, sagen, die Kinder sollen zu ihm gebracht werden, er wünsche sie zu sehen. Nachdem seinem Wunsche entsprochen worden war, gab er dem Vater 40 Dollars und ein neues Gewand für die Mutter. Natürlich erregte dieses Ereignis in der Stadt Marrakasch großes Aufsehen, ganz besonders da der Sultan lebhaftes Interesse an der ganzen Angelegenheit zu nehmen scheint. Litteratur. — Dkälter für orientalische Litteratur. Soeben sind erschienen ״Blätter für orientalische Literatur". Zugleich Catalog Nr. 104 des großen Bücherlagers von Wilhelm Jacobsohn & Comp., Buchhändler in Breslau, Kupferschmiedstraße Nr. 44. (Specialität: Litterätur des Judenthums). — Eyrenökatt. Um den denkwürdigen Moment, in welchem die Reichsraths-Abgeordueten Dr. I. Bloch und Professor Dr. I. Zucker die Angriffe des Antisemitismus im österreichischen Reichsrathe Widerlegten, für die Zukunft sestzuhalten, hat Herr Rabbiner A b e l e s in Kaaden genau zuni Jahrestage ein Gedenkblatt herausgegeben, darstellend die beiden Vertreter des Judenthums in Wort und Bild. Das hübsch ausgestatte ״Ehrenblatt" wird hoffentlich in zahlreichen Familien Eingang finden. ,.Wajhi öinfoa". Musikbeilage zu Nr. 10 der ״Oesterr.-ungar Cantoren - Zeitung" 1881. — Der Componist dieses liturgischen Stückes ist der uns schon bekannte Cantor Osias Hochglück in St. Gallen. Wem sollte es nicht eine Freude bereiten, einem strebsamen Collegen und, wenn auch nur in seinen Arbeiten, zu begegnen? Dieses stimmungsvolle, hübsch durchgeführte Opus, "gibt uns eine Illustration von der Religiosität des Componisten. Abgesehen von einigen kleinen harmonischen Härten, liegt ein dramatischer Zug in der ganzen musikalischen Wiedergabe des Bibel- Verses. Für die Zukunft aber empfehlen wir dem lieben Collegen die Wiederholung biblisch-hebrärscher Worte vermeiden zu wollen. Es wird uns stets angenehm sein, aus diesem Pfade den Componisten öfter zu treffen. 31. T. Z>en geschätzten Lesern und Mitarbeitern unseres Wkattes wünschen wir שבדת יום טיב• Durch Aufstellung einer eigenen Druckerei für mein Jahrzeitstabelten-Geschäft bin ich in der angenehmen Lage, den Herren Collegen ein prachtvollst ausgeführtes Gedenkblatt ohne ]Rücksicht auf Grösse und Format mit eingedrucktem Text und Umrechnung — nur gegen vorherige Einsendung des Betrages, da die Nachnahme das Porto um 36 kr. erhöht — um 80 kr. franco zu liefern. Meine Blätter sind für 2—21/0 ״. die kleinen, für 25—2/י fl. die grossen verkäuflich. Muster gegen Einsendung von 50 kr. in Marken. Ebenso empfehle ich Smane hatefilos- und Kerenkaiemes- Tafeln, sowie leere Gedenkblätter billigst. Adolf Türk, Obercantor in Mähr.-Ostrau, Mähren,